Alle Augen richten sich derzeit auf Sachsen-Anhalt und die Wahl am 6. September. Im Fokus steht dabei nicht allein die Frage, wie es vor Ort weitergeht, sondern welche bundespolitischen Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Dabei entscheiden gerade einmal 1,7 Millionen Wahlberechtigte über einen Landtag, dem eine Signalwirkung für die ganze Republik zugeschrieben wird.
Das Interesse an der Landtagswahl im Pendlerland zwischen Harz und Elbe ist mit 73 Prozent der dortigen Wählerinnen und Wähler über Parteigrenzen hinweg sehr groß. Dass es dabei nicht wirklich um Landespolitik geht, sehen die Befragten selbst so: 52 Prozent führen den hohen AfD-Zuspruch in Sachsen-Anhalt vor allem auf bundespolitische Aspekte zurück, nur 8 Prozent auf landespolitische. 70 Prozent glauben zudem, ein starkes AfD-Ergebnis dort würde die Bundesrepublik insgesamt spürbar verändern. Unter AfD-Wählern liegt diese Wahrnehmung sogar bei 81 Prozent.

Hier endet jedoch die Einigkeit beim Blick auf das Bundesland. Gut jeder Zweite in Deutschland blickt besorgt auf einen möglichen AfD-Wahlsieg, gut vier von zehn Befragte sind es nicht; in Sachsen-Anhalt selbst sind 60 Prozent unbesorgt.

Von der Protestpartei zur Problemlöserin
Diese Gelassenheit hat einen Grund: Die AfD hat für viele den Sprung von der Protestpartei zur Problemlöserin längst geschafft: 34 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt trauen ihr am ehesten zu, die wichtigsten Probleme dort zu lösen, vor CDU (22 Prozent) und Linke (16 Prozent). Die Partei ist zur politischen Heimat derjenigen geworden, die kulturelle wie ökonomische Veränderung als Bedrohung empfinden, in einem Land, das mit Alterung, Bevölkerungsschwund und industriellem Umbruch viel Veränderung zu bewältigen hat.

„Die AfD hat für viele den Sprung von der Protestpartei zur Problemlöserin längst geschafft.“
Der Umgang mit dem Rechtspopulismus
Institutionen wie Bundesrat, öffentlich-rechtlicher Rundfunk sowie Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen tun gut daran, sich auf das Szenario einer AfD-geführten Landesregierung vorzubereiten. Vorwegnehmen sollte man den Wahlausgang trotzdem nicht. Viele kämpfen aktuell in der heißen Phase des Wahlkampfs gezielt gegen eine absolute AfD-Mehrheit. Schon einmal gelang es, die AfD zurückzudrängen. 2016 kam sie aus dem Stand auf 24,3 Prozent, 2021 fiel sie auf 20,8 Prozent, weil viele Bürger taktisch wählten, um die AfD zu schwächen.
Egal wie die Wahl ausgeht: Die Frage nach dem wirksamen Umgang mit dem Rechtspopulismus bleibt bestehen und unbeantwortet. The Day After Magdeburg beginnt in Berlin.
Die verwendeten Umfragen finden Sie hier.