D
Foto: thinkstock/Ilia Kalinkin
Praxis

Ein Image schärft man in ruhigen Zeiten

Wie beratungsfähig und -willig sind Politiker in Wahlkampfzeiten? Diese Frage haben wir Wahlkampfprofis und erfahrenen Beratern gestellt. Teil 5 unserer sechsteiligen Serie.

von Johannes Hillje

Die wichtigste Bedingung für eine gelungene Beratung ist nicht die Beratungswilligkeit eines Politikers – das ist Grundvoraussetzung dafür, einen Berater zu kontaktieren –, sondern ein Mindestmaß an Vertrauen zwischen Berater und zu Beratendem. Ohne gegenseitiges Vertrauen kein gemeinsamer Erfolg, insbesondere wenn es an den Kern der Persönlichkeit eines Politikers geht. Wie etwa beim Image-Building. Das Image eines Politikers ist die spontane Assoziation, das Bild, das im Kopf eines Menschen entsteht, wenn er den Namen oder das Gesicht eines Politikers sieht. Aus der Forschung wissen wir, dass sich ein Politiker-Image im Wesentlichen aus den Ausprägungen von fünf Merkmalen ergibt: Kompetenz, Integrität, Leadership, Kommunikation und Life­style.

Beim Image­-Building ist zentral, die politischen Überzeugungen und Forderungen in die Biografie und die Persönlichkeit einzuweben. Ohne vertrauensvolle Atmosphäre und Zeit kann der Berater nicht verstehen, was einen Menschen tief im Inneren antreibt, welche persönlichen Stärken gefördert und welche Schwächen überbrückt werden müssen. Der Berater selbst muss die richtigen Fragen mit der notwendigen Empathie stellen, um zielführende Antworten zu bekommen. Ein Image schärft oder konzipiert man deshalb in ruhigen, nicht in Krisenzeiten. Weil nicht erst der Wahlkampf, sondern auch schon parteiinterne Vorkämpfe permanente Krisen mit sich bringen, müssen Kandidaten weit vor ihrer Kandidatur an ihrem Image arbeiten. Martin Schulz trat seine Kandidatur im Januar mit einem lückenhaften Image an: Der starken Biografie fehlten starke inhaltliche Forderungen. Innerhalb eines Wahlkampfs das Image zu restaurieren, ist enorm schwierig. Bis zum 24. September darf Schulz es versuchen.

Teil 1 der Serie "Einer muss entscheiden und dafür geradestehen" finden Sie hier.

Teil 2 der Serie "Wie ernst ein Politiker Beratung nimmt, zeigt sein Zeitaufwand dafür" finden Sie hier.

Teil 3 "Vertrauen müssen sich Berater lange vor dem Wahlkampf erarbeiten" finden Sie hier.

Teil 4 "Beratung funktioniert nur in einem interdisziplinären Team" finden Sie hier.

Johannes Hillje

ist Politik- und Kommunikationsberater. (Foto: EGP)