Public-Affairs-Beauftragte stellen Großer Koalition schlechtes Zeugnis aus

Politik

Nach Einschätzung von Public-Affairs-Beauftragten hat sich im vergangenen Jahr die Leistung der Großen Koalition auf Bundesebene verschlechtert. Das geht aus einer Umfrage der Agentur MSL Germany hervor. Mehr als die Hälfte der 70 teilnehmenden Public-Affairs-Verantwortlichen aus Unternehmen und Verbänden bewertet die Arbeit der Regierung mit „schlecht“ (50 Prozent) oder sogar „sehr schlecht“ (drei Prozent). Die Leistung der Opposition wird von 76 Prozent als unzureichend eingestuft.

Was die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung im vergangenen Jahr betrifft, gehen die Meinungen auseinander: 46 Prozent befinden diese für gut, 43 Prozent bewerten sie als schlecht.

Zusammenarbeit mit den Grünen hat sich deutlich verbessert

Offener als noch im Vorjahr wird der Dialog mit den Grünen geführt. Rund ein Drittel der Befragten bezeichnet die Zusammenarbeit mit der Partei als konstruktiv, das sind doppelt so viele wie 2015. Der mit Abstand beliebteste Dialogpartner bleibt die CDU, mit der 84 Prozent nach eigener Angabe konstruktiv zusammenarbeiten. Es folgen SPD (43 Prozent), CSU (38 Prozent) und FDP (34 Prozent).

Auf Parteien an den äußeren Rändern des Parteiensprektrums angesprochen, gibt ein Drittel der Befragten an, grundlegend auf den Dialog zu verzichten. Lediglich zwei Prozent antworteten, auch mit diesen Parteien das offene Gespräch zu suchen.

Bedeutung von Social Media wächst weiter

Knapp jeder zweite Public-Affairs-Verantwortliche gibt inzwischen an, Social-Media-Kanäle zur politischen Kontaktpflege zu nutzen. Die Mehrheit setzt dabei insbesondere auf den Kurznachrichtendienst Twitter (60 Prozent). Die größten Zuwächse sind in der Nutzung der Plattformen Youtube (von 14 auf 28 Prozent) und Facebook (von 36 auf 49 Prozent) zu verzeichnen (ausführliche Analyse hier)

Die Einschätzung, welches Bundesministerium sich langfristig die Federführung beim Thema Digitale Agenda sichert, hat sich gegenüber 2015 verändert. Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie trauen heute 28 Prozent der befragten Lobbyisten die Hoheit über netzpolitische Fragen zu, das sind zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 39 Prozent der Befragten prognostizieren, dass das Themengebiet zwischen mehreren Ministerien aufgeteilt bleiben wird.

Mehrheit hält neue Regelung zu Hausausweisen für unwirksam

Jeder fünfte Public-Affairs-Beauftragte ist der Ansicht, dass sich das Image der Branche im den vergangenen Jahr verschlechtert hat, das sind zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Diese Negativeinschätzung lässt sich laut Christoph Moosbauer, Managing Director bei MSL Germany, durch die intensive öffentliche Debatte um ein Lobbyregister und die Hausausweise für den Deutschen Bundestag erklären. Diese habe dem Image der Branche eher geschadet. Mehr als die Hälfte der Befragten hält das Ziel der im März in Kraft getretenen Regelung zu den Hausausweisen, mehr Transparenz zu schaffen, für nicht erfüllt. 24 Prozent halten die Neuerung sogar für kontraproduktiv.

Für die 15. Public-Affairs-Umfrage hat die Kommunikationsberatung  MSL Germany im Juni und Juli 2016 Public-Affairs-Verantwortliche aus Unternehmen und Verbänden befragt. Mehr als siebzig Antworten gingen in die Auswertung ein.