Rhetorik

Entblökt Euch!

Eigentlich sollte es in dieser Kolumne darum gehen, dass zu viele Politiker ihre Worte in Hülsen kleiden. Ohne Aussage. Ohne Emotion. Das war einmal. Zwischen dem ersten Brainstorming zu dieser Ausgabe und dem Redaktionsschluss ist etwas passiert. Politikersprech? Beinahe wünscht man ihn sich zurück! Denn der Trend, der sich seit Monaten schleichend, seit dem Jahreswechsel noch deutlicher abzeichnet, ist viel gravierender als ein paar Floskeln: Das Pöbeln ist salonfähig geworden. Ob in der digitalen oder analogen Welt: Es wird geschimpft, gekeift, geblökt.

Hört auf mit dem elitären Geschwurbel!

Also sprach Josef Ackermann, damals Chef der Deutschen Bank, im Sommer 2008, im ersten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise: "Wir werden unseren Kurs der zeitnahen Transparenz fortsetzen und uns unvermindert für zielführende Reformen des Finanzsystems insgesamt einsetzen." Auf dieses Zitat bin ich in dem Buch "Der Sprachverführer" von Thomas Steinfeld gestoßen. Was will Ackermann mit diesem Satz sagen? Beziehungsweise: Was will er nicht sagen?

Rhetorikcheck: Norbert Röttgen

"Finale in Brüssel – Letzter Akt im griechischen Drama?" Anne Will (ARD) fragt nach. Zunächst bei Rolf-Dieter Krause, der live als Korrespondent aus Brüssel zugeschaltet ist. Dann folgt ein Einspieler mit Twittermeldungen des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, der die Zurückweisung griechischer Sparvorschläge als ungerecht ansieht.

Rhetorikcheck: Thomas Strobl

Die Sendung läuft bereits seit 15 Minuten, als Maybrit Illner eine erste kritische Frage an Strobl richtet. Claudia Roth (Die Grünen) erinnert daran, dass inzwischen 23.000 Flüchtlinge im Mittelmeerraum gestorben sind. Daraufhin fragt Illner den stellvertretenden CDU-Parteichef: „Volker Kauder hat sich ja vor einigen Monaten mit dem Satz verewigt, dass diejenigen, die es zu uns schaffen, von uns auch aufgenommen werden. Nun sagt der Landrat Götz Ulrich, er kann für die Sicherheit der Flüchtlinge in seinem Landkreis nicht garantieren.

Rhetorikcheck: Ralf Stegner

"Boomende Börsen, große Erbschaften. Werden nur die Reichen immer reicher?" Am Mittwochabend war Ralf Stegner, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, zu Gast bei Anne Will. In der Talkshow können die Teilnehmer in ihrem ersten Statement ein Motto vorgeben oder eine Kernbotschaft formulieren. Anne Will befragt Ralf Stegner zu den Ausschreitungen anlässlich der Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes in Frankfurt am Main.

Von Mund zu Mund

Wer Reden schreibt oder hält, muss recherchieren. Mag dieses Wort auch Anklänge an Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten enthalten, umfasst es doch eine einfache und grundlegende Tätigkeit, die in der Sprache der klassischen Rhetorik "Auffinden" (inventio) heißt und auch mit "Ideensammeln" übersetzt werden kann. Gespräche mit Freunden und Experten sind genauso Recherchen wie das Lesen von Büchern, das Surfen im Internet oder das laute Selbstgespräch früh morgens.

Rhetorikcheck: Heiko Maas

[no-lexicon]Heiko Maas, Justiz- und Verbraucherschutzminister der Bundesregierung, wirkt geradlinig, stimmlich kraftvoll und selbstbewusst, als er gegen Mittag an das Rednerpult tritt. Im Deutschen Bundestag geht es um die von ihm angestrebte Verschärfung des Sexualstrafrechts. Als Jurist eröffnet Maas die Aussprache mit einem klassischen Einstieg: Ein Fallbeispiel über einen Freispruch des Oberlandesgerichts Koblenz. Ein Vertretungslehrer hatte sein Vertrauensverhältnis zu einer 14-jährigen Schülerin ausgenutzt und sie verführt.

Rhetorikcheck: Ursula von der Leyen

Es ist nach 17 Uhr, als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an das Rednerpult tritt. 38 Abgeordnete haben seit dem Morgen im Deutschen Bundestag zum Haushalt 2015 gesprochen. Die Reihen haben sich gelichtet. Kein Zweifel, auf viele wirkt Ursula von der Leyen routiniert und kompetent in der Sache. Und nicht wenige wünschen sich, ebenso energiegeladen und souverän zu wirken wie sie. Doch machen diese Eigenschaften allein einen guten Redner aus?

Argumentieren mit Würde

Rhetorische Argumente sind keine logischen Beweise, aber unlogisch müssen sie deshalb nicht sein. Dennoch haben sie eine besondere Eigenschaft, die bereits in diesem Herbst die Bundestagsdebatte über ein heikles Gesetz bestimmen wird. Gemeint ist das Gesetz zur passiven Sterbehilfe.

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