Wahlkampf

Wie sich die Redenkultur verändert hat

In früheren Zeiten konnte es "eine gute Rede" sein, wenn der Heerführer im Morgengrauen mit erhobenem Schwert die erste Reihe seiner Heerscharen abritt, ihre Schilde als Zeichen tiefer Verbundenheit berührte und in wenigen Sätzen darlegte, dass der Feind zu besiegen und es sowieso ein guter Tag zum Sterben sei. Pathos und Ethos waren die entscheidenden Überzeugungsmittel. Sie hatten große Kraft und erzeugten starke Stimmungen.

"Wer ständig seine Berater wechselt, verliert die Richtung"

Christian Lindner hat in seinem NRW-Spot die vielen Beratungshinweise, die Politiker erhalten, zum Thema gemacht und sie verspottet. Ein werblich herausragender Kurzfilm, aber vielleicht nicht ganz realistisch. Denn kein Spitzenpolitiker setzt sich so konsequent wie im Film einfach über alle Ratschläge hinweg. Im Gegenteil: Die eigene Linie bildet sich meist im Gespräch mit dem eigenen Umfeld, Experten, dem Wahlkampfteam, einem vertrauten Kreis.

Wie wird die Briefwahl hip?

In einem Meeting Mitte Juni hätte die Kollektiv-Einschätzung eindeutiger nicht ausfallen können: Für einen Briefwahlkampagnen-Claim samt Hashtag war "Sonntag hab ich was Besseres vor" nicht geeignet. Zu lang, zu unpolitisch, ohne klaren Zielbezug – und überhaupt: Welcher Sonntag? Niemand würde wissen, dass es um den Wahlsonntag geht. Manch einer gar denken, hier würde zur Nichtwahl aufgerufen!

Ein Image schärft man in ruhigen Zeiten

Die wichtigste Bedingung für eine gelungene Beratung ist nicht die Beratungswilligkeit eines Politikers – das ist Grundvoraussetzung dafür, einen Berater zu kontaktieren –, sondern ein Mindestmaß an Vertrauen zwischen Berater und zu Beratendem. Ohne gegenseitiges Vertrauen kein gemeinsamer Erfolg, insbesondere wenn es an den Kern der Persönlichkeit eines Politikers geht. Wie etwa beim Image-Building. Das Image eines Politikers ist die spontane Assoziation, das Bild, das im Kopf eines Menschen entsteht, wenn er den Namen oder das Gesicht eines Politikers sieht.

Vertrauen müssen sich Berater lange vor dem Wahlkampf erarbeiten

Was für Wahlkampfzeiten gilt, ist doch eigentlich immer richtig: Die Beratungsfähigkeit hat viel mit Spitzenpolitikern zu tun und noch mehr mit ihren Beratern. Nur mit einem gewachsenen, vertrauensvollen Verhältnis gibt es eine Grundlage für eine gute und vor allem belastbare Zusammenarbeit und damit für eine erfolgreiche Beratung in Wahlkampfzeiten.

Wie ernst ein Politiker Beratung nimmt, zeigt sein Zeitaufwand dafür

Berater sollten sich bloß nicht aus finanziellen Gründen darauf einlassen, als ein Alibi für Beratung zu dienen. Jeder kennt diesen Blick des Politikers, der sagt: "Was willst du denn? Das kann ich doch, deshalb bin ich jetzt an der Spitze!" Also kommt der Auftrag, ein konzeptionelles Papier zu schreiben. Das wandert ab in die Blackbox auf Nimmerwiedersehen. Oder der Berater wird gebeten, im Kreise des Stabs seine Überlegungen vorzutragen. Das ist okay, denn Kooperation und Diskussion gehören zur Beratung.

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