Young Thinkers

15 kluge, junge Köpfe, auf die Deutschland hört

Die Welt um uns herum immer schwieriger zu verstehen. Die Inflation fühlen wir bei jedem Einkauf. Die Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine hören wir täglich in U-Bahn-Gesprächen. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können wir in ihren Folgen kaum überblicken. Mit dem Klimawandel schließlich haben wir eine Aufgabe vor der Brust, die das alles in den Schatten stellen könnte. Glücklicherweise helfen uns kluge Köpfe und öffentliche Intellektuelle aus Think-Tanks, Universitäten und Instituten dabei, zu verstehen. Sie forschen, erklären, ordnen ein, beraten. Hier stellen wir Ihnen unsere „Young Thinkers“ vor: Das sind junge Wissenschaftler, Expertinnen und Think-Tanker, die Sie auf dem Schirm haben sollten. Schon heute prägen sie politische Debatten in politischen TV-Talkrunden, klugen Zeitungsberichten und als geladene Sachverständige im Bundestag. Für die Auswahl haben wir renommierte Experten in ein Gremium eingeladen, Vorschläge von ihnen gesammelt und über ihre Favoriten abstimmen lassen. Von diesen „Young Thinkers“ werden wir noch viel hören:

 

Finanzpolitik

Foto: Fionn Große

Name: Philippa Sigl-Glöckner (33)
Tätigkeit: Gründerin und Direktorin der Denkfabrik Dezernat Zukunft

Im Studiengang Philosophy, Politics and Economics (PPE) an der Elite-Universität Oxford haben die Karrieren mehrerer britischer Premierminister und eines US-Präsidenten begonnen. Deshalb verwundert es nicht, dass Philippa Sigl-Glöckner nach Stationen in einer Unternehmensberatung in London, der Weltbank in Washington und im liberianischen und deutschen Finanzministerium im Alter von 30 Jahren die Leitung des zwei Jahre zuvor von ihr mitbegründeten Think Tanks „Dezernat Zukunft“ übernommen hat. Sie befasst sich dort mit einer neuen Finanz- und Wirtschaftspolitik, die nicht Gewinnmaximierung oder Wachstum, sondern Demokratie und Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt. Aktuell baut sie Partnerorganisationen in anderen europäischen Ländern unter dem Dach des European Macro Policy Networks (EMPN) auf. Laut p&k-Experte Jörg Asmussen ist Sigl-Glöckner eine „gehörte und kontroverse Stimme in der Diskussion um Schuldenbremsen in Deutschland“.

 

Bildung

Foto: Niko Neithardt

Name: Bob Blume (40)
Tätigkeit: Lehrer, Blogger, Autor und Podcaster / ­„Bildungsinfluencer“

Lehrermangel, marode Schulen und chronische Unterfinanzierung – diese Probleme kennt Bob Blume aus erster Hand: Er ist Lehrer. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er, wie etwa in den Tagesthemen oder im Studio bei Markus Lanz, erklärt, welche Schäden die Corona-Maßnahmen im deutschen Bildungswesen angerichtet haben und wie an den Schulen die Digitalisierung verschlafen wird. Für seine Social-Media-Tätigkeit wurde er 2022 als Blogger des Jahres ausgezeichnet und moderiert seit Anfang 2023 den SWR-Podcast „Die Schule brennt“. In seinem 2022 erschienenen Buch mit dem provokanten Titel „10 Dinge, die ich an der Schule hasse und wie wir sie ändern können“ fordert er nicht weniger als eine Revolution des Bildungssystems. Zurzeit arbeitet er an einem weiteren Buch zur Bildung, das sich vertieft mit dem Lernen im 21. Jahrhundert beschäftigt. Insbesondere die neusten Entwicklungen im KI-Bereich fordern hier unser altes Denken heraus.

 

Kommunikation

Foto: Erik Marquardt

Name: Johannes Hillje (37)
Tätigkeit: Politik- und Kommunikationsberater

Immer wenn ein Wahlkampf ansteht, politisches Framing diskutiert wird oder die AfD für Aufregung sorgt, ist seine Stimme gefragt. Johannes Hillje gilt als einer der profiliertesten Experten zum Rechtspopulismus. Bereits bevor die AfD im Herbst 2017 erstmals in den Bundestag einzog, veröffentlichte er mit „Propaganda 4.0“ ein vielbeachtetes Buch zu rechtspopulistischen Kommunikationsstrategien – ein Thema, zu dem er inzwischen promoviert hat. Dabei begleitet Hillje nicht nur die AfD. Er beobachtete den Bundestagswahlkampf 2021 mit einem eigenen Format bei ntv und beschäftigt sich intensiv mit Europapolitik. Hillje analysiert nicht nur politische Kommunikation in den Medien, sondern berät auch Kunden aus Politik und Wirtschaft. Aktuell beschäftigt sich Hillje mit strategischer Transformationskommunikation. „Indem er die Kommunikationsstrategien politischer Akteure bis in deren Hinterzimmer durchdringt, gelingen ihm überzeugende und lesbare Analysen unserer politischen Landschaft“, sagt p&k-Expertin Ursula Münch.

 

Nachhaltigkeit und Klima

Foto: DGAP/Zsófia Pölöske

Name: Kira Vinke (34)
Tätigkeit: Leiterin des Zentrums für Klima und Außenpolitik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Klimawandel und Migration gehören zu den zentralen Herausforderungen der Zeit. Dank der Arbeit von Kira Vinke werden beide Phänomene zunehmend zusammen gedacht. In ihrem 2022 erschienenen Buch „Sturmnomaden“ beschreibt Vinke, wie die globale Erwärmung große Gebiete praktisch unbewohnbar macht und die dort lebenden Menschen zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Vinke promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin zum Thema Klimawandel und Migration. Bis 2018 war sie am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wissenschaftliche Referentin des Direktors Hans-Joachim Schellnhuber. Danach übernahm sie die Leitung des Zentrums für Klima und Außenpolitik der DGAP. Hier beschäftigt sie sich mit den geopolitischen Dimensionen der Klimakrise und den Folgen des Klimawandels in Regionen, die von der Erderwärmung am stärksten betroffen sind: den Ländern des Globalen Südens. Vinke ist zudem Co-Vorsitzende des Beirats der Bundesregierung Zivile Krisenprävention und Friedensförderung.

 

Politikwissenschaft

Foto: privat

Name: Julia Reuschenbach (35)
Tätigkeit: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin

Es gibt kaum einen Parteitag, der nicht von ihr bei Phoenix kommentiert wird: Julia Reuschenbach gilt als die Politik-Erklärerin der Zukunft. Dazu passt ihr Anspruch, „dass es auch Aufgabe von Politikwissenschaft sein sollte, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Breite der Gesellschaft zu kommunizieren und verständlich zu machen“. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft und Neuesten Geschichte in Bonn und Berlin und dem Abschluss ihrer Promotion arbeitet sie seit Mai 2022 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Parteien, Wahlen, politische Kommunikation und Geschichtspolitik. Aktuell arbeitet sie an der interviewbasierten Studie: „Die ‚Kanzlerinnen-Partei‘ zurück auf konservativem Kurs? Innerparteiliche Willensbildung und programmatisches Profil der CDU nach Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels.“ Außerdem hat sie sich das Ziel gesetzt, ein Netzwerk von Politikwissenschaftlerinnen und Journalistinnen aufbauen, um die Sichtbarkeit von Kolleginnen in unterschiedlichen Medien zu fördern.

 

Sozialpolitik

Foto: Andreas Hornoff

Name: Julia Friedrichs (43)
Tätigkeit: Autorin, Journalistin und Filmemacherin

Vielen Menschen in Deutschland ist Julia Friedrichs vermutlich noch als Autorin der vielbeachteten Dokumentation „Geheimsache Katar“ in Erinnerung. Dabei ist Fußball bei weitem nicht alles, womitsich die Autorin, Filmemacherin und Werder-Bremen-Fan auskennt. Die „scharfsinnige Journalistin und Anwältin für soziale Gerechtigkeit“ (p&k-Experte Michael Roth) treiben die großen sozialen Themen um: Reichtum und Armut, Einkommen und Vermögen, Erben und Arbeiten, Ungleichheit und Umverteilung. In den letzten 15 Jahren veröffentlichte sie nicht nur mehrere Filme und Bestseller zum Themenkomplex (zuletzt „Working Class“, 2021), sondern wurde darüber hinaus auch zu einer zentralen Ansprechpartnerin vieler Medien dazu. Im vergangenen Jahr wurde sie als „Reporterin des Jahres 2022“ in der Kategorie „Reportage national“ ausgezeichnet. Auch im Jahr 2023 und darüber hinaus beschäftigen sie die Verteilung von Geld und Lebenschancen, die Fusion von wissenschaftlichen Erkenntnissen und erzähltem Leben und die Frage, „warum so vielen Menschen Chancen und Lage von Kindern in diesem Land so egal sind“.

 

Mobilität

Foto: David Ausserhofer

Name: Juliane Haus (39)
Tätigkeit: Wissenschaftliche ­Mitarbeiterin am Wissenschafts­zentrum Berlin für Sozia­lforschung

Im Mobilitäts-Sektor in Deutschland bewegt sich zu wenig. Er gilt nicht erst seit der aktuellen Bundesregierung als das Sorgenkind der Energiewende in Deutschland. Juliane Haus hilft mit, das zu ändern und die Verkehrswende noch zum Erfolg zu führen. Seit 2019 forscht sie am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung mit Arbeitsschwerpunkt im Bereich der transformativen Mobilitätsforschung. In ihrem 2021 erschienenen Buch „Das ökonomische Laboratop“ geht sie den Potenzialen experimenteller (regulatorischer) Spielräume in Reallaboren und Experimentierräumen nach. Wichtig ist ihr vor allem auch die kommunale Ebene. Dort möchte sie gezielt digital Wissen vermitteln und werben, um nachhaltige Mobilität auch in strukturschwachen Regionen zu ermöglichen. Für p&k-Expertin Dorothee Martin steht fest: „Juliane Haus zeigt mit ihrer Arbeit, dass sie alle Aspekte von Mobilität berücksichtigt und auch gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten mitdenkt.“

 

Medizin und Gesundheit

Foto: privat

Name: Cihan Çelik (36)
Tätigkeit: Oberarzt und Sektionsleiter Pneumologie am Klinikum Darmstadt

Die Coronapandemie ist vorbei, doch Cihan Çelik wird uns auch in Zukunft erhalten bleiben. Mit seiner im Mai gestarteten Kolumne „Wie ist die Lage, Herr Doktor?“ in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ knüpft Çelik nahtlos an seinen medialen Erfolg an, der vor allem auf eine Fähigkeit zurückzuführen ist: Çelik kommt aus der Praxis und redet Klartext. Er schafft es, auch komplexe medizinische Probleme verständlich zu erklären. Aber auch für ganz reale Probleme aus dem Krankenhausalltag findet er die passenden Worte. Seit Beginn der Pandemie berichtete Çelik regelmäßig in fast allen großen Medien von der Lage in der Klinik. Nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien war er als Helfer vor Ort und berichtete über die medizinische Lage in den betroffenen Gebieten. Seine Kolumne möchte er nutzen, um die Probleme unseres Gesundheitssystems in den Fokus zu rücken, und „eine unaufgeregte, wahrnehmbare und pragmatische Stimme aus der Praxis sein, die bei den nötigen Reformprozessen Ideen und Rückmeldung gibt“. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei, das Gesundheitssystem in Deutschland sozial gerechter zu machen.

 

Gesellschaft/Soziologie

Foto: Kostas Maros

Name: Carolin Amlinger (39)
Tätigkeit: PostDoc-Assistentin am Departement Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Basel

Libertärer Autoritarismus. Was genau das ist und was es mit unserer Gesellschaft macht, dem geht die Basler Gesellschaftswissenschaftlerin Carolin Amlinger gemeinsam mit ihrem Co-Autor Oliver Nachtwey in dem Buch „Gekränkte Freiheit“ nach, für das sie für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 nominiert wurden. „Carolin Amlinger hat sich in einem zurecht viel beachteten Werk mit jenen auseinandergesetzt, für die pragmatische Vernunft kein Kriterium ist“, sagt p&k-Experte Ulrich Schneider. „Ihre Arbeit ist hochaktuell und hochrelevant.“ Amlinger beschäftigt sich mit Fragen, die den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft betreffen: Warum werden gesellschaftliche Krisen als Kulturkampf reinterpretiert? Wie kann man die Neusortierung des politischen Raums verstehen, wo ehemalige Gegner plötzlich temporäre Assoziationen bilden? Außerdem forscht sie zu der gesellschaftsstiftenden, aber auch trennenden Kraft von Kultur: Wer liest (noch) Literatur und warum? Gibt es eine Spaltung der Gesellschaft in Lesende und Nicht-Lesende? Wer große Entwicklungen der Gesellschaft besser verstehen will, sollte Carolin Amlinger zuhören.

 

Extremismus

Foto: IMAGO/Future Image

Name: Pia Lamberty (39)
Tätigkeit: Geschäftsführerin beim Center für ­Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS)

Die Zeit der Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung war eine gute Zeit für Verschwörungstheoretiker – und damit eine besondere Herausforderung für Pia Lamberty. Nach ihrem Psychologiestudium in Hagen und Köln promovierte sie in Mainz, mit zwischenzeitlichem Aufenthalt im israelischen Be’er Scheva. 2021 gründete sie das Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das sie seitdem leitet. Gemeinsam mit Katharina Nocun veröffentlichte sie drei Sachbücher zu Verschwörungserzählungen und Esoterik, darunter der Bestseller „Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“. Aktuell befasst sich Lamberty damit, wie Demokratien besser mit Desinformationskampagnen fertig werden. Ob es um den Mythos der gestohlenen Wahl in den USA geht oder um russische Kriegspropaganda in Deutschland: Die „herausragende Expertin in Fragen von Verschwörungsmythen“ (p&k-Expertin Alev Doğan) ist in Politik und Medien gefragt.

 

Arbeit

Foto: David Degner

Name: Simon Jäger (37)
Position: CEO des Instituts für die Zukunft der Arbeit (IZA)

Simon Jäger ist auf der Kurzwahltaste vieler deutscher Wirtschaftsjournalisten. Kein Wunder: Für p&k-Experte Rüdiger Bachmann ist Jäger ein „Shooting Star der internationalen Arbeitsmarktökonomik“. Ausgebildet an den Top-Wirtschaftsfakultäten Bonn, Berkeley und Harvard, wo er den David-Wells-Preis für die beste wirtschaftswissenschaftliche Dissertation erhielt, wurde er im September 2022 Direktor des Instituts für die Zukunft der Arbeit, eines der führenden arbeitsmarktökonomischen Think Tanks und Netzwerke weltweit. Bereits seit 2017 ist er Professor am MIT in Boston. In Deutschland ist er nicht zuletzt durch seine TV-Auftritte bei Markus Lanz landesweit bekannt geworden. Seine Forschung untersucht, wie sich Arbeit verändert und welche Rahmenbedingungen inklusiven Wohlstands schaffen. Auch das Capital Magazin hat sein Talent schon entdeckt und ihn 2022 in der Kategorie Top 40 unter 40 ausgezeichnet.

 

Außen- und Sicherheitspolitik

Foto: DGAP/Zsófia Pölöske

Name: Sarah Pagung (34)
Position: Programmleitung im Bereich Internationale Politik bei der Körber-Stiftung

Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist Sarah Pagung eine gefragte Gesprächspartnerin für deutsche Medien. Die ausgewiesene Expertin für Osteuropa forscht vor allem zur russischen Außen- und Sicherheitspolitik. Mit ihrer Expertise hilft sie der Öffentlichkeit, den Konflikt zu verstehen und Ereignisse einzuordnen – ob in den Tagesthemen, im Deutschlandfunk oder in den Printmedien. Nachdem sie zwischen 2013 und 2022 bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik tätig war und im vergangenen Jahr promovierte, arbeitet sie seit Anfang 2023 für die Körber-Stiftung. Aktuell treibt sie die Standfestigkeit der europäischen Unterstützung für die Ukraine um: Wie lange bleibt der europäische Konsens bestehen? Welche Faktoren und Akteure können den Konsens von innen untergraben? Wie versucht Russland den Konsens zu schwächen? p&k-Experte Carlo Masala ist sich sicher: „Sie ist eine originäre Denkerin, von der wir in Zukunft noch mehr hören werden.“

 

Digitalisierung

Foto: privat

Name: Sven Weizenegger (40)
Tätigkeit: Leiter des Cyber Innovation Hub der ­Bundeswehr (CIHBw)

Die Bundeswehr schneller und agiler zu machen: Das ist eine der wichtigsten Aufgaben von Sven Weizenegger. Als noch niemand von der Zeitenwende sprach, übernahm er im Jahr 2020 den Job als Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr (CIHBw). Die digitale Innovationseinheit des Bundesverteidigungsministeriums gibt es seit 2017, es war die erste ihrer Art in einem Bundesministerium. Weizenegger versteht den CIHBw als „Do-Tank“ der deutschen Streitkräfte: Digitale Innovationen sollen von der Truppe kommen und für die Truppe gemacht werden. Ein weiteres Ziel des CIHBw ist der Kulturwandel innerhalb der Bundeswehr. Zuvor hatte Weizenegger als Startup-Gründer bereits privatwirtschaftliche Erfahrungen gesammelt. Außerdem war er mehr als 13 Jahre lang bei der Deutschen Telekom tätig, unter anderem im Vorstandsbereich. Für p&k-Expertin Verena Pausder ist er „Vordenker, Fachspezialist und Umsetzer, der die PS auf die Straße bringt.“ Nun soll er mithelfen, das Tempo beim Umbau der Bundeswehr zu erhöhen.

 

Migration und Integration

Foto: Mehdi Bahmed/Concept Photography Berlin

Name: Cihan Sinanoğlu (39)
Position: Leiter der Geschäftsstelle des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) am Deutschen Zentrum für Integrations- und ­Migrationsforschung (DeZIM)

Wie sieht eine nachhaltige Antirassismuspolitik für Deutschland aus? Diese Frage treibt Cihan Sinanoğlu schon lange um. Seit Oktober 2020 leitet er die Geschäftsstelle des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) am DeZIM-Institut. Zuvor promovierte er am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen . Er leitete als Geschäftsführer den Begleitausschuss der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen, deren 2020 veröffentlichte „Antirassismus Agenda 2025“ Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus aufstellte. Aktuell arbeitet Sinanoğlu am ersten Monito–ringbericht des NaDiRa. Er soll im kommenden September erscheinen. Neben Analysen zu Rassismus in den Medien und im Recht wird der Bericht auch Diskriminierung im Gesundheit unter die Lupe nehmen.

 

Wirtschaftspolitik

Foto: Hertie School

Name: Lion Hirth (38)
Position: Professor für Energie­politik an der Hertie School

Die gestiegenen Strompreise spürte im vergangenen Jahr jeder. Wie Strompreise überhaupt zustandekommen, erklärte der Energieökonom Lion Hirth im August in den Tagesthemen. Dieser Auftritt machte ihn einem breitem Publikum bekannt. Unter Ökonomen gilt Lion Hirth längst als „einer der führenden Energieökonomen Deutschlands“, so p&k-Experte Rüdiger Bachmann. Nach seinem Studium der VWL in Tübingen und seinem Magister am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wurde er beim Ökonom Ottmar Edenhofer promoviert, bevor er 2017 an die Hertie School berufen wurde. Als Mitglied der Gaspreiskommission beriet er auch die Bundesregierung. Sein Ziel ist es, den Strommarkt der Zukunft mitzugestalten. Neben einem stärkeren Fokus auf Wind- und Solarenergie bedeutet das vor allem mehr Netze, mehr Speicher und mehr Intelligenz im System. Damit wir – anders als letztes Jahr – keine bösen Überraschungen beim Blick auf künftige Stromrechnungen erleben.


Das p&k-Expertengremium: Jörg Asmussen (Hauptgeschäftsführer GDV); Prof- Dr. Rüdiger Bachmann (Professor am Department of Economics der University of Notre Dame); Alev Doğan (Chefreporterin bei Media Pioneer); Serap Güler, MdB (Ausschuss für Verteidigung); Verena Hubertz, MdB (Stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende für Finanzen); Gesche Joost (Professorin für Designforschung an der Universität der Künste Berlin); Andreas Knie (Sozialwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH (WZB) und Professor für Soziologie an der TU Berlin); Katja Kipping (ehem. Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales des Landes Berlin); Dorothee Martin, MdB (Mitglied in den Ausschüssen für Finanzen und Verkehr); Prof. Dr. Carlo Masala (Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München); Prof. Dr. Ursula Münch (Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing); Janina Mütze (Mitgründerin und Geschäftsführerin von Civey); Verena Pausder (Gründerin und Autorin); Michael Roth, MdB (Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses); Dr. Ulrich Schneider (Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.); Ria Schröder, MdB (stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende); Marie-Agnes Strack-Zimmermann, MdB (Vorsitzende des Verteidigungsausschusses); Prof. Dr. Hendrik Streeck (Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinikum Bonn)

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe N° 143 – Thema: 15 Young Thinkers. Das Heft können Sie hier bestellen.