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Praxis

"Wer ständig seine Berater wechselt, verliert die Richtung"

Wie beratungsfähig und -willig sind Politiker in Wahlkampfzeiten? Diese Frage haben wir Wahlkampfprofis und erfahrenen Beratern gestellt. Hier der letzte Teil unserer sechsteiligen Serie.

von Johannes Hillje

Christian Lindner hat in seinem NRW-Spot die vielen Beratungshinweise, die Politiker erhalten, zum Thema gemacht und sie verspottet. Ein werblich herausragender Kurzfilm, aber vielleicht nicht ganz realistisch. Denn kein Spitzenpolitiker setzt sich so konsequent wie im Film einfach über alle Ratschläge hinweg. Im Gegenteil: Die eigene Linie bildet sich meist im Gespräch mit dem eigenen Umfeld, Experten, dem Wahlkampfteam, einem vertrauten Kreis. Für einen erfolgreichen Wahlkampf ist es wichtig, dass das Beratungsteam über die gesamte Strecke dasselbe bleibt. Nur so lässt sich ein Zickzack-Kurs vermeiden. Wer ständig seine Berater wechselt, verliert auch die Richtung und das Grundvertrauen in die eigene Überzeugung. Aus der Management-Literatur kennen wir den netten Satz, dass es klug ist, sich mit Beratern zu umgeben, die schlauer sind als man selbst. Das gilt auch für die Politik, auch wenn die Gesamtkompetenz nicht von Beratern ersetzt werden kann. Es sind also drei Dinge, auf die es ankommt: Vertrauen in Beratung, Kontinuität des Beraterkreises und die aktive Einbindung der besten Köpfe. Eines lässt sich zum Glück nicht durch Berater übernehmen: die Verantwortung für die richtige Entscheidung.

Teil 1 der Serie "Einer muss entscheiden und dafür geradestehen" finden Sie hier.

Teil 2 der Serie "Wie ernst ein Politiker Beratung nimmt, zeigt sein Zeitaufwand dafür" finden Sie hier.

Teil 3 "Vertrauen müssen sich Berater lange vor dem Wahlkampf erarbeiten" finden Sie hier.

Teil 4 "Beratung funktioniert nur in einem interdisziplinären Team" finden Sie hier.

Teil 5 "Ein Image schärft man in ruhigen Zeiten" finden Sie hier.

Lutz Meyer

ist Geschäftsführer von Fullberry. (Foto: Fullberry)