Rhetorik

Drei Fehler beim Redenschreiben

Ein weißes Blatt Papier mit sinnvollen Gedanken, schlüssigen Argumenten und witzigen Pointen füllen, so lautet die Aufgabe. Wie das geht? Das müssen Sie schon selbst herausfinden. Übung macht den Meister. Und ja, das bedeutet auch: Sie müssen ab und zu Fehler machen und daraus lernen. Genauso gut können Sie aus Fehlern anderer lernen. Aus diesen hier zum Beispiel.

Zitate

Zitate sind nicht grundsätzlich verkehrt. Die Frage ist: Was wollen Sie damit bezwecken? Ein Beispiel:

Die große Markus-Söder-Show

Der Wahlkampf werde ganz auf den Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Markus Söder abgestellt, kündigte CSU-Generalsekretär Markus Blume gerade erst wieder an. Dazu passend tourte der Kandidat nun mit dem Format "Markus Söder persönlich" durch das Land – Ansbach, München, Rosenheim, Bayreuth – mit dem Versprechen, ihn einmal ganz anders kennenzulernen. In München war der Termin kürzlich ausgefallen, des Asylstreits wegen.

Was macht eine gute Rede aus?

Der Bundestag lädt zur Debatte – und keiner schaut hin. Das hat einen Grund: Zu viel Rhetorik und zu wenig Debatte. Goethe schrieb von zwei Seelen in Fausts Brust. Im Bundestag hätte er Faust beide Seelen aufs Rednerpult legen lassen. Denn wichtige Entscheidungen brauchen Abwägungen. Zurzeit sehen die Leute jedoch, dass Pro und Contra hinter den Kulissen gewogen werden – mit scheinbar alternativlosem Ergebnis. Aber wer heimlich wägt, lädt zu Misstrauen ein. Nur wer öffentlich wägt, kann die Leute mitnehmen und sie zu Mitstreitern machen.
 

Was man von großen Rednern der Zeitgeschichte lernen kann

Wenn es um politische Reden geht, die im Gedächtnis haften geblieben sind, die vielleicht sogar politisch wirkungsmächtig wurden, fällt vielen Deutschen als erstes Barack Obama ein. Und natürlich John F. Kennedy. Wie aber steht es um politische Rhetorik auf Deutsch? Gibt es Reden, die sich zu Recht ins kollektive Gedächtnis gegraben haben? Die sogar politisch etwas Konkretes bewirkt haben? Und was können Redenschreiber heute noch daraus lernen?

Wie sich die Redenkultur verändert hat

In früheren Zeiten konnte es "eine gute Rede" sein, wenn der Heerführer im Morgengrauen mit erhobenem Schwert die erste Reihe seiner Heerscharen abritt, ihre Schilde als Zeichen tiefer Verbundenheit berührte und in wenigen Sätzen darlegte, dass der Feind zu besiegen und es sowieso ein guter Tag zum Sterben sei. Pathos und Ethos waren die entscheidenden Überzeugungsmittel. Sie hatten große Kraft und erzeugten starke Stimmungen.

Nicht so kompliziert, bitte!

"Denke wie ein Weiser, aber kommuniziere in der Sprache des Volkes", lautet ein Zitat des irischen Dichters William Yeats. Viel zu oft wird in der Politik aber vergessen, weise Entscheidungen einfach und verständlich zu kommunizieren. 2011 wurde im "Spiegel" ein Artikel zum Thema "Jugendfrust und Politikersprech" veröffentlicht, der die inhaltsleere und zu komplizierte Sprache der Politik anprangerte. Und, hat sich seitdem etwas verändert?

Wie lässt sich die eigene Wirkung optimieren?

Weshalb zieht uns die eine Rednerin an, während uns ein anderer Redner abstößt? Betrachten wir Bewertungen und Verhalten an der Oberfläche, wirken sie manchmal verwirrend und nicht nachvollziehbar. Machen wir uns jedoch bewusst, dass unsere Entscheidungen nur die Spitze des Eisbergs darstellen und beginnen wir damit, nach den Beweggründen zu tauchen, so klärt sich das Verständnis schnell auf. Denn die Antwort darauf, warum Menschen bestimmte Entscheidungen treffen und sich auf eine bestimmte Weise verhalten, liegt in der individuellen Ausprägung ihrer Motive.

Lasst auch mal Tränen zu!

Mein Freund weinte, als er seine Tochter in die Arme nahm. Sie war sieben Wochen zuvor in Berlin zur Welt gekommen. Er hatte sie drei lange Wochen nicht mehr gesehen. 800 Kilometer hatte er mit dem Auto in zwölf Stunden zurückgelegt, bei 37 Grad Celsius im Stau, die letzten 100 Kilometer durch die engen Täler Tirols. Es brach aus ihm heraus, als er in die weit geöffneten Augen blickte. Eine Eruption von Emotionen. Tränen kullerten über seine Wangen. Schluchzend drückte er das Baby an seine Brust.

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