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Foto: Laurence Chaperon
Praxis

Rhetorikcheck: Ole Schröder

Der Bundestag hat über die Lage der Flüchtlinge in Deutschland debattiert. Wie hat sich Ole Schröder (CDU), Staatssekretär beim Bundesinnenminister, geschlagen? Rhetorik-Experte Frank Hartmann analysiert seine Rede.

von Frank Hartmann

Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg (Die Grünen) eröffnet die Aussprache über eine Ausweitung der Aufnahme von syrischen und irakischen Flüchtlingen mit einer schlechten Nachricht: Das Welternährungsprogramm muss seine Hilfe für die syrischen Flüchtlinge einstellen. Als Ole Schröder (CDU) ans Rednerpult tritt, können sich die Nerven wieder etwas beruhigen – als parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Inneren kennt er die Zahlen, Daten und Fakten über Asyl- und Hilfesuchende ganz genau – besonders jene über Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak.

Die Kraft des Faktischen

"Es ist nicht übertrieben, dass sich Deutschland der Hilfe der syrischen Flüchtlinge annimmt wie kaum ein anderes Land außerhalb der Krisenregion", sagt Ole Schröder. In den vergangenen zwei Jahren habe Deutschland 800 Millionen Euro für Hilfe vor Ort bereitgestellt; 60.000 Asylsuchende seien bereits aufgenommen worden; weitere 15.000 Menschen hätten durch Hilfsprogramme in Deutschland Schutz gefunden: Ole Schröders hanseatisch geprägte Sprache, sein Redetempo und seine Diktion vermeiden alles Aufgeregte. Das tut gut.

Denn bei allem Verständnis für die Forderung nach weiteren Hilfen stellt Schröder auch klar: "Die Aufnahme in Deutschland kann nur dann einen echten Mehrwert bedeuten, wenn wir wirklich auch diejenigen finden, die unseren Schutz am meisten brauchen (...) Familien mit Kindern, Menschen, die spezielle medizinische Behandlung benötigen und bereits Bindungen nach Deutschland haben, oder sonst in besonderem Maße von der Aufnahme profitieren, die müssen wir ausfindig machen." Damit verfolgt die Bundesregierung einen qualitativen Ansatz, der über Kontingent-Regelungen hinausgeht: "Auf internationaler Ebene finden unsere Programme jedenfalls allergrößte Beachtung und Lob, meine Damen und Herren." Es gibt Applaus und damit Gelegenheit für den Redner, nach dem Wasserglas zu greifen.

Aber was ist mit der Leidenschaft?

Endlich wird der Staatssekretär lauter und energischer: "Meine Damen und Herren, wir dürfen Eines nie vergessen. Bei allen Anstrengungen, die wir im Rahmen der Aufnahmeprogramme (...) aufnehmen." – Oh nein, ein Relativsatz! Gleich geht der Hauptgedanke flöten – "Wir erreichen die Masse der Flüchtlinge (...)". Schröder spricht frei, weil eine Kernbotschaft folgt: "Wir können das (...)" – Wumm, aus, der Ball ist im Aus! Doch Ole Schröder fängt sich wieder: "Wir können dieses Leid nur wirklich mindern, wenn wir vor Ort helfen, meine Damen und Herren. (Applaus) Dort können wir mit dem Geld auch am meisten tun!"

Der Funke springt nicht rüber

Allzu lang hält sich Schröder am Pult fest. Er muss sich konzentrieren beim Lesen der oft viel zu langen Sätze. Nach acht Minuten taut Ole Schröder endlich auf, korrigiert seine Vorrednerin Amtsberg. Seine Stimme wird engagierter, die Hände fahren zum Publikum. Doch dann fühlt er sich anscheinend zu wohl am Pult, seine linke Hand verschwindet in der Hosentasche. Diese Einstellung rächt sich prompt: "Wir werden ja jetzt den Status für subsidiär Schutzberüchtigte" – ups! – "subsidiär Schutzbe-Rechtigte jetzt erheblich aufwerten".

Fazit: Ole Schröders Stärke ist seine ruhige und besonne Art. Lange Sätze und eine zu juristisch geprägte Sprache erschweren jedoch die freie Rede, sie verhindern Musikalität und Rhythmus. Mehr Mut zum Pathos bitte!

Mimik, Gestik, Körpersprache:
Lebendiger Ausdruck:
Redeaufbau: