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Foto: dbb jugend nrw
Politikaward 2016 – Die Preisträger, Teil 3

Im Einsatz gegen Gewalt am Arbeitsplatz

13 Kampagnen wurden mit dem Politikaward 2016 ausgezeichnet. In einer neuen Serie stellen die Preisträger der verschiedenen Kategorien ihre Kampagnen vor. Grundlage ist ein Fragebogen. Teil 3: Die Kampagne gegen Gewalt gegenüber Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Beamtenbund-Jugend NRW.

Redaktion

Bei der Arbeit angepöbelt oder sogar angegriffen zu werden, gehört in vielen Bereichen des öffentlichen Diensts mittlerweile zum Alltag. Um die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbbj nrw) im April 2016 in Zusammenarbeit mit der Digitalagentur Giftgrün die Kampagne "Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ umgesetzt. Ziel ist es, darauf hinzuweisen, dass bundesweit rund die Hälfte aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst schon mehrfach Opfer von Gewalt geworden sind und in vielen Behörden nach wie vor Notfallpläne fehlen. Für die Kampagne erhielt die dbb Jugend NRW den Politikaward in der Kategorie "Kampagne für kleine Budgets". Weiterer Gewinner in dieser Kategorie war "Ein Zelt kann ein Zuhause sein" (Hanseatic Help/Fischer Appelt).

Worin bestanden die größten kommunikativen Herausforderungen bei der Konzeption und Umsetzung der Kampagne?

Die größte kommunikative Herausforderung bestand darin, das Thema "Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst" seriös, glaubhaft und fundiert darzustellen und trotz kleinen Budgets eine große Öffentlichkeit zu erreichen.

Was ist an der Kampagne innovativ?

Vor der Kampagne wurde nur vereinzelt über Aggression und Gewalt gegenüber Beschäftigten im Öffentlichen Dienst berichtet. Auch Äußerungen von Verbänden und Experten zu dem Thema gab es nur wenige. Die Kampagne hat die Problematik erstmals umfassend dargestellt und alle Berufsgruppen im Öffentlichen Dienst mit einbezogen. Neben dem Inhalt ist auch die Darstellungsform der Kampagne innovativ. Derart pointiert, gebündelt und visuell auffällig – sei es durch Kampagnenmotive, den Videomitschnitt eines gewalttätigen Übergriffs auf Youtube oder die Einbindung der Sozialen Medien – wurde das Thema bislang noch nicht vorgebracht.

Welche Ressourcen hatten Sie zur Verfügung?

Die dbb Jugend NRW ist ein gewerkschaftlicher Jugendverband mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen. Das zur Verfügung gestellte Budget durfte 10.000 Euro nicht übersteigen. Neben der Unterstützung durch die Digitalagentur Giftgrün waren bei dem Verband anderthalb Stellen hauptamtlich mit der Kampagne beschäftigt. Der Rest wird über ehrenamtliche Helfer organisiert.

Welche Erfolge konnten Sie verbuchen und an welchen Kriterien haben Sie diese gemessen?

Ziel der Kampagne ist es, das Thema "Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst" in der Öffentlichkeit zu platzieren und bestenfalls einen gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Situation. Bei beiden Zielen gibt es Erfolge zu verzeichnen: Die Vielzahl der Presseanfragen und die häufigen Berichterstattungen über die Kampagne in Zeitungen, Fachzeitschriften, Radio und Fernsehen haben gezeigt, dass das Thema öffentlich diskutiert wird. Hinsichtlich der konkreten Verbesserungen vor Ort stellen wir ein größeres Problembewusstsein fest. Vor Ort bemüht man sich verstärkt um bessere Sicherheit. Zudem greifen verschiedene Gesetzesanträge auf Landes- und Bundesebene die politischen Forderungen der dbb Jugend NRW auf.

Markus Klügel

ist Geschäftsführer der dbb Jugend NRW. (dbb Jugend NRW)