Einquartiert

Dietmar Bartsch sieht zufrieden aus. Der Bundesgeschäftsführer der Linken freut über die neueste Meinungsumfrage des Forsa-Instituts. Um zwei Punkte konnte sich seine Partei zur Vorwoche verbessern und steht nun, Anfang August, bei elf Prozent. Solche Zahlen helfen im beginnenden Bundestagswahlkampf – denn die Linke konnte bislang, daran ändert auch der Forsa-Schub wenig, nicht von der Finanz- und Wirtschaftkrise profitieren.
Bis zum 27. September soll sich das jedoch ändern. Für den Bundestagswahlkampf hat die Partei ein eigenes „Wahlquartier“ gegründet; im Oktober 2008 fiel der Startschuss. Doch im Unterschied zum „Ideenreich“, der Wahlkampfzentrale der FDP, oder dem grünen „Triebwerk“, gibt es im Karl-Liebknecht-Haus mehrere Räume, in denen Wahlkampfchef Bartsch und seine Mannschaft tagen können. Dazu gehören ein kleiner und ein großer Konferenzsaal auf der zweiten Etage der Bundesgeschäftsstelle sowie ein etwas röhrenartiger Raum im Erdgeschoss. Letzterer ist vollgepackt mit Rechnern, Karten, Informationsmaterialien und einem mächtigen Flachbildfernseher. Die gesamte Bundesgeschäftsstelle: ein einziges „Wahlquartier“.
Neben Bartsch stehen vor allem Claudia Gohde, die Leiterin des „Wahlquartiers“, und Mark Seibert, der Online-Koordinator, im Mittelpunkt des Wahlkampfs. Gohde verantwortet drei Bereiche: Inhalte, Mobilisierung und Koordination. Bei den Inhalten dreht sich alles um das Wahlprogramm und, so sagt Gohde, die „Übersetzung der Argumente in Material“. Auch die Zusammenarbeit mit den beiden Stammagenturen Trialon und DIG findet von hier aus statt. Im Bereich Print, den Seibert leitet, sind die klassischen Printprodukte wie Flyer und die Wahlkampfzeitung angesiedelt, der Online-Wahlkampf und Parteiveranstaltungen. Die Kommunikation mit den Kandidaten und Wahlkämpfern ist bei der Koordination gebündelt.
Beim Gespräch mit Bartsch, Gohde und Seibert wird klar, dass für sie die heiße Wahlkampfphase begonnen hat: alle drei sprechen von der Printkampagne, die die Partei in wenigen Tagen präsentieren wird. „Von nun an steigert sich der Druck kontinuierlich“, sagt Seibert. Einige Tage später die nächste Phase: Ende August stellte die Partei die ersten Großflächenplakate auf. 4000 will die Linke in ganz Deutschland aufstellen. Bei der Motivauswahl setzt sie, wie 2005, auf ihre prominentesten Zugpferde: Oskar Lafontaine und Gregor Gysi.
Für Bartsch spielt das Wochenende vor der Wahl eine entscheidenen Rolle. Die Deutschen würden sich immer später entscheiden, ob und welche Partei sie wählen. Gerade deshalb sei es wichtig, „in den letzten 48 Stunden Präsenz zu zeigen“, sagt er.
Die im Vergleich zu CDU und SPD begrenzten finanziellen Mittel seiner Partei im Wahlkampf stören Bartsch nicht. „Materialschlachten können wir nicht gewinnen“, sagt der Bundesgeschäftsführer. Überzeugen könne seine Partei nur durch Inhalte. Gute Umfragewerte können dabei natürlich auch helfen.