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Illustration: Marcel Franke

Umfrage - Wer sind die wichtigsten Meinungsmacher im Wahljahr?

Gut 100 Tage vor der Bundestagswahl wollten wir wissen, welche Journalisten im Superwahljahr 2013 die öffentliche Meinung am stärksten prägen. Und haben uns bei denen umgehört, die das unserer Meinung nach wohl am besten beurteilen können: die Sprecher der Parteien, der im Bundestag vertretenen Fraktionen, der Bundesministerien sowie renommierte Medien- und Politikwissenschaftler.
In den drei Kategorien TV, Print und Online/Blogs/Social Media haben uns die Teilnehmer unserer Umfrage ihre jeweiligen Top 5 genannt. Wir haben daraus ein Ranking erstellt und präsentieren auf den folgenden Seiten die 15 wichtigsten Meinungsmacher der Berliner Republik in Kurzporträts.   

 

von Björn Müller, Felix Fischaleck und Christina Bauermeister

TV:

Ulrich Deppendorf (ARD-Hauptstadtstudio)

Sein Print-Kollege Georg Löwisch schrieb über ihn: „Deppendorf gehört zum Inventar der Hauptstadt, ist das ewige Gegenüber der Kanzlerin. Atom, Streithähne, Euro: Am Ende sitzt Merkel vor diesem Mann.“ Seit fünf Jahren analysiert der 63-Jährige das Räderwerk der Berliner Republik als Leiter des ARD-Hauptstadtstudios. Es ist bereits seine zweite Amtszeit in Berlin. Den Job als oberster Politik-Deuter fürs Erste machte er schon einmal ab 1999 für ein paar Jahre. Der Mann aus Essen drängt sich dabei nie in den Vordergrund, fragt aber beharrlich nach. Selbst in der Parodie. In der Satire-Sendung „Mitternachtsspitzen“ dient die Figur Uli aus Deppendorf eher als Vehikel, um Deutschlands Politikerkaste bloßzustellen, als dass er selbst sein Fett abkriegt. Deppendorf wird schlicht als guter Journalist wahrgenommen. Studiert hat er Jura in Münster, ab 1976 volontierte er beim Westdeutschen Rundfunk. Nach 13 Jahren beim WDR wechselte er zur ARD. Ein durch und durch öffentlich-rechtliches TV-Leben also. Vom Konzept des gebührenfinanzierten Fernsehens ist er überzeugt: „Bei aller Kritik haben wir dennoch das weltweit niveauvollste Fernsehangebot“, sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview mit p&k.

 

Claus Kleber (Heute Journal)

Als „wichtigsten deutschen Weltendeuter“ hat ihn die „Süddeutsche-Zeitung“ einmal bezeichnet. Der heute 57-Jährige berichtete zu Beginn seiner Laufbahn 15 Jahre lang für die ARD aus Washington. Wer den Deutschen das Handeln der Weltmacht Nummer eins erklärt, ist prädestiniert dafür, sich ein Profil als Fachmann für Weltpolitik zu erarbeiten. Kleber hat diesen Ruf durch erfolgreiche Publikationen und TV-Produktionen weiter befördert. Für den ZDF-Dreiteiler „Die Bombe“, in dem er den Folgen der Verbreitung von Atomwaffen nachgeht, erhielt er den Hanns-Joachim-Friedrich-Preis. Nach seiner Rückkehr aus den USA 2003 wechselte der Volljurist zum ZDF. Als Moderator des „heute journals“ hat sich Kleber einen Ruf als scharfsinniger Analyst gemacht. Sein bisher wohl größter Coup war ein Interview mit CSU-Chef Horst Seehofer im Dezember 2012, in dem sich dieser über den Wahlverlierer Norbert Röttgen in Nordrhein-Westfalen in Rage redete – „Das können Sie alles senden“, so Seehofer damals. Ein journalistisches Volontariat hat Kleber übrigens nie absolviert.

 

Oliver Welke (Heute Show)

In den USA wurde der Moderator der Satiresendung „The Daily Show“, Jon Stewart, vor einigen Jahren zum vertrauenswürdigsten Nachrichtenmann gewählt. Daher überrascht es nicht, dass Oliver Welke in unserem Ranking auftaucht – selbst wenn der 47-Jährige kein Politikjournalist ist, sondern Comedian. Als Moderator der satirischen Nachrichtensendung „heute show“ hat Welke einen gewissen Kultstatus, selbst einige Politiker, wie Bundesumweltminister Peter Altmaier und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zählen zu seinen Fans. Welke, 1966 in Bielefeld als Sohn eines Werbeagentur-Inhabers geboren, sammelte schon im zarten Alter von vier Jahren erste Erfahrungen als Markenmodel, allerdings beschränkt auf das Marktsegment Dosenwürstchen. Schuld war Welkes Vater, der sich offensichtlich die Kosten für ein Profi-Model sparen wollte. Damit war das Interesse des kleinen Oliver am Medienzirkus offenbar geweckt; später studierte der Ostwestfale in Münster Publizistik und heuerte danach vor allem bei Sportsendungen als Moderator an.

 

Günther Jauch (ARD, Polit-Talkshow)

Wie der Vater, so der Sohn. Das gilt auch für Günther Jauch: Sein Vater, Ernst-Alfred Jauch, war ebenfalls Journalist – und zwar leitender Redakteur bei der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA). Dabei wollte Jauch Junior zunächst Jurist werden. Doch die Uni verließ er bald wieder, um seine Karriere im Journalismus zu starten. 1975 ging der heute 56-Jährige an die renommierte Deutsche Journalistenschule in München. In der Folgezeit profilierte sich der Wahl-Potsdamer jedoch mehr als Entertainer denn als Politikjournalist. Als Moderator der Quizsendung „Wer wird Millionär“ sind seine Beliebtheitswerte derart hochgeschnellt, dass ihn sich viele Deutsche sogar als Bundespräsidenten vorstellen können. Vielleicht ließ sich Jauch auch deshalb auf das Wagnis ein, 2011 mit einer eigenen Polit-Talkshow bei der ARD auf Sendung zu gehen.

 

Maybrit Illner (ZDF, Polit-Talkshow)

Die Frau ist aus der Berliner Republik nicht mehr wegzudenken. Seit 1999 talkt Maybrit Illner, 48, donnerstags im ZDF. In den ersten Jahren, bis 2007, hieß ihre Sendung noch „Berlin Mitte“. Nun schlicht „Maybrit Illner“. Mut zur Veränderung sei das Erfolgsgeheimnis ihrer Sendung, erklärte die in Berlin-Friedrichshain geborene Journalistin kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Denn: „Nur wer sich bewegt, bleibt.“ Illner dürfte den Fernsehzuschauern noch eine Weile erhalten bleiben, ihre Sendung hat trotz der hohen Konkurrenz passable Einschaltquoten. Im vergangen Jahr rangierte „Maybrit Illner“ beim Marktanteil unter den politischen Talkshows auf Platz zwei, geschlagen nur von Günther Jauch. Mit diesem und den Kollegen Peter Kloeppel und Stefan Raab wird sie dieses Jahr wieder das Kanzlerduell moderieren. Quasi eine Routineaufgabe für die Ehefrau von Telekom-Chef René Obermann; bereits 2002, 2005 und 2009 stellte sie für das ZDF die Fragen an Kanzler und Herausforderer.