Grüne

Wie informelle Gesprächskreise mögliche Koalitionen vorbereiten

Im Herbst machte Sigmar Ga­briel seinem Ruf der Unberechenbarkeit mal wieder alle Ehre. Völlig überraschend tauchte der damalige SPD-Chef bei einem Treffen sozialdemokratischer, linker und grüner Bundestagsabgeordneter im Jakob-Kaiser-Haus auf; dort haben zahlreiche Parlamentarier ihre Büros. Und auch wenn der 57-Jährige bald wieder weg war und angeblich nur zuhören wollte, so schien es doch, als werfe er sich für ein rot-rot-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl in die Bresche.

Das Macht-Paradox der Grünen

Traut man den jüngsten Umfragen, durchlaufen die Grünen gerade ein Jammertal. Die Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt hat die Partei mit bescheidenen Zustimmungsraten gewählt. Das Wahlprogramm, so heißt es in Meinungsartikeln, träfe den Zeitgeist nicht. Der "Schulz-Effekt" mache den Grünen ebenso zu schaffen wie ein ungelenkes Agieren in der Abwägung von Freiheit und Sicherheit. Nach Jahren der Opposition und sechs Monate vor der Bundestagswahl wirkt die Partei verunsichert und aus dem Tritt gekommen.

Rhetorikcheck: Katrin Göring-Eckardt

Katrin Göring-Eckardt ist wütend. Doch die Wut der Grünen-Fraktionschefin ist nicht laut oder aufbrausend. Sie ist ernst und sehr eindringlich – hörbar gleich zu Beginn: "Vor eineinhalb Jahren // sind schon einmal // mehrere Hundert Flüchtlinge ertrunken // vor Lampedusa." Bemerkenswert lange Pausen und ein ernster Ton setzen jene Erinnerungsbilder frei, die wir aus den Nachrichten kennen und die nur schwer zu ertragen sind: "Ganz Europa // ist damals auf die kleine Insel gepilgert // und es gab Versprechen und Schwüre, // dass das nie wieder // passieren dürfe.

Rhetorikcheck: Oliver Krischer

Endlich. Kurz vor Jahresende spricht Oliver Krischer (Bündnis90/Die Grünen) im Bundestag aus, was viele denken: Die Maut ist absurd. Sie ist unseriös, bringt keine zusätzlichen Einnahmen und schadet sogar, weil Nachbarländer dem Modell folgen werden. Doch der Reihe nach. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat 2013 als Generalsekretär seiner Partei zum Wahlsieg verholfen. Das geht am besten, indem man die ländlichen Gebiete Bayerns für sich gewinnt.

"Die Treffen mit Freunden werden rarer"

[no-lexicon]p&k: Nicht nur die vielen Interessenvertreter sind typisch für das politische Berlin, es gibt auch zahllose Journalisten. Das Mediengeschäft in der Hauptstadt folgt dabei ganz eigenen Regeln. Herr Diaby, wissen Sie, was "unter drei" heißt?

Karamba Diaby: Nein.

Frau Giousouf, Frau Verlinden, ist Ihnen das geläufig?

Cemile Giousouf: Es gibt unterschiedliche Geheimhaltungsstufen, das ist eine davon.

"Am Anfang habe ich ganz schön abgenommen"

Die Geschichte beginnt im Sommer 2013, mitten im Wahlkampf. In Porträts stellt p&k aussichtsreiche Kandidaten zur Bundestagswahl vor. Drei von ihnen – Julia Verlinden (Grüne), Karamba Diaby (SPD) und Cemile Giousouf (CDU) – gelingt der Einzug ins Hohe Haus. In Interviews mit p&k sprechen die MdB-Neulinge wenig später über ihre Gefühle am Wahlabend und ihre Pläne für Berlin. Ein Jahr ist seither vergangen – Zeit für eine erste Bilanz.

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