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„Das Pendel schlägt zurück“

Zehn Jahre nach der Privatisierung der Autobahnraststätten muss das aus einer Behörde hervorgegangene Unternehmen Tank&Rast sich wie andere bei der Politik Gehör verschaffen. p&k sprach darüber mit Cheflobbyist Peter Markus Löw.

Interview: Henrik Thiesmeyer

p&k: Herr Löw, die Abgeordneten werden bei einem Regierungswechsel von Interessenvertretern mit Thesenpapieren, Memoranden und Stellungnahmen bombardiert – viel zu früh oder viel zu spät?
Peter Markus Löw: Zu Zeiten von Koalitionsverhandlungen ist alles in Bewegung. Dann mit vollkommen neuen Themen aufzuwarten, ist zu spät. Wenn Sie etwas erreichen wollen, müssen Sie das deutlich vorher einspeisen bei den wichtigsten Playern – oder warten, bis sich die neue Administration sortiert hat und handlungsfähig ist. Während Koalitionsverhandlungen den Delegationen auch noch das 105. Thesenpapier zuzustecken, ist reiner Aktionismus.

Was macht für Sie gute politische Kommunikation aus?
Das Allerwichtigste ist, Vertrauen aufzubauen und zu erhalten. Und das setzt voraus, dass man selbst glaubwürdig und verlässlich und kontinuierlich kommuniziert und agiert. Das heißt, regelmäßig die Ansprechpartner zu kontaktieren und nicht nur, wenn man konkret etwas von ihnen will. Und das bedeutet, sie mit den richtigen, knappen Formaten zu versorgen – und nicht mit zig Seiten Papier zu einem Thema. Und das heißt auch, gelegentlich Verständnis zu haben dafür, dass es für die Politiker vielleicht gerade wichtigere Themen gibt als das, mit dem man selbst gerade unterwegs ist. Denn man muss eben auch den richtigen Zeitpunkt finden, sich mit seinen Themen Gehör zu verschaffen.

Was ist denn das wichtigste Mittel ihrer professionellen Klaviatur?
Meine Erfahrung ist, dass das persönliche Gespräch, die Eins-zu-Eins-Kommunikation, durch nichts zu ersetzen ist. In diesen Situationen können sie am offen­sten und am besten sprechen und wirklich etwas rüberbringen. Und nur so bekommen sie auch ein ehrliches Feedback und erfahren frühzeitig viele Dinge. Es gibt natürlich eine ganze Reihe von Formaten der politischen Kommunikation, die ebenfalls gängig und nützlich sind, wie Parlamentarische Abende, Fachkonferenzen und anderes mehr. Aber das persönliche Gespräch im kleinsten Kreis ist aus meiner Sicht das Wichtigste.

Ist es für die öffentliche Aufmerksamkeit nicht nachteilig, dass Tank&Rast ein so konsensträchtiges Feld bespielt?
Nein. Wir machen ja politische Kommunikation nicht zum Selbstzweck oder um in den Medien vorzukommen, sondern um für unsere mittelständischen Betriebe, Pächter und Kunden etwas Vernünftiges zu erreichen. Es geht bei uns immer unaufgeregt um Sachthemen und nicht um Eitelkeiten und eine spannende öffentliche „Show“.

Stellen Sie sich darauf ein, dass der Bundestag wieder selbstbewusster wird?
Mag sein, dass das nach dem Ende der Großen Koalition so sein wird, aber das ändert nichts Grundsätzliches. Man muss ohnehin alle Bereich der politischen Arena gleich ernst nehmen: Die Exekutive und das Parlament wirken ja heute bei den allermeisten Themen de facto eng zusammen, so dass man immer sowohl mit den Ministerien als auch mit den Fraktionen im Bundestag das Gespräch suchen sollte.

Wie hat sich die politische Kommunikation in der Krise gewandelt?
Man spürt schon eine deutliche Veränderung: Vor der Wirtschaftskrise war ja doch gelegentlich ein sehr großes Selbstbewusstsein von einigen Wirtschaftsvertretern gegenüber der Politik zu bemerken. Jetzt schlägt das Pendel wieder zurück: Der Gestaltungsanspruch der Politik wird wieder größer. Ich denke, dass ist einfach ein Stück Normalisierung.

Ihr Unternehmen ist vor zehn Jahren privatisiert worden. Taugt Tank&Rast als Vorbild für Privatisierung?
Ja, ich denke schon. Tank&Rast war 1998 eine bürokratische Immobilienverwaltungsgesellschaft und wir sind heute ein modernes und mittelständisch geprägtes Dienstleistungsunternehmen. Die deutschen Raststätten sind mittlerweile die besten in Europa. Und diesen erfolgreichen Wandlungsprozess über zehn Jahre mit vielen Veränderungen haben wir bewusst im Schulterschluss und im Konsens mit der Politik in Bund und Ländern organisiert – und nicht als Gegeneinander. Dabei waren alle politischen Parteien beteiligt und der Erfolg ist ein gemeinsamer Erfolg – der auch zeigt, dass Privatisierung gelingen kann, wenn Unternehmen und Politik an einem Strang ziehen.