Rezension

Empfehlungen für Ihre politische Lektüre

Entzaubernd

Um das Phänomen der Macht ranken sich Legenden und Missverständnisse, glauben Dominik Meier und Christian Blum. Diesen Mythos wollen sie in ihrer 420 Seiten starken wissenschaftlichen Abhandlung entzaubern. Dabei gelingt es ihnen, auf lesenswerte Weise Wesen und Erscheinungsformen der Macht zu erörtern, indem sie auf politische Denker und Philosophen rekurrieren. Schließlich kommen sie zu ihrem eigenen Beratungsansatz. Dieser dritte Teil des Buchs liest sich dann eher wie ein Beraterhandbuch – als das er auch gedacht ist. (kti)

Drei Empfehlungen für politische Lektüre im Sommer

Originell

Kanzlerin Angela Merkel ist ein Auslaufmodell, Deutschland eine verspätete Nation und die Bundestagswahl seit jeher nichts als eine Zirkusvorstellung von Politikern und Journalisten. Die zentrale These von ­Helmut-Schmidt-Biograf Rupps hat es in sich: Seit Konrad Adenauer sei jeder deutsche Kanzler erst an die Macht gekommen, als sein Zenit bereits überschritten war – und dann viel zu lange geblieben. Die historische Analyse ist schlüssig, die Lösungs­vorschläge für das Dilemma kommen allerdings zu kurz.

Digital ist nicht besser!

Ist der Computer die Vollendung der Schöpfung? Können wir wirklich "fast selbstverständlich das Vakuum, das der Tod Gottes in der Welt hinterlassen hat, mit dem Smartphone füllen"? Gehört der "selbstbestimmte Mensch der Aufklärung" auf den Abfallhaufen der digitalen Welt? Yvonne Hofstetter konfrontiert den Leser, für den Big Data sich bisher in intelligenten Haushaltsgeräten oder automatischen Jalousien erschöpfte, mit Fragen, Thesen, Prognosen und Simulationen, die diesen ratlos zurücklassen.

Der Hartnäckige

Mit dem Begriff "Leadership", wohl erstmals von John P. Kotter 1982 gebraucht, ist eine Art der Führung gemeint, die sich nicht nur auf Management beschränkt, sondern auch Visionen entfaltet und dadurch andere mitreißt. Ist der Grüne Hans-Christian Ströbele ein Politiker, den Eigenschaften auszeichnen, die ihn als "Leader" erscheinen lassen?

Wenig Visionäres zum Medienumbruch

Zum Thema "Medienumbruch und Öffentlichkeit" und der Frage, wie der digitale Wandel die öffentliche Diskussion in unserer Mediendemokratie verändert, könnte man dicke Sammelbände füllen. Man könnte versuchen, die Komplexität zu durchbrechen, indem man die ineinandergreifenden Rädchen wohlsortiert einzeln unter die Lupe nimmt. Die Herausgeber Johannes Hattler und Hans Thomas haben sich dagegen entschieden.

Das waren noch Zeiten!

"Die beiden sind der ambulante Schlachthof" – so lautete 1976 das Verdikt Gerd Bachers, des ehemaligen ORF-Intendanten und damaligen Wahlkampfberaters des CDU-Kanzlerkandidaten Helmut Kohl, über die beiden Bonner "Spiegel"-Korrespondenten Dirk Koch und Klaus Wirtgen, die in der Bundeshauptstadt am Rhein meist zu zweit auftauchten. Der Rezensent erinnert sich noch der diebischen Freude Bachers, als ihm diese Formulierung eingefallen war.

Gut gewappnet für den großen Auftritt

"Sprich kurz! Sei nicht langweilig! Emotionen sind erlaubt! Sorge für Verständlichkeit!" – In ihrem handlichen 125-Seiten-Büchlein "Medientraining" bringt Juliane Hielscher die wichtigsten Tipps für das Verhalten vor Kamera oder Mikrofon auf den Punkt. Aus ihrer Perspektive als Journalistin und Medientrainerin hat die ehemalige Moderatorin des "ZDF-Morgenmagazins" eine genaue Vorstellung davon, wie ein gelungener Presseauftritt aussieht. Und dazu braucht es offenbar einiges an Vorbereitung.

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