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Foto: Rainer Jensen/Deutsche Messe
Politik

Wie man den digitalen Umbruch kommuniziert

Die Cebit ist eröffnet. Auf der Computermesse wird der Bundesregierung ein Empfehlungsbericht zum digitalen Wandel überreicht. Warum es in der politischen Kommunikation hin und wieder Tabubrüche braucht, erklärt Lars Schatilow in einem Gastbeitrag.

von Lars Schatilow

Auf der Cebit in Hannover wird in diesen Tagen der aktuelle Empfehlungsbericht "Smart Service Welt" der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) an die Bundesregierung überreicht. Er beinhaltet Handlungsempfehlungen zum Zukunftsprojekt "Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft" im Rahmen der digitalen Agenda. Experten aus über 70 Unternehmen, Verbänden und der Wissenschaft haben in zweijähriger Arbeit deutlich gemacht, dass die Potenziale der Digitalisierung hierzulande nicht ausgeschöpft werden. Wir fordern Infrastruktur, bewundern die Analysefähigkeit neuer Technologien und nutzen das Ganze dann doch nur, um Prozesse innerhalb bestehender Geschäftsmodelle zu optimieren.

Dieses Verständnis von Digitalisierung hält sich bei Entscheidern in Politik und Wirtschaft hartnäckig. Es behindert jedoch dabei, große Schritte im digitalen Zeitalter zu gehen und im globalen Wettrennen zu bestehen. Wer smarte Service-Plattformen aufbaut und betreibt, bestimmt Märkte und deren Zugang. Dafür ist es erforderlich, unternehmensübergreifend und rasch zu handeln. Der Expertenbeirat will für die nächste Ära der Digitalisierung sensibilisieren, in der deutsche Leitanbieter dann keine Rolle mehr spielen, wenn sie die Smart Service Welt nicht ausreichend durchdenken und handeln.

Betonköpfe blockieren hierzulande den Weg in die Smart Service Welt. Doch aufgrund des globalen Wettbewerbs muss das Umdenken rasch erfolgen. Die Vorsitzenden des Expertenbeirats, Acatech-Präsident Henning Kagermann und Accenture Deutschland-CEO Frank Riemensperger gehen daher neue Wege in der politischen Kommunikation: Statt wie bislang einen Expertenbericht an ehrwürdigen Orten der Politik zu überreichen, erfolgt die Übergabe an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel inmitten von Start-ups auf der Cebit. Der Ort steht für Aufbruch, Ausprobieren, Erneuerung. Der Vermittlungsprozess wird selbst zum symbolischen Experiment. Denn Medien und Politik sind ebenfalls gefordert, Digitalisierung für die Zeit der Smart Service Welt neu denken und erzählen zu können.

Der Impuls der acatech soll zu kommunikativen Tabubrüchen motivieren. Bislang fehlt das ehrliche Eingeständnis von Entscheidern in Politik und Wirtschaft, keine entsprechenden Antworten auf die smarten Geschäftsmodelle aus dem Silicon Valley zu haben – dabei hat es Axel Springer-Chef Mathias Döpfner prominent und erfolgreich vorgemacht. Trotz digitaler Strategien wurde der Begriff Digitalisierung nicht ausreichend durchdacht. Eine konkrete Vorstellung und Vermittlungsfähigkeit liegt meist gar nicht vor.

Es sind daher Dialoge erforderlich, die politische, gesellschaftliche, mediale Akteure sowie Vertreter der Wirtschaft involvieren und zum gemeinsamen Denken bewegen. Diese würden dazu beitragen, die erforderliche Kooperationsfähigkeit der Meinungsführer in einer Smart Service Welt bereits im Kommunikationsprozess zu beweisen. Der Weg in die neue Ära wird zur Gemeinschaftsaufgabe.

Lars Schatilow

war Mitglied im Kernautorenteam des acatech-Expertenbeirats Smart Service Welt und ist Director für Digitale Transformation bei Deekeling Arndt Advisors (Foto: Privat).