Dass Friedrich Merz ein Bauchmensch ist, wissen wir mittlerweile. Die neueste Episode: Diese Woche beklagte sich der Bundeskanzler bei einem Hamburger Bäcker über das Frühstücksbuffet in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Dort hatte Merz tags zuvor am Gipfel der EU und der Afrikanischen Union teilgenommen. Er habe „ein ordentliches Stück Brot“ beim Frühstück vermisst, sagte er.
Die Brot-Geschichte ist für sich genommen eine Petitesse. Allerdings ist die Amtssprache in Angola Portugiesisch. Die brasilianische Zeitung „Globo“ griff die Geschichte gleich auf. So bekommen auch die Brasilianer mit, was Merz nun wieder angestellt hat. Die Belem- und Stadtbild-Saga bekommt neuen Stoff.
Man kann sich über die Erregungsspirale lustig machen. Festzuhalten ist aber auch: die unnötigen Fehler kommen verlässlich bei Merz. Offenbar ist er so überwältigt von den vielfältigen Eindrücken, die er bei seiner Tätigkeit als Bundeskanzler sammelt, dass er sie unbedingt teilen muss. Am besten schon bei seinem nächsten Termin. Das ist zutiefst menschlich. Und unprofessionell.
„Der Kanzler ist bekannt für seine peinlichen Reden, die diplomatische Verstimmungen oder interne Kritik verursachen“, schreibt die brasilianische „Globo“. Hier liegt für Merz eine Gefahr. Wenn viele Stolperer zusammen das Bild einer „loose cannon“ ergeben, werden seine Patzer zum Meme. Dann wird es schwer für den Kanzler, mit den Botschaften durchzudringen, die er bei seinen Terminen setzen will. Zu viele werden nicht zuhören, weil sie auf den nächsten Querschläger warten.
Heute empfängt Merz den slowenischen Ministerpräsidenten. Mal schauen, was der Kanzler später zu erzählen hat, wenn er den Weihnachtsbaum für das Kanzleramt entgegennimmt.
