Wer berät Deutschland? p&k schafft erstmals einen umfassenden Überblick über den Public-Affairs-Markt

p&k-Verzeichnis Public-Affairs-Agenturen und Politikberatungen

Reichstagsgebäude in Berlin mit deutscher Flagge und der Inschrift "DEM DEUTSCHEN VOLKE" über der Eingangstür.
Foto: Rasmus Gundorff Saederup (unsplash)

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politik&kommunikation schafft als erstes Medium in Deutschland einen umfassenden Überblick über den Markt der Public-Affairs-Agenturen und Politikberatungen. Mit dem neuen p&k-Verzeichnis entsteht eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, Verbände, Institutionen und Organisationen, die den passenden Beratungspartner für politische Kommunikation, Public Affairs und strategische Interessenvertretung suchen.

Als einziges Medium an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft, Kommunikation und Beratung verfügt p&k über die notwendige Nähe zum Markt, um diese Transparenz herzustellen. Ziel ist es, das Verzeichnis kontinuierlich auszubauen und fortlaufend um weitere Beratungen, Daten und Marktinformationen zu ergänzen.

Grundlage des Verzeichnisses ist eine umfangreiche Datenerhebung per Fragebogen. Erfasst wurden unter anderem Informationen zu Struktur, Leistungsprofil, personeller Aufstellung, Mandatsstruktur, Compliance und Reputation der Dienstleister. Auf Basis dieser Angaben entstanden die Profile der einzelnen Beratungen.

Die Auswertung der Daten liefert zugleich spannende Einblicke in die Entwicklung des Marktes. Fünf Erkenntnisse stechen dabei besonders hervor.

Erkenntnis 1: Public Affairs boomt – und immer mehr Agenturen investieren

Public Affairs und Politikberatung wachsen. Der Markt entwickelt sich dynamischer als viele andere Segmente der Kommunikationsbranche. Das wird nicht nur an steigenden Mitarbeiterzahlen und erweiterten Leistungsportfolios sichtbar, sondern auch am Aufbau neuer Public-Affairs-Einheiten durch große Kommunikationsagenturen. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Gründung von Serviceplan Public Affairs. Dass Deutschlands größte inhabergeführte Agenturgruppe gezielt in den Bereich investiert, unterstreicht die strategische Bedeutung politischer Beratung für Unternehmen.

Treiber dieses Wachstums ist vor allem der Bedeutungszuwachs von Public-Affairs-Arbeit für Unternehmen angesichts der zunehmenden Regulierungsdichte, geopolitischen Unsicherheiten und der wachsenden Bedeutung politischer Stakeholder. Themen wie ESG, Transformation, Energiepolitik, Digitalisierung oder Lieferkettenregulierung sorgen für einen dauerhaft hohen Beratungsbedarf. Davon profitieren Agenturen und Politikberatungen mit ihren Angeboten.

Erkenntnis 2: Corporate Affairs statt reinen Lobbyings

Kaum eine Beratung versteht sich heute noch ausschließlich als klassische Public-Affairs-Agentur. Stattdessen bieten viele Dienstleister integrierte Leistungen an, die politische Beratung, strategische Kommunikation, Krisenkommunikation, Campaigning, Stakeholder-Management und Corporate Communications miteinander verbinden. Die Grenzen zwischen Public Affairs und strategischer Kommunikationsberatung lösen sich zunehmend auf.

Dieser Wandel hängt eng mit den veränderten Anforderungen von Unternehmen zusammen. Politische Themen spielen sich heute nicht mehr nur im parlamentarischen Raum ab, sondern gleichzeitig in Medien, sozialen Netzwerken und gesellschaftlichen Debatten. Unternehmen benötigen deshalb Beratungen, die politische Prozesse verstehen und zugleich kommunikative Dynamiken beherrschen. Public Affairs wird damit stärker öffentlichkeitsorientiert, während Kommunikationsberatung politischer wird.

Agenturen positionieren sich als strategische Partner für Reputation, gesellschaftliche Akzeptanz und Transformationsprozesse. Das verändert auch das Selbstverständnis der Branche: weg vom Bild des klassischen Lobbyismus, hin zu ganzheitlicher gesellschaftspolitischer Beratung.

Erkenntnis 3: Die Branche wird konzentrierter und internationaler

Der fragmentierte deutsche Beratungsmarkt mit seinen vielen inhabergeführten Agenturen galt immer als schwierig für die großen internationalen Netzwerke. Nicht mehr: Wir sehen eine zunehmende Internationalisierung und Konsolidierung des Marktes. Immer mehr deutsche Public-Affairs-Beratungen schließen sich internationalen Netzwerken an oder werden Teil globaler Kommunikationsgruppen. Beispiele dafür sind der Anschluss von 365 Sherpas an das internationale Netzwerk BPI oder die Zugehörigkeit von Deekeling und Gauly zu H/Advisors. Auch auf dem deutschen Markt ist diese Konsolidierung zu beobachten, etwa mit der Übernahme von Cosmonauts & Kings durch Christ & Company (hatte 2024 bereits Joschka Fischer & Company übernommen).

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen erfordert Wachstum frisches Kapital und Private Equity. Auch könnte es daran liegen, dass eine lange Zeit dominante Gründer-Generation nun auscashen und kürzertreten möchte. Dazu kommt, dass viele regulatorische Fragen heute auf europäischer Ebene entstehen oder globale Auswirkungen haben. Unternehmen erwarten deshalb zunehmend Beratungen, die nicht nur in Berlin, sondern auch in Brüssel und internationalen Märkten handlungsfähig sind.

Gleichzeitig deutet sich eine stärkere Konzentration im Markt an. Internationale Netzwerke ermöglichen größere Ressourcen, spezialisierte Expertise und grenzüberschreitende Mandate. Für kleinere unabhängige Agenturen steigt dadurch der Wettbewerbsdruck. Dennoch bleibt der Markt stark beziehungsgetrieben – weshalb lokale Netzwerke und persönliche Reputation trotz Internationalisierung ein zentraler Erfolgsfaktor bleiben.

Erkenntnis 4: Neue Player drängen in den Markt

Die Datenerhebung macht deutlich, wie dynamisch sich der Markt in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Auffällig viele Beratungen im Verzeichnis wurden erst seit 2020 gegründet oder erheblich ausgebaut. Neben klassischen Public-Affairs-Agenturen entstehen neue spezialisierte Anbieter für ESG, Sustainability, Transformation, Digital Public Affairs oder geopolitische Beratung. Der Markt wird dadurch vielfältiger und differenzierter.

Die hohe Zahl an Neugründungen zeigt, dass Public Affairs für viele Gründerinnen und Gründer als attraktiver Zukunftsmarkt gilt. Gleichzeitig senken digitale Arbeitsweisen und flexible Projektstrukturen die Eintrittsbarrieren. Viele neue Beratungen werden von ehemaligen Politikerinnen und Politikern, Ministeriumsmitarbeitenden oder Kommunikationsberatern gegründet, die ihre Netzwerke und Expertise in eigene Unternehmen überführen.

Neue Player positionieren sich häufig über besondere Branchenexpertise, datenbasierte Ansätze oder spezifische regulatorische Kompetenzen. Für Auftraggeber erhöht das die Auswahl. Dennoch wird abzuwarten sein, wer sich langfristig am Markt behaupten kann, wer ein steiles Wachstum hinlegen wird, und wer in den nächsten Jahren vom Netzwerk oder einem Wettbewerber geschluckt wird.

Erkenntnis 5: Erfahrung und KI schlagen Hierarchie

Ein auffälliges Ergebnis der Datenerhebung ist die hohe Seniorität vieler Teams. Zahlreiche Beratungen weisen einen vergleichsweisen hohen Anteil an Mid- und Senior-Level-Beraterinnen und -Beratern auf. Gleichzeitig verfügen viele Mitarbeitende über langjährige Erfahrung in Politik, Verwaltung, Verbänden, Unternehmen oder Medien. Junior-lastige Pyramidensysteme bilden inzwischen die Ausnahme, stattdessen sehen wir vermehrst den Übergang zu Quadraten oder gar zu Diamanten (breite Mid-Level-Ebene).

Im Wegfall einer breiten Junior-Schicht zeigen sich bereits die Auswirkungen der Nutzung von KI. Einfache Recherche- oder Monitoring-Aufgaben erledigt die mittlere Ebene mittlerweile nebenbei. Diese Entwicklung hat jedoch auch eine Kehrseite: Die Juniors von heute sind die Seniors von heute. Die zunehmend ausbleibende Ausbildungs-Leistung könnte den Agenturen in ein paar Jahren also auf die Füße fallen.

Das Geschäft ist noch immer ein People-Business. Public Affairs basiert stark auf Vertrauen, Erfahrung und persönlicher Glaubwürdigkeit. Auftraggeber erwarten von Beratungen nicht nur kommunikative Fähigkeiten, sondern auch ein tiefes Verständnis politischer Prozesse, regulatorischer Dynamiken und institutioneller Abläufe. Diese Expertise entsteht meist erst über viele Jahre hinweg.

Zudem werden politische Themen für Unternehmen strategisch relevanter und komplexer. Entsprechend steigt die Nachfrage nach sehr erfahrenen Beraterinnen und Beratern, die regulatorische Entwicklungen einordnen, politische Risiken bewerten und auf Top-Management-Ebene beraten können. Die hohe Seniorität der Teams ist deshalb weniger Zufall als Ausdruck eines Marktes, in dem Erfahrung einen zentralen Wettbewerbsvorteil darstellt.

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