„Wir möchten zeigen, dass dieses Land ein Land der Chancen ist“

Interview

Frau Tekkal, welche Bedeutung hat der Award für Sie?

Anders, als es der Name „German Dream Award“ vielleicht suggeriert, haben wir am Montagabend keine Träumer, sondern Macher ausgezeichnet: Menschen, die für unsere Zukunft einstehen. Einen Rapper, der über Gefühle spricht. Eine Managerin, die das Business-Kostüm gegen den politischen Kampf eingetauscht hat. Einen Schulleiter, der beweist, dass man sich mit dem Begriff „Brennpunktschule“ nicht abfinden muss. Einen Lehrer, der gegen Judenhass kämpft. Und einen Sechzehnjährigen, der sich in den neuen Bundesländern Springerstiefeln entgegenstellt. In einer Zeit, in der viele Menschen die Orientierung verlieren, geben diese Persönlichkeiten durch ihr Handeln eine Richtung vor. Die DNA von German Dream ist es, Freiheit möglich zu machen und zu zeigen, dass dieses Land ein Land der Chancen ist. Das wurde an der Bandbreite der Preisträger deutlich. Wir möchten diesen unbesungenen Alltagshelden eine Bühne geben – auch durch prominente Laudatorinnen und Laudatoren wie Karoline Herfurth, Dunja Hayali oder Katrin Bauerfeind. Wir haben gewissermaßen ein Lagerfeuer entzündet, an dem wir uns wärmen können, bevor es am nächsten Tag wieder hinaus in die Kälte geht.

Nach welchen Kriterien werden die Preisträger für die Awards ausgewählt?

Wir haben eine großartige Jury mit Katarina Peranic, Simon Usifo, Bao-Chii Nguyen, Tülin Tekkal sowie Steffen und Doritta Unglaub. Innerhalb der Jury haben wir Persönlichkeiten vorgeschlagen, die uns im vergangenen Jahr besonders inspiriert haben. Aus diesem Kreis hat die Jury dann die Preisträger ausgewählt.

Was hat Sie persönlich am meisten an den Preisträgern beeindruckt?

Besonders beeindruckt hat mich Max Schneller. Er zeigt, was ein einzelner Sechzehnjähriger bewirken kann, wenn er sich mutig in den Wind stellt. Nachdem das Verfahren aufgrund seiner Anzeige eingestellt wurde, hat er sich nicht mit Straflosigkeit abgefunden, sondern kämpft weiter – unter Einsatz seines Lebens. Ganz anders, aber ebenso eindrucksvoll, ist Engin Çatik: Als Schulleiter hat er seinen Schülerinnen und Schülern ihre Würde zurückgegeben, indem er ihnen buchstäblich ins Gesicht schaut und sie wirklich sieht. Und auch Capo hat mich sehr beeindruckt, weil er offen mit dem Klischee der starken Manosphäre in der Rap-Kultur bricht und sagt: „Ich möchte über Depressionen sprechen.“

Neben German Dream haben Sie mit Hawar.help eine internationale Menschenrechtsorganisation gegründet. Im Nahen Osten eskalieren aktuell zwei Großkonflikte, unter anderem im Iran, wo eine Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen wird und Tausende Menschen getötet wurden. Aus der deutschen Zivilgesellschaft hört man dazu wenig. Was erwarten Sie von NGOs und Menschenrechtsorganisationen – und was können wir alle tun?

Unsere Aufgabe ist es, uns unmissverständlich hinter die Zivilbevölkerung zu stellen und den Lügen dieser Mörderregime keinen Glauben mehr zu schenken. Weder Medien noch Politik dürfen ihnen auf den Leim gehen. Die Islamische Republik bringt ihre eigene Bevölkerung um. Wir sprechen von einem Regime, das Demonstrierende medienwirksam an Baukräne hängt. Unser Platz muss an der Seite dieser mutigen Menschen sein. Die Massaker, die in den vergangenen Tagen im toten Winkel stattgefunden haben, sollten uns genau daran erinnern.

Ein weiteres zentrales Thema ist Syrien. Unter der Übergangsregierung gleitet das Land zunehmend in Richtung Islamismus. Das Regime geht brutal gegen ethnische Minderheiten vor, insbesondere gegen Kurden in Aleppo und Nord-Syrien. Am Montag ist der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa zu Gast bei Bundeskanzler Merz in Berlin. Was sollte der Kanzler ihm sagen?

Es ist ein Eklat, dass unser Bundeskanzler diesen Kriegsverbrecher nach Deutschland einlädt und ihm im Kanzleramt den roten Teppich ausrollt – während das Blut der Kurden in Aleppo noch nicht getrocknet ist, während weiterhin Kriegsverbrechen begangen werden und marodierende Truppen Angst und Schrecken verbreiten. Entsprechend werden wir am Montag vor dem Kanzleramt gegen den Besuch von Ahmed al-Sharaa demonstrieren.

Hat man in Deutschland zu viel Hoffnung in diese Übergangsregierung gesetzt – obwohl Expertinnen und Experten früh gewarnt haben?

Definitiv. Der Gedanke, man könne mit Islamisten über Islamismus verhandeln, ist unfassbar naiv. So gut es ist, dass Assad weg ist – an seine Stelle ist ein neuer Verbrecher getreten.

Letzte Frage: Was ist Ihr persönlicher German Dream für 2026?

Ich wünsche mir, dass unsere Liebe stärker ist als unser Hass und unsere Angst. Dass wir Hoffnung geben – trotz all des Grauens, das wir erleben. Ich wünsche mir Geschlossenheit und Mut. Eine mutige Gesellschaft, die rote Linien definiert und sie auch verteidigt. Diese Untergangsstimmung können wir uns in Deutschland nicht leisten. Wir müssen jetzt handeln. Wie das konkret aussehen kann, zeigen wir bei German Dream tagtäglich mit unserer Menschenrechts- und Bildungsarbeit.