Transformationsangst

Kolumne

Der Transformationsprozess Energiewende verunsichert derzeit viele Menschen. Rund drei von vier Befragten glauben, dass es dadurch Gewinner und Verlierer geben wird. Nur rund jeder Fünfte meint, alle werden profitieren.

Eine weitere Civey-Umfrage zeigt auf, dass viele sich Sorgen machen, am Ende eher zu den Verlierern zu zählen: Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fürchten, dass die Energiewende sie finanziell überfordern könnte.

Es sind vor allem Personen mit Hauptschulabschluss, Arbeiter und Menschen in dünn besiedelten Gebieten, die sich sorgen. Doch auch Menschen mit formal hoher Bildung sind mehrheitlich in Sorge.

Immerhin wären vier von zehn Befragten bereit, finanziell in Maßnahmen zur Einsparung von Energie zu investieren, auch wenn sie dabei erst mittel- bis langfristig profitieren würden. Doch eine Mehrheit hat keinen Sinn für diese eher unternehmerische Perspektive auf die Energiewende. Vor allem Ältere, Menschen mit formal niedrigerer Bildung und viele, die in eher dünn besiedelten Gebieten leben, halten nichts oder wenig von einem Investment mit der Aussicht auf eine Energiewende-Rendite.

Kein Zweifel. Transformationsangst geht um in Deutschland. “Blut, Schweiß und Tränen”-Reden sind in dieser Situation fehl am Platz. Sie verkennen die Sorgen der Menschen. Doch wie kann Politik reagieren, ohne die Klimaschutzziele an sich infrage zu stellen?

Finanzielle Anreize sind das eine. Sie sind essenziell, aber motivieren, wie die Daten zeigen, nur einen Teil der Bevölkerung. Darüber hinaus wäre viel gewonnen, wenn das Projekt Energiewende auch kommunikativ anders angegangen würde. Positiver. Vor allem aber machbarer.

Um eine Bergsteiger-Analogie zu bemühen: Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass Deutschland bei der Energiewende die Mittelstation bereits erreicht hat und das Gipfelkreuz in Sicht ist, sind sie für den restlichen Anstieg eher motiviert, als wenn man ihnen immer wieder vorhält, wie weit der Gipfel noch entfernt ist. Vielleicht sollten wir daher weniger darüber sprechen, was alles bisher noch nicht erzielt wurde und mehr darüber sprechen, was auf dem Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit und Effizienz bereits erreicht wurde.

Die verwendeten Umfragen finden Sie hier.