Foto: Marco Urban
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Foto: Marco Urban

Rhetorikcheck: Sigmar Gabriel

In seiner Rede zur Reform des EEG-Gesetzes braucht Sigmar Gabriel eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Dann zeigt er seine kämpferische Seite. Rhetorikcoach Frank Hartmann analysiert für p&k seine Rede.

von Frank Hartmann

Norbert Lammert eröffnet die Sitzung mit Geburtstagswünschen. Die Stimmung unter den Bundestagsabgeordneten ist launig bis heiter. Noch. Der erste Redner ist Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD). Sein Ziel: den Gesetzentwurf zur Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) vorzustellen und zu verteidigen. Keine leichte Aufgabe! Denn nicht wenige im Land bewegt die Frage, wer für die grüne Energiewende bezahlen soll.

Gabriels Einstieg fällt trocken aus: lange Sätze und langweilige Begriffe wie das Wort „Ausbaupfad“, das wir allein in der ersten Minute viermal hören. Gabriel sucht selten Blickkontakt zu den Parlamentariern, liest viel vom Blatt ab, seine Stimme klingt leidenschaftslos. Ist das Sigmar Gabriel? Man möchte ihm zurufen, winken, ihn schütteln. Doch der Weckruf lässt nicht lange auf sich warten. Der Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer wirft ein, die ambitionierten Ausbauziele bremsten die Windenergie an Land aus.

Zwischenrufe stacheln Gabriel an

Endlich ist der Kraftredner aufgewacht, weil persönlich herausgefordert. Gabriel wirft Krischer entgegen: "Wenn man die Grundrechenarten nicht beherrscht …" Ja, so kennt man ihn: schlagfertig und wenig zimperlich, wenn es um den Wettstreit der Argumente geht. Gabriel ist gut vorbereitet und nimmt langsam Fahrt auf – vor allem durch antithetische Begriffspaare. Ein Beispiel: "Wir wollen den Ausbau kostengünstiger und den Abbau kostenintensiver Energien … Neben den sinkenden Kosten für eine Anlage, gibt es steigende Kosten für ein ganzes System von Anlagen".

Es lohnt sich, Gabriels Rede zuzuhören, weil sie mutig, klar und kämpferisch ist: "Ich bin immer wieder dankbar für Ihre Zwischenrufe Herr Krischer, weil sie die Rede beleben … Wer aber Verbraucher gegen die mittelständische Wertschöpfung ausspielt, der macht beide zum Verlierer!" Noch stärker etwas später: "Wer würde uns denn als Vorbild folgen, wenn wir mit der Energiewende die eigene Industrie beschädigen würden? Niemand würde uns folgen!"

Fazit: Sigmar Gabriels Stärke ist der kämpferische Auftritt. Doch auch mit klug gewählten Worten weiß er, Verbraucher und Mittelstand zu integrieren. Er schafft es, durch die Konsensargumente Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zu überzeugen. Eine Rede mit dem richtigen Verhältnis von Enthusiasmus und Augenmaß: Applaus!

Mimik, Gestik, Körpersprache:
Lebendiger Ausdruck:
Redeaufbau: