USA

„Ein mulmiges Gefühl“

p&k: Herr Professor Bieber, welche Lehren können die deutschen Parteien aus dem Online-Wahlkampf in den USA ziehen?
Bieber: Der Lerneffekt ist meiner Meinung nach begrenzt. Denn die wichtigste Innovation des US-Wahlkampfes – der Umgang mit großen Datenmengen – lässt sich nicht auf Deutschland übertragen, weil es bei uns keine kommerziellen Datenhändler gibt. Es gab aber durchaus Kampagnentrends in den USA, an denen sich deutsche Parteien orientieren können.
Zum Beispiel?

Die Macht der Milliardäre

Im Juni kam wieder einmal ein warmer Regen auf die Unterstützer des ­republikanischen Präsidentschafts­kan­didaten Mitt Romney nieder: Sheldon Adelson, Inhaber einer internationalen Kasino-Kette, öffnete seinen Geldspeicher und steckte zehn Millionen Dollar in die Sammelbüchse des „Super-Pacs“ namens „Restore our Future“. Die Vereinigung ist ein – zumindest offiziell – von Romneys Kampagne unabhängiges politisches Komitee. Durch TV-Spots und Anzeigen wirbt sie für die Politik des Kandidaten.

Realität über Rhetorik

Insgesamt 21 Minuten und 2415 Worte lang sprach Präsident Obama eine ernste und nüchterne Rede, darauf aus, die Mitte zu treffen. Für seine Maßstäbe ungewöhnlich spannungsarm, ohne Obama-Sound und Applauskitzler, ohne Melodie und Leitmotiv, das früh eingeführt wird und am Ende erneut anklingt. Rhetorisch lauwarm, wirkt sie gelesen besser als gehört.

Obama kann noch scheitern

Keine Frage. Barack Obama ist derzeit das Gesprächsthema Nummer eins, wenn es um Wahlkampf und Kommunikation geht. Und dies nicht nur in den USA, sondern weltweit. Spätestens mit seinem Auftritt vor über 200.000 Menschen in Berlin hat die Obamania eine globale Dimension erreicht, und auch die deutsche Politik stellt sich ganz sicher die Frage, wie sie selbst im kommenden Jahr auch nur annähernd ähnliche Mobilisierungen vollbringen kann.

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