USA

"Einige ­Journalisten sind fast stolz, dass der ­Präsident sie schlecht ­behandelt"

Frau Schäuble, wie ist Ihr Tagesablauf im Moment?

Das ist so eine Sache. Seit Mitte der Corona-Krise im Juni bin ich eigentlich wieder am Reisen. Am Anfang ging da gar nichts. Wir wussten nicht, ob wir fliegen, Zug fahren und Menschen treffen dürfen. Irgendwann ist das wieder angelaufen. Bei mir ging es mit Protesten gegen Corona-Auflagen, einer Foodbank und dann einer Trump-Rally wieder los. Für Korrespondenten gehört es dazu, Menschen zu treffen. Wir sind sehr viel unterwegs. Ich habe deshalb keinen geregelten Tagesablauf. 

Alles Trump: Neues aus der US-Medienwelt

Spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA ist bekannt, wie gespalten die Medienlandschaft jenseits des Atlantiks ist – Trump hat die Fronten selbst betont und provoziert. Grob gesagt: Wer eine demokratische Sicht auf die Dinge hat, guckt CNN und MSNBC, wer Repu­blikaner ist, Fox News. "Trumping your life: How to be a better, stronger person", heißt es beispielsweise beim Murdoch-Sender. 

Die Sprecherinnen des Weißen Hauses

Pressesprecher des Weißen Hauses zu sein, ist in diesen Zeiten kein Traumjob. Das liegt zum einen an dem erratisch regierenden Präsidenten Donald Trump, der sich von keiner Kommunikationsstrategie leiten lässt. Seinen ersten Sprecher, Sean Spicer, ließ er gleich im ersten Briefing nach der Inauguration im Januar 2017 lügen. Über die Größe des Publikums nämlich, das angeblich jenes von Amtsvorgänger Barack Obama 2009 übertroffen habe. Dabei bewiesen Fernsehbilder und allgemein zugängliche Daten, etwa über die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, das Gegenteil.

Ein Leben als Feind

Als "Feinde des amerikanischen Volks", hat Donald Trump Medien bezeichnet, die kritisch über ihn berichten. So muss auch ich mich als Feind fühlen, wenn ich das Weiße Haus betrete. Besonders heftige Wort­gefechte liefern sich der Präsident und sein Presseteam dort immer wieder mit CNN. Studien zeigen, dass die Spaltung des Landes auch an der Wahrnehmung von CNN deutlich wird. Bei einer Umfrage unter Wählern der Republikaner gaben 89 Prozent an, Trump mehr zu vertrauen als CNN.

Das sind die Hoffnungsträger der US-Demokraten

Auch wenn es kaum zu glauben ist: Donald Trump ist erst seit fünf Monaten Staatschef der USA. Die nächste Präsidentschaftswahl liegt in weiter Ferne; geplant ist sie für den 3. November 2020. Viele Amerikaner dürften den Tag herbeisehnen. Die Zustimmungswerte des oft erratisch agierenden Präsidenten sind durch die Russland-Affäre noch einmal stark gesunken.

Der CEO als Wahlkämpfer

Ich habe seit 2004 in jedem Präsidentschaftswahlkampf mitgewirkt, aber 2016 war für mich als Kommunikator mit Abstand die herausforderndste Kampagne. Nachrichten sind 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche verfügbar und haben eine kürzere Halbwertzeit. Unsere Aufgabe ist es, Botschaften an ein Publikum zu kommunizieren, das mehr Informationen aus mehr Quellen denn je bezieht. Gleichzeitig müssen wir schnell auf Nachrichtenportale reagieren, die dubios sind, aber auf viele Wähler wie seriöse Medien wirken.

Diesen Personen vertraut Donald Trump

Donald Trump war wütend. Sehr sogar. Anfang März, nach der sechsten Woche seiner Präsidentschaft, reiste der 70-Jährige gefrustet nach Florida. Dort, in seinem herrschaftlichen Anwesen Mar-a-Lago, war er König. Dort konnte er Golf spielen und musste sich nicht mit den Russlandproblemen seines Justizministers auseinandersetzen. Keine Leaks, keine Pressekonferenzen, keine Fake News.

Zehn Lehren aus dem Wahlkampf von Hillary Clinton

Im berüchtigten Battleground State Ohio habe ich den US-Wahlkampf aus nächster Nähe erlebt. In Cleveland war ich von August bis November Teil der Graswurzelbewegung von Hillary Clinton, klopfte an tausende Türen, wählte zehntausende Telefonnummern und organisierte zahllose Events. In diesen Monaten habe ich nicht nur wunderbare US-Amerikaner kennengelernt, sondern für den deutschen Wahlkampf einige Lehren mitgenommen:

Im Spiel "Trump – Europa" steht es 3:0

Unabhängig davon, wie Europa die Ankündigungen von Donald Trump inhaltlich bewertet – Respekt vor seiner Taktik! Trump schafft den Verhandlungs-Hattrick, bevor das Spiel überhaupt angefangen hat. Während das alte Europa gerade die uralte Rivalität zwischen England und Frankreich für die Brexit-Verhandlungen aufleben lässt, hat Trump die Karten für die bevorstehenden Verhandlungen zu Welthandel, Nato und Klimaverträgen nach seiner Agenda gemischt.

Seiten

RSS - USA abonnieren