Foto: Getty Images/Mikhail Markovskiy
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KAS-Studie

Das Wechselpotenzial der Wähler

Die Bundestagswahl 2021 steht vor der Tür. Passend dazu hat die Konrad-Adenauer-Stiftung die politische Einstellung der Wähler analysiert. Hierbei wird ein hohes Wechselpotenzial der Wählerschaft deutlich. Auch zu den Wahlmotiven gibt es neue Befunde.

von Marvin Neukirch

Unter der deutschen Wählerschaft herrscht ein hohes Wechselpotenzial. Nur 25 Prozent der wahlberechtigten Befragten können sich vorstellen, dauerhaft nur eine Partei zu wählen. Dies lässt sich vor allem an den Sympathiewerten der einzelnen Parteien erklären. Gerade die drei großen Parteien CDU, SPD und Grüne werden von den Bürgern generell gemocht. Sie gelangen hier auf einen allgemeinen Zustimmungswert von 44 Prozent (CDU), 41 Prozent (SPD) und 51 Prozent (Grüne).   

Es lassen sich jedoch unterschiede erkennen, sobald man die west- und ostdeutschen Befragten gegenüberstellt. Während CDU/CSU und die Grünen in westdeutschen Bundesländern etwas beliebter sind, haben die Linken in Ostdeutschland höhere Zustimmungswerte zu verbuchen. Bei SPD, FDP und AfD sind solche räumlichen Abhängigkeiten nicht zu erkennen.

Was ist wichtig für die Wahlentscheidung?

Für 94 Prozent der Befragten ist es besonders wichtig, eine Partei zu wählen, die politische Probleme zu lösen scheint. An zweiter Stelle (92 Prozent) stehen die inhaltlichen Positionen der Parteien. Hierbei unterscheiden sich die Wählerschaften der einzelnen Parteien nur geringfügig. Ein drittes großes Wahlmotiv für die Bürger ist die soziale Ausrichtung der Partei. Während vor allem die Linken- (98 Prozent), die Grünen- (97 Prozent) und die SPD- (96 Prozent) Wähler großen Wert auf diese Eigenschaften legen, sind unter den Anhängern der AfD (82 Prozent) und FDP (77 Prozent) etwas geringere Zustimmungswerte zu verzeichnen.

Ob eine Partei konservativ und/oder christlich ausgerichtet ist, scheint für die Wähler unerheblich zu sein. Nur ein Drittel der Wähler halten eine solche Parteieigenschaft wichtig für die eigene Stimmabgabe.

Die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung

Weiterhin hat die KAS die Politikverdrossenheit der Wähler untersucht. Einige der Befragten gaben an, das Gefühl zu haben, dass sich die Politiker nicht mehr ausreichend um die Belange der Bürger kümmern. Eine überdurchschnittliche Politikverdrossenheit lässt sich hier vor allem bei der Wählerschaft der AfD und der Linken erkennen. Die Wähler von CDU/CSU und den Grünen gelten als am wenigsten politikverdrossen.

Wahrnehmung politischer Begriffe

Über die Hälfte der Befragten bringt die CDU mit Begriffen wie "Stabilität", "konservativ", "Beständigkeit", "ordentliches Regieren", "Sicherheit" und "Wohlstand" in Verbindung. 30 bis 46 Prozent der Befragten assoziieren zusätzlich die Begriffe "bürgerlich", "bodenständig", "verlässlich", "heimatverbunden", "Berechenbarkeit", "realistisch", "Mittelstand", "Gleichgewicht" und "weltoffen" mit der CDU. Unter 30 Prozent der Studienteilnehmer ordnen der CDU die Begriffe "pragmatisch", "ausgleichend", "tolerant", "nachhaltig", "Entlastung", "mutig", "modern" und "Wischiwaschi" zu.

Besonders auffällig ist, dass die SPD mit den am meisten zugeordneten Begriffen in einer Konkurrenz zu anderen Parteien steht. Gerade die CDU und die Grünen werden häufig mit denselben Begriffen in Verbindung gebracht wie die SPD. Innerhalb der eigenen Wählerschaft erhält die SPD am meisten Zustimmung bei den Begriffen "ausgleichend" und "tolerant". Zwischen 50 und 60 Prozent der Befragten ordnen der SPD zusätzlich die Begrifflichkeiten "realistisch", "bürgerlich", "Stabilität", "ordentliches Regieren", "weltoffen", "Gleichgewicht", "Verlässlichkeit", "bodenständig", "Sicherheit" und "Entlastung" zu.

Bei den Grünen bringen 53 Prozent der Befragten die Partei mit dem Begriff "Nachhaltigkeit" in Verbindung. Das ist der Top-Wert. Es folgen die Begriffe "modern", "weltoffen", "neugierig", "tolerant" und "mutig" mit Werten von 39 bis 31 Prozent.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat ihre Studie am 19. Juli 2021 veröffentlicht. Hierfür wurden in einer repräsentativen Telefonumfrage das Wahlverhalten von über 8.000 wahlberechtigten Bürger ermittelt.

Marvin Neukirch

ist Mitglied der Redaktion von politik&kommunikation.