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Foto: Sabine Albus; Collage: Marcel Franke
Politikaward 2016 – Die Preisträger, Teil 2

So bewegt man Festivalbesucher zu ehrenamtlichem Engagement

13 Kampagnen wurden mit dem Politikaward 2016 ausgezeichnet. In einer neuen Serie stellen die Preisträger der verschiedenen Kategorien ihre Kampagnen vor. Grundlage ist ein Fragebogen. Im zweiten Teil: Kleines Budget, große Wirkung – eine Spendensammlung der besonderen Art von Fischer Appelt und Hanseatic Help.

Redaktion

In der Kategorie "Kampagne für kleine Budgets" wurden zwei Politikawards vergeben. Einer davon ging an Fischer Appelt und den Verein Hanseatic Help für Ihren Spendenaufruf "Ein Zelt kann ein Zuhause sein" auf dem Musikfestival Hurricane im Juni 2016 (den zweiten Preisträger, die dbb Jugend NRW und Giftgrün mit der Kampagne "Gefahrenzone öffentlicher Dienst", stellen wir zu einem späteren Zeitpunkt vor).

Der Hintergrund der Kampagne: Nach einem Festivalwochenende lassen Besucher häufig Zelte, Schlafsäcke oder Isomatten auf dem Gelände zurück, die schließlich entsorgt werden müssen. Die Festivalbesucher wurden von freiwilligen Helfern vor Ort und über Social Media dazu animiert, solche Gegenstände an bedürftige Menschen wie Obdachlose oder Flüchtlinge zu spenden. Arnd Boekhoff, Vorstandsmitglied des Vereins, hat uns vier Fragen beantwortet.

Worin bestanden die größten kommunikativen Herausforderungen bei der Konzeption und Umsetzung der Kampagne?

Zunächst einmal ging es darum, den Verein Hanseatic Help bei den Festivalbesuchern bekannt zu machen. Gleichzeitig wurde die Aufmerksamkeit der Gäste durch viele Aktionen, Konzerte und andere Marken strapaziert. Die Sichtbarkeit vor Ort und der Aufruf zum Spenden mussten also einfach umsetzbar und motivierend sein.

Was ist an der Kampagne innovativ?

Wir vermitteln ehrenamtliches Engagement als zugängliches Konzept, das leicht umsetzbar ist. Menschen, die unter Umständen keine Schnittstellen mit Ehrenamt haben, werden spontan zu Unterstützern und vielleicht auch langfristig zu Helfern. Gleichzeitig zeigt die Kampagne, dass Feierkultur und nachhaltiges Engagement sich nicht ausschließen. Gegenstände, die nach einem durchfeierten Wochenende zurückbleiben, haben für andere Menschen, zum Beispiel Obdachlose, einen großen Wert. Die Kampagne schafft ein Bewusstsein für diesen Bedarf und motiviert junge Menschen auf einfache und ansprechende Weise, selbst aktiv zu werden.

Welche Ressourcen hatten Sie zur Verfügung?

Ein monetäres Budget gab es nicht. 70 ehrenamtliche Helfer haben auf dem Gelände für die Aktion geworben, Festivalgäste informiert und die gespendeten Gegenstände eingesammelt und gereinigt. Nachhaltig zum Erfolg der Kampagne beigetragen hat aber vor allem die Unterstützung durch den Musiker Bosse: Der Sänger warb auf seinem Facebook-Kanal für die Aktion und rief während seines Auftritts auf dem Hurricane Festival zum Spenden auf. So ein Support ist natürlich Gold wert!

Welche Erfolge konnten Sie verbuchen und an welchen Kriterien haben Sie diese gemessen?

Zunächst einmal sind da die "harten" Fakten: Insgesamt wurden über 300 Zelte sowie mehr als 300 Isomatten und Schlafsäcke gesammelt. Durch das Engagement von Bosse wurde das Projekt im Social Web und in den Medien verbreitet (Reichweite: rund 203.500 Facebook-Follower/ARD, Arte sowie Deltaradio berichteten). So haben wir das Projekt auch abseits des Festivals publik gemacht. Wir haben gezeigt: Soziales Engagement ist einfach und lässt sich jederzeit umsetzen. Dafür messbare Zahlen zu finden, ist natürlich schwierig. Da hilft nur: weitermachen und dieses Jahr wieder auf dem Hurricane Festival dabei sein!

Arnd Boekhoff

ist ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei Hanseatic Help. Der Verein unterstützt seit einem Jahr Geflüchtete und andere Bedürftige in Hamburg und darüber hinaus kostenlos mit Kleidung, Schuhen und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs. (Foto: Niklas Heimbokel)