Wahlkampf

Die ­Zukunft ­gehört den ­Mutigen

Das Misstrauen gegen "die da oben" hat die etablierten Parteien bei der Bundestagswahl 2017 Stimmen gekostet, vor allem Union und SPD. Die AfD ist als Protestpartei drittstärkste Kraft geworden. CDU-Chefin Angela Merkel gab sich stoisch ("Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssen"), doch CDU-Werber und ehemaliger Jung-von-Matt-Vorstand Thomas Strerath bilanzierte: "Wir sind gescheitert." Die SPD sprach von einer "harten Niederlage" und hoffte, in der Opposition an Profil zu gewinnen.

"Abgeordnete sollten nicht poltern"

Frau Zypries, weshalb haben Sie die Entscheidung zum Abtritt aus dem Bundestag getroffen?

Ich habe die Entscheidung bereits nach der vergangenen Wahl getroffen. Immer, wenn ich darüber nachdachte, hat es sich richtig angefühlt – und das tut es auch jetzt. Ich war zwölf Jahre im Parlament. Das ist eine relativ lange Zeit. Es ist dann auch für den Wahlkreis gut, wenn jemand Neues kommt, mit neuen Ideen, neuem Engagement. Bei mir schlich sich nach zwölf Jahren Routine ein.

Nie wieder Endlosdebatten ohne Ergebnis

Herr Bosbach, Sie geben persönliche und politische Gründe dafür an, dass Sie im September nicht wieder für den Bundestag kandidiert haben. Welche haben überwogen?

Ohne die politischen Gründe vernachlässigen zu wollen, sind es sicherlich in erster Linie private, sehr persönliche Gründe, die mich dazu bewogen haben, nicht erneut für den Deutschen Bundestag zu kandidieren.

Wann haben Sie denn entschieden, nicht erneut zu kandidieren und was gab den Ausschlag?

"In Berlin stellen viele Menschen Macht über Inhalt"

Herr van Aken, Sie haben mal gesagt: "Acht Jahre in dem Zirkus sind genug".

Zirkus kann man sicher auch sagen, trifft es aber vielleicht nicht so richtig. Mein Vorgänger aus Hamburg, Norman Paech, hat es immer "Raumschiff Berlin" genannt. Da ist auch etwas dran. Ich finde, dass für mich persönlich acht Jahre genug sind. Länger möchte ich es nicht machen. Das hat politische aber auch private Gründe.

Was wäre denn ein privater Grund?

Das Netz bedroht unseren Wahlkampf ... oder doch nicht?

Wer in den vergangenen Monaten die Diskussionen im Feuilleton verfolgt hat, könnte glauben, dass die Demokratie an einem Wahltag in großer Gefahr ist. Schuld daran: das gefährliche Internet. Nicht erst seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 grassiert in Parteizentralen und Redaktionen die Angst vor Manipulation, gezielter Online-Werbung, Hacks, Filterblasen und der Bedrohung, die der Populismus für die Debattenkultur darstellt. Jedem dieser Phänomene wird je nach Anschauung, Absender und Zuspitzung das Potenzial zugeschrieben, eine Wahl massiv zu beeinflussen.

Fünf Gründe für das Wahldebakel der SPD

Während es in der SPD seit dem Wahlsonntag darum geht, sich für die angestrebte Oppositionsführerrolle personell neu aufzustellen und die öffentliche Debatte wieder einmal von der AfD bestimmt wird, scheinen die Ursachen für die Wahlschlappe der SPD in den Hintergrund zu geraten. Doch auch wenn man in der Partei endlich verstanden zu haben scheint, dass Opposition nicht immer Mist ist, sei ihr dringend empfohlen, auch zurückzublicken, um zukünftig mit klarem Visier nach vorne schauen zu können.

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