D
Foto: www.thinkstock.com/StockPhotoAstur
International

US-Vorwahlen: Don’t panic, Hillary!

Die ersten Vorwahlen im US-Wahlkampf sind gelaufen. Wer sich bei Demokraten und Republikanern durchsetzen wird, ist nach Iowa und New Hampshire nicht klarer. Vor allem Hillary Clinton sollte nun einen kühlen Kopf bewahren.

von Yussi Pick

Die ersten beiden Wahlen der Präsidentschaftskampagnen sind geschlagen. Nach Iowa und New Hampshire ziehen die meisten Kandidaten nach Nevada und South Carolina weiter. Doch auch diese beiden Bundesstaaten werden die Vorwahlen nicht beenden – selbst der Super Tuesday am 1. März wird möglicherweise noch keine endgültige Entscheidung bringen.

Wo die Kandidaten nach New Hampshire stehen 

Donald Trump hat bewiesen: Er kann Umfragewerte in Wählerstimmen verwandeln. Das macht ihn nach einem Dämpfer in Iowa endgültig zum "Candidate to beat". In New Hampshire hat er bewiesen, dass man auch ohne "Retail Politics" – also kleinteiligen, lokalen Wahlkampf – gewinnen kann. In South Carolina hat er mehr als 15 Prozentpunkte Vorsprung. Wenn er es schafft, auch noch in Nevada, wo wie in Iowa nicht Urnenwahlen sondern Caucuses (also Parteiversammlungen) stattfinden, zu gewinnen, dann geht er mit einem gewaltigen Momentum in den Super Tuesday. Dieser wird allerdings eine Herausforderung: Trump selbst kann nicht in zwölf Staaten gleichzeitig sein und die Trump-Kampagne besteht organisatorisch aus nicht viel mehr als ihm selbst. 

John Kasich, der vergleichsweise moderate Gouverneur aus Ohio, ist der Überraschungssieger in New Hampshire. Er konnte sich bisher weder durch Debattenperformance noch sonst wie die Aufmerksamkeit der Medien und Wähler sichern. Wenn Trump der Beweis dafür ist, dass „Retail Politics“ tot ist, so ist Kasich der Gegenbeweis: Kein anderer Kandidat hat so viele Town Halls besucht wie er. Das brachte ihm am Dienstag den respektablen zweiten Platz ein. Das ist auch ein Fluch, denn Kasich hat weder das Geld noch die organisatorische Kapazität, um aus diesem Ergebnis Kapital zu schlagen.

Ted Cruz wusste, dass es nicht seine Nacht werden würde. Für ihn gilt es, im konservativen South Carolina gut abzuschneiden, um nicht das Image der politischen Eintagsfliege zu bekommen.

Jeb Bushs Kampagnenmotto ist "Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig". Viele haben damit gerechnet, dass er nach einer Kampagne, die nie so richtig abheben und die massive Schatztruhe nie in Unterstützung umwandeln konnte, am Tag nach New Hampshire seine Kandidatur beendet. Jetzt hat er um nur 0,4 Prozent den dritten Platz verpasst und Wonderboy Marco Rubio überholt. Das wird nicht reichen, um Nominee zu werden. Aber aufgeben kann er jetzt auch nicht. 

Marco Rubio patzte

Es waren nicht die Tage des Marco Rubio. Am Samstag wurde er Opfer von Chris Christies "Murder Suicide"-Taktik: Christie attackierte Rubio konstant, was beiden schadete. Noch dazu lief er ins offene Messer, als er eine offenbar auswendig gelernte Passage in derselben Intonation dreimal wiederholte. Dafür wurde er in New Hampshire mit dem fünften Platz bestraft. Er muss schnell eine Comeback-Story entwickeln, sonst wird dieser Debatten-Moment der Anfang vom Ende gewesen sein.

Die Kampagnen von Christie, Carly Fiorina und Ben Carson sind nach New Hampshire vorbei. Die Frage ist nur, wann es die Kandidaten öffentlich machen werden. Chris Christie zog bereits Konsequenzen: Nach einem enttäuschenden sechsten Platz verkündete er die Suspendierung seiner Kampagne.

Auf demokratischer Seite ist das passiert, was seit Wochen unvermeidlich war: Bernie Sanders hat Hillary Clinton im Nachbarstaat seines Heimatbundesstaats Vermont auf die Plätze verwiesen. Rückblickend hätte Clinton ihre Zelte in New Hampshire wohl vor Wochen abbauen und die Niederlage freiwillig einstecken sollen.

Die nächsten zwei Wochen zu den nächsten Wahlen, bei denen sie Favoritin ist, werden lange und hart. Es gibt bereits die ersten Personaldiskussionen in der Kampagne – was die falschen Signale sendet. In der Clinton-Kampagne muss das Motto nun lauten: "Don’t panic". Wenn ihre Kampagne weiterhin kalkulierte und datenbasierte Entscheidungen trifft, statt sich von tagesaktuellen medialen Narrativen abzulenken, wird sie diesen Sturm meistern und kann als Kandidatin, die gegen einen echten Konkurrenten gewonnen hat, statt als unvermeidbare Default-Kandidatin gegen den republikanischen Kontrahenten in den Herbst ziehen. 

Aktualisierung (11.2.2016): Inzwischen hat auch die frühere HP-Chefin Carly Fiorina ihren Rückzug aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Republikanern bekannt gegeben. Bei den Primaries in New Hampshire hatte sie keinen Wahlmann gewonnen.

Yussi Pick

ist Kampagnen- und Kommunikationsberater bei Pick & Barth Digital Strategies in Washington D.C. und Wien. 2013 zeichnete ihn das US-Fachmagazin "Campaigns and Elections" mit dem "Rising Star Award" aus. Für p&k berichtet er über Campaigningtrends und Buzz aus Washington, D.C.