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Politik

Wie haben Sie geführt?

Welchen Führungsstil haben Sie gepflegt? p&k hat die ehemaligen Staatssekretäre Walther Otremba, Wilhelm Staudacher, Birgit Grundmann, Johannes Ludewig und Joachim Wuermeling danach befragt, wie sie ihre Führungsrolle ausgestaltet haben.

Redaktion

Walther Otremba, Staatssekretär in drei Bundesministerien (2006/11) und heute Vorsitzender des Bundesverbands Briefdienste:

Foto: (c) BMVg

"Auf die erste Führungsebene kommt man meist als Spezialist und ist so der natürliche Anführer der jüngeren Kollegen. Je höher man steigt, umso weniger Ahnung hat man von den meisten Sachthemen. Also führt man durch Ziele, Fragen und Stichprobenkontrolle. Ich habe immer Verantwortung delegiert, aber nie das Warum vergessen, wenn irgendetwas alternativlos sein sollte."

 

Wilhelm Staudacher, als Staatssekretär Bevollmächtigter Mecklenburg-Vorpommerns (1993/94) und Chef des Bundespräsidialamts (1994/99):

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"Ich hatte in unterschiedlichen Bereichen Führungsposten inne. Für diese Posten gab es kein Patentrezept, um erfolgreich zu sein. Insbesondere der Chef des Bundespräsidialamts ist ohne Vorbild und ohne Vergleichbarkeit. Ich ging nie unvorbereitet in eine Besprechung, ich wusste, was ich wollte, aber ich entschied nicht alleine. Ich entschied in Sitzungen sofort, war aber immer offen für Kritik und Anregungen. In allen Führungspositionen gab es in Einzelfeldern Erfahrenere, Kundigere. Die Besten um mich zu haben, machte mich und die Ergebnisse besser. Unverzichtbar war es, Mitarbeiter zu haben, die widersprachen, kreativ waren. Meine Fähigkeit bestand darin, zu leiten, Ergebnisse zu bündeln und persönlich integriert zu sein bis zum Ergebnis. Eine andere Fähigkeit – vielleicht eine für Mitarbeiter Lästige: Ich wollte keine eingefahrenen Wege, ich wollte Neues. Bestraft wurde keiner, aber ich gab Mitarbeitern das Gefühl, dass meine Erfolge ihre Erfolge waren."

 

Birgit Grundmann, (erste weibliche) Staatssekretärin des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz von 2009 bis 20014:

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"Meine Leitlinie war die 'Unternehmenskultur' des BMJV, der offene Diskurs über die beste (gesetzgeberische) Lösung, Kompromissbereitschaft und Interessenausgleich. Bei Personalentscheidungen habe ich auf Fairness, gerechte Beurteilung, Transparenz und eine gute Zusammenarbeit mit dem Personalrat gesetzt. In Zeiten der Frauenförderung eine echte Herausforderung! Ich schätze klare und verlässliche Entscheidungen, die zeitnah umgesetzt werden. Und als Mutter von zwei Söhnen habe ich Teilzeit- und Job-Sharing-Modelle auch in Führungspositionen nach Kräften gefördert. Als Amtschefin des BMJV hatte ich großen Gestaltungsspielraum, den ich gerne genutzt habe."

 

Johannes Ludewig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (1995/97) und heute Vorsitzender des Nationalen Normenkontrollrats:

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"Führen bedeutet für mich damals wie heute, anstehende Herausforderungen zu erkennen und ein gutes Konzept für die sich daraus ergebenden Aufgaben zu haben. Diese Vision muss man dann mit 'Mitstreitern', also Kollegen und Mitarbeitern, teilen, diskutieren und die Entschlossenheit entwickeln, das gemeinsam als richtig Erkannte Wirklichkeit werden zu lassen – zuallererst durch das eigene persönliche Engagement, mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich, und ebenso durch das Vertrauen in die Mannschaft, nur mit der zusammen als richtig erkannte Ziele erreicht werden können."

 

Joachim Wuermeling, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (2005/08) und heute Vorsitzender des Vorstands des Verbands der Sparda-Banken:

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"Die politische Leitung eines Ministeriums ist meist nur wenige Jahre im Amt, oft nur stundenweise im Haus und selten fachlich vorgebildet. Die Beamten sind in aller Regel durch ihre Aufgabe intrinsisch motiviert und den Vorgesetzten gegenüber loyal. Führen heißt hier weniger, autoritäre Vorgaben zu machen, als binnen kurzer Zeit eine dynamische Interaktion zwischen Leitungsbereich und Arbeitsebene zu entfalten, die gegenseitig von Wertschätzung, Vertrauen und Interesse geprägt ist. So habe ich es erlebt."