Reden

Was man von großen Rednern der Zeitgeschichte lernen kann

Wenn es um politische Reden geht, die im Gedächtnis haften geblieben sind, die vielleicht sogar politisch wirkungsmächtig wurden, fällt vielen Deutschen als erstes Barack Obama ein. Und natürlich John F. Kennedy. Wie aber steht es um politische Rhetorik auf Deutsch? Gibt es Reden, die sich zu Recht ins kollektive Gedächtnis gegraben haben? Die sogar politisch etwas Konkretes bewirkt haben? Und was können Redenschreiber heute noch daraus lernen?

Wie sich die Redenkultur verändert hat

In früheren Zeiten konnte es "eine gute Rede" sein, wenn der Heerführer im Morgengrauen mit erhobenem Schwert die erste Reihe seiner Heerscharen abritt, ihre Schilde als Zeichen tiefer Verbundenheit berührte und in wenigen Sätzen darlegte, dass der Feind zu besiegen und es sowieso ein guter Tag zum Sterben sei. Pathos und Ethos waren die entscheidenden Überzeugungsmittel. Sie hatten große Kraft und erzeugten starke Stimmungen.

Nicht so kompliziert, bitte!

"Denke wie ein Weiser, aber kommuniziere in der Sprache des Volkes", lautet ein Zitat des irischen Dichters William Yeats. Viel zu oft wird in der Politik aber vergessen, weise Entscheidungen einfach und verständlich zu kommunizieren. 2011 wurde im "Spiegel" ein Artikel zum Thema "Jugendfrust und Politikersprech" veröffentlicht, der die inhaltsleere und zu komplizierte Sprache der Politik anprangerte. Und, hat sich seitdem etwas verändert?

Maßgeschneiderte Texte

Eine Frage wird häufig an Redenschreiber gestellt: Wie passen Sie Ihren Stil an den eines Redners an und wie überzeugen Sie Redner, einen Redetext vorzutragen, der nicht aus ihrer Hand stammt?

Dazu drei Anmerkungen. Erstens: Die Rede gehört dem Redner und nicht dem Redenschreiber. Redner können mit dem Typoskript umgehen, wie es ihnen beliebt. Lob und Tadel des Publikums gilt der Rede, nie aber dem Redetext. Niemand würde sagen: "Die Rede war toll, aber der Redetext schlecht."

„Der präsidiale Stil von Merkel kommt gut an“

p&k: Herr Abromeit, welche Rede eines Politikers hat Sie zuletzt begeistert?


Abromeit: Oh, das ist schon ein paar Jahre her. Das war Angela Merkels Rede vor dem US-Kongress 2009, in der sie über ihre Vergangenheit in der DDR gesprochen hat. In letzter Zeit hat mich ehrlich gesagt keine Politikerrede vom Stuhl gerissen.


Ist das Niveau der politischen Reden in Deutschland also eher bescheiden?

Der Schröder-Effekt

Ein Tipp vorweg: Wer nach seiner politischen Karriere auf eine zweite als gutbezahlter Redner hinarbeitet, sollte sich Karlsruhe auf der Landkarte rot anstreichen. Ein graues Bürogebäude in der Weststadt ist eine der Top-Adressen des deutschen Rednermarkts. Hier sitzt das „London Speaker Bureau“ – prominente Klienten: Joschka Fischer, Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt. Ob einer dieser ergrauten Polit-Altstars dem kargen Agentursitz je einen Besuch abgestattet hat, ist nicht verbrieft.

„Man muss dauerhaft präsent sein“

p&k: Wie ist der Rednermarkt in Deutschland strukturiert?
Scherer: In Deutschland gibt es ungefähr um die 400.000 Trainer, Berater und Coaches. Dem gegenüber steht eine sehr kleine Zahl von professionellen Rednern, ungefähr 200 bis 300. Die Zahl der Veranstaltungen ist schwer zu schätzen. Experten gehen aber von zirka 100.000 Events jährlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Das heißt also, dass die Nachfrage nach Rednern wesentlich höher ist als das Angebot.
Warum gibt es dieses Ungleichgewicht?

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