Collage: Edition Körber, Herder
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Collage: Edition Körber, Herder
Rezension

Zwei Empfehlungen für Ihre politische Lektüre

Diese aktuellen Fachbücher sollten Sie griffbereit haben. Es geht um die "nervöse Berliner Republik" und Themen, die das Potenzial haben, die Gesellschaft zu spalten, sowie um einen Blick zurück auf eine lange politische Karriere. Zwei Rezensionen aus der Redaktion

aus der Redaktion

Streitbar

Als "Anti-Streitschrift" wird das neue Buch des kommentierfreudigen "Zeit"-Politik­redakteurs beworben. Mehr als die "Entgiftung" toxischer Themen stehen aber subjektive Thesen im Mittelpunkt. In der ersten Buchhälfte dia­gnostiziert Bittner den Status quo unserer "nervösen Berliner Republik". Die souverän getextete und inhaltlich dichte Hinführung, die Passagen zu den Folgen der deutschen Teilung ebenso beinhaltet wie Social-Media-Kritik, ist alles andere als nüchterne Analyse. Auch im zweiten Teil ver­ordnet Bittner seine Haltung mit jeder Zeile. Darin identifiziert er – leider recht monothematisch – sieben "heiße Eisen" mit dem Potenzial gesellschaftlicher Spaltung: Migration, Islam, Integration, Leitkultur, Heimat, Feminismus, Journalisten. Auf je zwischen zehn und 20 Seiten gibt er Überblick, Einschätzung und Handlungsempfehlung, wird der Komplexität der einzelnen Debatten dabei aber nicht immer gerecht. (ahü)

Jochen Bittner: "Zur Sache, Deutschland! Was die zerstrittene Republik wieder eint", Edition Körber, Hamburg 2019, 272 Seiten, 18 Euro

Nüchtern

28 Jahre lang war er an Regierungen beteiligt, mehr als zwölf davon gehörte Thomas de Maizière der deutschen Bundesregierung an. Nun hat er ein Buch über das "Regieren" geschrieben. In sieben Kapiteln blickt der frühere Minister hinter die Kulissen der Bundesregierung, Journalisten und Lobbyisten widmet er jeweils ein Unterkapitel: Er wägt den Sinn von Hintergrundgesprächen ab und erklärt, unter welchen Umständen er in Talkshows gegangen ist. Er erzählt, warum er als Minister nur selten Parlamentarische Abende besucht hat und warum ihn die "Unersättlichkeit der Verbände" nervt. Persönlich wird er selten. Nur als er sein Handeln im Flüchtlingsherbst 2015 erklärt, leistet er sich eine Spitze gegen Horst Seehofer. De Maizières Buch ist ein gut zu lesender, nüchterner Werkstattbericht, der erklärt, wie Politik funktioniert – und es so schaffen könnte, Vertrauen in Protagonisten und Prozesse wiederherzustellen. (kti)

Thomas de Maizière: "Regieren. Innenansichten der Politik“" Herder, Freiburg 2019, ­256 Seiten, 24 Euro