Wahlkampf

Das Netz bedroht unseren Wahlkampf ... oder doch nicht?

Wer in den vergangenen Monaten die Diskussionen im Feuilleton verfolgt hat, könnte glauben, dass die Demokratie an einem Wahltag in großer Gefahr ist. Schuld daran: das gefährliche Internet. Nicht erst seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 grassiert in Parteizentralen und Redaktionen die Angst vor Manipulation, gezielter Online-Werbung, Hacks, Filterblasen und der Bedrohung, die der Populismus für die Debattenkultur darstellt. Jedem dieser Phänomene wird je nach Anschauung, Absender und Zuspitzung das Potenzial zugeschrieben, eine Wahl massiv zu beeinflussen.

Fünf Gründe für das Wahldebakel der SPD

Während es in der SPD seit dem Wahlsonntag darum geht, sich für die angestrebte Oppositionsführerrolle personell neu aufzustellen und die öffentliche Debatte wieder einmal von der AfD bestimmt wird, scheinen die Ursachen für die Wahlschlappe der SPD in den Hintergrund zu geraten. Doch auch wenn man in der Partei endlich verstanden zu haben scheint, dass Opposition nicht immer Mist ist, sei ihr dringend empfohlen, auch zurückzublicken, um zukünftig mit klarem Visier nach vorne schauen zu können.

Von der Schwierigkeit, kommunikativ Vertrauen aufzubauen

Der 24. September 2017 wird in die Geschichtsbücher als ein Einschnitt in Bezug auf das deutsche Parteiensystem nach dem zweiten Weltkrieg eingehen. Nach einem zugegebenermaßen mauen Wahlkampf gab es lange Gesichter auf Seiten der Volksparteien, während kleinere Parteien triumphierten und sogar wieder oder neu in den Bundestag eingezogen sind. Weder der 2013 noch so erfolgreiche Wahlspruch "Sie kennen mich" von Amtsinhaberin Angela Merkel noch die kumpelhaft-freundliche Art ihres Herausforderers Martin Schulz wurden im erhofften Maße von den Wählern goutiert.

Plakative Langeweile

[no-lexicon] Kommunikation ist Reduktion von Komplexität. Das gilt ganz besonders im Ausnahme­zustand des Wahlkampfs. In kürzester Zeit und auf begrenztem Raum die prägnanteste Aussage treffen – in dieser Königsdisziplin der Massenkommunikation üben sich die deutschen Parteien seit vielen Jahrzehnten. Manche politische Slogans sind dem kollektiven Gedächtnis erhalten geblieben, andere mangels Strahlkraft und Stringenz längst in Vergessenheit geraten.

Wie sich die Redenkultur verändert hat

In früheren Zeiten konnte es "eine gute Rede" sein, wenn der Heerführer im Morgengrauen mit erhobenem Schwert die erste Reihe seiner Heerscharen abritt, ihre Schilde als Zeichen tiefer Verbundenheit berührte und in wenigen Sätzen darlegte, dass der Feind zu besiegen und es sowieso ein guter Tag zum Sterben sei. Pathos und Ethos waren die entscheidenden Überzeugungsmittel. Sie hatten große Kraft und erzeugten starke Stimmungen.

"Wer ständig seine Berater wechselt, verliert die Richtung"

Christian Lindner hat in seinem NRW-Spot die vielen Beratungshinweise, die Politiker erhalten, zum Thema gemacht und sie verspottet. Ein werblich herausragender Kurzfilm, aber vielleicht nicht ganz realistisch. Denn kein Spitzenpolitiker setzt sich so konsequent wie im Film einfach über alle Ratschläge hinweg. Im Gegenteil: Die eigene Linie bildet sich meist im Gespräch mit dem eigenen Umfeld, Experten, dem Wahlkampfteam, einem vertrauten Kreis.

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