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Rainer Linnemann;CDU Deutschlands, Collage: Janice Arpert
Kampagne

Alles nur geklaut!

Eine Frankfurter Bürgerinitiative möchte eine Galopprennbahn vor dem Abriss bewahren – und hat dabei alle Parteien gegen sich. Sie wehrt sich, indem sie für ihre Kampagne Wahlkampfplakate von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und SPD kopiert.

von Rainer Linnemann

Am Sonntag findet in Frankfurt am Main zum ersten Mal ein Bürgerentscheid statt. Es geht um die Galopprennbahn, die einer DFB-Akademie und einem Park weichen soll. Gegen den Abriss der Rennbahn formierte sich eine Bürgerinitiative, die mit zahlreichen Plakaten im Stadtbild präsent ist.

Die Bürgerinitiative hat alle gegen sich. CDU und Grüne als Parteien der Stadtregierung sowieso, und auch der SPD-Oberbürgermeister wirft sich für die Planung in die Bresche. Allein gegen alle? Das macht sich die Initiative zunutze. Sie nimmt Anleihen an den Wahlplakaten aller Parteien zur letzten Bundestagswahl. Das geht bis an die Grenze einer optischen Täuschung. Auch thematische Ähnlichkeiten der Plakate zu den einzelnen Parteien sind nicht zufällig.

So bekommt die CDU das Thema "Tradition bewahren" zugeordnet. Es wird mit dem CDU-typischen orangefarbenen Verlauf, ähnlichen Schrifttypen sowie gleichen Schriftfarben geworben.

   

Foto (c) Rainer Linnemann

 

Plakat (c) CDU Deutschlands D. Butzmann

Bündnis 90/Die Grünen bekommen das Thema "Naturschutz" zugewiesen. Die Großbuchstaben in den Plakaten der Rennbahnbefürworter fanden sich auch auf den Grünenplakaten zur Bundestagswahl, vor allem aber der angeschnittene grüne Kreis unten rechts. Kein Wunder, dass sich die Grünen darüber mokieren, dass "optisch unter falscher Flagge" plakatiert wird.

  

Foto (c) Rainer Linnemann

Plakat (c) Harry Weber

Der Farbverlauf, mit dem die SPD im Steinbrück-Wahlkampf warb, findet sich in ähnlicher Form auf den Plakaten, auf denen gegen den angeblichen DFB-Palast gewettert wird oder auch, wenn es gegen die DFB-Bosse geht.

Foto (c) Rainer Linnemann

 

Plakat (c) SPD

Mit ihrer Kampagne machten die Rennbahnfans aus der Not eine Tugend. Eigentlich hätten es viele Ratsparteien gerne gesehen, wenn der Bürgerentscheid nicht im Stadtbild präsent wäre und dann schon aus mangelndem Interesse das erforderliche Quorum nicht erreichen würde. Da machten ihnen die Rennbahnfreunde einen Strich durch die Rechnung.

Rainer Linnemann

ist promovierter Politikwissenschaftler. Zur Frankfurter Kommunalwahl 2011 schrieb er einen Blog, der sich vor allem mit den Wahlplakaten beschäftigte. Linnemann ist Autor und Berater. Er freut sich über Feedback an rlinnemann@arcor.de.