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Datenleak

"Wir müssen noch vorsichtiger sein"

Seit bekannt wurde, dass ein 20-Jähriger die privaten Daten von mehr als 1.000 Politikern, Journalisten und Prominenten geleakt hat, ist die Republik in Aufruhr. Wir haben uns umgehört: Was bedeutet das für Interessenvertreter, Politikberater und Journalisten?

aus der Redaktion

Bernhard Rohleder

Bernhard Rohleder ist seit 1999 Hauptgeschäftsführer des Bitkom.

 Foto: Bitkom 

Für Verbände gilt das gleiche wie für Unternehmen oder Behörden: IT-Sicherheit ist eine Pflicht, keine Kür. Mit ihrer hohen Anzahl an Personenkontakten und vertraulichen Unternehmensdaten können Verbände ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle sein. Insofern müssen auch Verbände sicherheitstechnologisch und -organisatorisch auf der Höhe der Zeit sein. Auch müssen sie das Bewusstsein für den sicheren Umgang mit Daten im eigenen Haus schärfen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen in puncto IT-Sicherheit aktuell informiert und im Bedarfsfall geschult werden. Dazu gehört, dass sie alle verfügbaren Sicherheitsinstrumente wie starke Passwörter, Virenscanner, Firewalls sowie regelmäßige Updates kennen und aktiv nutzen.

 

Dominik Meier

Dominik Meier ist geschäftsführender Gesellschafter von Miller & Meier Consultung und seit 2002 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung (Degepol).

Foto: Tim Flavor

Politik und Beratung leben vom verantwortlichen Austausch von Informationen. Es liegt in der Verantwortung der Interessenvertretung selbst, mit hohem eigenen technischen und finanziellen Aufwand Daten-Lecks zu verhindern. Zusätzlich hat die Interessenvertretung eine überzeugende Antwort auf die immer höheren Standards aus den gesetzlichen Anforderungen wie der DSGVO zu finden. Im selbem Atemzug steigen die internen und externen Anforderungen an Organisationen, ihre Informationen Compliance-konform zu schützen. Was also tun? Erst einmal sind die Aussagen des Degepol-Kodex eindeutig. Aus straf- oder persönlichkeitsrechtlichen Gründen ist die Kenntnisnahme oder Nutzung derartiger Informationen illegal. Wer solche Informationen einsetzt, agiert in höchstem Maße demokratieschädlich! Innerhalb der Degepol hat bereits eine Diskussion begonnen, ob unser bisheriger Kodex um Themenfelder wie Digital Public Affairs oder Datensicherheit/Datenschutz erweitert werden sollte.

 

Frank Überall

Frank Überall ist Politologe, Journalist und Autor. Seit 2015 ist er Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands.

 Foto: Frank Sonnenberg

Ein 20-jähriger Schüler soll teils öffentlich zugängliche, teils in dubiosen Internetforen zirkulierende Daten abgefischt und über Twitter verbreitet haben. Also kein Hackerangriff, aber immerhin ein Besorgnis erregender Datenklau. Dennoch war die Verunsicherung groß. Für deren Ursachen ist nicht allein der 20-Jährige verantwortlich, sondern vor allem die kriminellen Hacker, die seit Jahren schon unseren Datenalltag wie lästige Schatten begleiten: kaum ein User, der noch völlig unbekümmert im Internet unterwegs ist. Datenmissbrauch ist bei Journalistinnen und Journalisten besonders heikel, weil sie die Pflicht haben, ihre Informanten zu schützen. Die Lehre aus dem Datenklau: Wir müssen noch vorsichtiger sein.