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Foto: Marco Moog Photography, Montage: Janice Arpert
Politik

Wo steckt eigentlich Oswald Metzger?

Oswald Metzger hat sich einen Namen als Parteirebell gemacht. Im Interview mit p&k spricht er über Seilschaften und Opportunismus und verrät, was er heute anders machen würde.

Interview: Merle Schmalenbach

Herr Metzger, Sie sind 2002 aus dem Bundestag ausgeschieden. Welche Rolle spielt Politik heute für Sie?

Oswald Metzger: Ich bin ein politischer Mensch geblieben. Doch der Abstand ist da. Ich sehe Politik heute weniger taktisch. Anders als zu Mandatszeiten bin ich auch keine Person des öffentlichen Lebens mehr. Ich muss mich in Gesprächen auf der Straße nicht ständig mit Politik auseinandersetzen. Das ist angenehm.

Wo findet man Sie?

Ich arbeite als Geschäftsführer beim Konvent für Deutschland. Das ist eine Runde aus früheren Spitzenpolitikern unter dem Vorsitz von Roman Herzog. Der Kreis befasst sich vor allem mit der Reform des deutschen Föderalismus. Außerdem arbeite ich ehrenamtlich in der Mittelstandsvereinigung der CDU und gehöre dem baden-württembergischen Landesvorstand an.

Wie blicken Sie heute auf die Politik?

Relativ kritisch. Ich stelle fest, dass Politik sich viel zu sehr opportunis­tisch dem Zeitgeist anpasst, vor allem bei wirtschaftspolitischen Themen.

Was läuft Ihrer Meinung nach falsch?

Es fehlt in der Politik an Querdenkern und Leuten mit Rückgrat. Die Personalrekrutierung ist ein großes Problem. Ich sage mal frech: Politiker wird man dann, wenn die Partei einen aufstellt und man Seilschaften hat. Die meisten haben in ihrem Leben nie etwas anderes gesehen als Berufspolitik. Der Opportunismus überträgt sich leider auch auf den Medienbetrieb. Das sind Zustände wie früher am absolutistischen Hof in Frankreich. Wen nimmt man mit, wen lädt man zu Hintergrundgesprächen ein? So züchtet man sich genehmen Journalismus.

Sie galten als Parteirebell. Hat Ihnen das geschadet?

Das ist schwer einzuschätzen. Wähler mögen Leute, die eine eigene Meinung haben. Doch wenn sie an­ecken, werden Sie von der eigenen Partei abgestraft.

Politik lädt nicht gerade zum offenen Wort ein.

Das kann man so sagen. Der Opportunismus und die politische Korrektheit führen dazu, dass das politische Establishment manche Themen scheut wie der Teufel das Weihwasser. Das führt am Ende aber zu reaktionären Bewegungen in der Gesellschaft.

Was würden Sie heute anders machen?

Selbstkritisch muss ich sagen: Ich habe damals das Netzwerk in der Partei zu wenig gepflegt. Stattdessen habe ich darauf gesetzt, dass die Journalisten erkennen, was ich als Haushaltsexperte auf der Pfanne habe. Das bringt aber alles nichts, wenn die entscheidenden Leute in der eigenen Partei den Daumen senken.

Oswald Metzger war Sozialdemokrat, später Grüner, seit 2008 ist er CDU-Mitglied. Im Bundestag saß er von 1994 bis 2002.

Merle Schmalenbach

ist freie Journalistin. Ihre Texte erschienen bereits u. a. in Medien wie "Cicero", "Die Zeit" und "Spiegel Online". (Foto: privat)