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Warum die FDP nach Lindners Pfeife tanzt

FDP-Chef Christian Lindner muss auf dem Parteitag im Mai in dieser für ihn so heiklen Debatte über seine Russland-­Politik gar nicht selbst eingreifen. Er kann still genießen, weil so viele andere in seinem Sinne reden. Parteivize Wolfgang Kubicki hatte Lindners Haltung gegenüber Russland infrage gestellt, die Delegierten sollen nun klären, wessen Wort mehr Gewicht hat. Das ist alles andere als trivial, denn der Scharfdenker aus dem Norden ist zweitwichtigster Mann der FDP. 

"Unsere größte Herausforderung: Aufmerksamkeit erringen"

Die FDP will in Bayern zurück in den Landtag. Martin Hagen, selbstständiger Kommunikations- und Strategieberater, tritt an als Spitzenkandidat ohne Amt. Er war acht Jahre lang Geschäftsführer der FDP in Bayern, jetzt ist er einfaches Mitglied seiner Partei, die mit einer knallbunten Kampagne an den Stil der Bundestagswahl anknüpft. 

Herr Hagen, was muss in den Köpfen der Wähler passieren, damit acht Prozent der Menschen sich am 14. Oktober in Bayern dafür entscheiden, der FDP ihre Stimme zu geben?

Die Kampagne als Skandal

Nach drei Jahren radikaler Neuausrichtung galt es für die FDP im vergangenen Jahr, Inhalte und Image in der Kampagne zur Bundestagswahl zu verdichten. Erneut bauten die Liberalen auf die Unterstützung der Agentur Heimat. 

Worin bestanden die größten kommunikativen Herausforderungen bei der Konzeption und Umsetzung?

Von der ­Mentalität her eher ein Start-up

Wulf Oehme rutscht es manchmal noch he­raus. Wenn der ehemalige FDP-Sprecher von der Geschichte der Parteizentrale der Liberalen erzählt, dann redet er vom "TDH", dem Thomas-Dehler-Haus. So hieß das Gebäudeensemble, rund 700 Meter vom Reichstag entfernt in der Reinhardtstraße 14 bis 16 gelegen, von der Eröffnung im Jahr 1999 bis 2017. So hieß auch die alte Bundes­geschäftsstelle der Partei in Bonn.

Wie man mit 2000 Euro Budget Millionen erreicht

Die Agentur Heimat Berlin räumte beim Politikaward 2016 gleich doppelt ab und wurde sowohl als "Agentur des Jahres" als auch in der Kategorie "Virale Kommunikation" zusammen mit der FDP ausgezeichnet. Mit der liberalen Partei gestaltete sie ein Plakat, das nach Bekanntwerden des "Brexit"-Votums Londoner Start-ups nach Deutschland locken sollte. Die provokante Botschaft: "Liebe Start-ups, bleibt gelassen und kommt nach Berlin" wurde auf einem Transporter quer durch die englische Hauptstadt gefahren.

Die Liberalen sind wieder da

In den frühen Morgenstunden des 2. Dezember strahlt Tim Farron über das ganze Gesicht. Gerade hat seine Parteikollegin Sarah Olney die Unterhausnachwahl in Richmond Park, im Westen Londons, gewonnen. Sie holte 49,68 Prozent der Stimmen, ein Zuwachs von 30 Prozentpunkten gegenüber der letzten Parlamentswahl. Mit einem durch und durch proeuropäischen Wahlkampf hat sie dem ehemaligen konservativen Abgeordneten und Kandidaten für das Bürgermeisteramt in London, Zac Goldsmith, das Mandat abgenommen. Und damit ein Zeichen gesetzt: die Liberalen sind wieder da.

"Das unterschreibe ich mit Blut"

Ein tragischer Zufall hatte es so gewollt. Kurz vor seinem großen Auftritt waren innerhalb weniger Tage zwei seiner Vorgänger als Parteivorsitzende gestorben, und nun musste Christian Lindner zum Auftakt des FDP-Parteitags im April in Berlin die Totenehrung für sie vornehmen: Hans-Dietrich Genscher und Guido Westerwelle, beide auf  sehr unterschiedliche Weise Giganten der liberalen Parteigeschichte.

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