Rede

Was macht eine gute Rede aus?

Der Bundestag lädt zur Debatte – und keiner schaut hin. Das hat einen Grund: Zu viel Rhetorik und zu wenig Debatte. Goethe schrieb von zwei Seelen in Fausts Brust. Im Bundestag hätte er Faust beide Seelen aufs Rednerpult legen lassen. Denn wichtige Entscheidungen brauchen Abwägungen. Zurzeit sehen die Leute jedoch, dass Pro und Contra hinter den Kulissen gewogen werden – mit scheinbar alternativlosem Ergebnis. Aber wer heimlich wägt, lädt zu Misstrauen ein. Nur wer öffentlich wägt, kann die Leute mitnehmen und sie zu Mitstreitern machen.
 

Rhetorikcheck: Norbert Röttgen

"Finale in Brüssel – Letzter Akt im griechischen Drama?" Anne Will (ARD) fragt nach. Zunächst bei Rolf-Dieter Krause, der live als Korrespondent aus Brüssel zugeschaltet ist. Dann folgt ein Einspieler mit Twittermeldungen des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, der die Zurückweisung griechischer Sparvorschläge als ungerecht ansieht.

Rhetorikcheck: Katrin Göring-Eckardt

Katrin Göring-Eckardt ist wütend. Doch die Wut der Grünen-Fraktionschefin ist nicht laut oder aufbrausend. Sie ist ernst und sehr eindringlich – hörbar gleich zu Beginn: "Vor eineinhalb Jahren // sind schon einmal // mehrere Hundert Flüchtlinge ertrunken // vor Lampedusa." Bemerkenswert lange Pausen und ein ernster Ton setzen jene Erinnerungsbilder frei, die wir aus den Nachrichten kennen und die nur schwer zu ertragen sind: "Ganz Europa // ist damals auf die kleine Insel gepilgert // und es gab Versprechen und Schwüre, // dass das nie wieder // passieren dürfe.

Rhetorikcheck: Oliver Krischer

Endlich. Kurz vor Jahresende spricht Oliver Krischer (Bündnis90/Die Grünen) im Bundestag aus, was viele denken: Die Maut ist absurd. Sie ist unseriös, bringt keine zusätzlichen Einnahmen und schadet sogar, weil Nachbarländer dem Modell folgen werden. Doch der Reihe nach. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat 2013 als Generalsekretär seiner Partei zum Wahlsieg verholfen. Das geht am besten, indem man die ländlichen Gebiete Bayerns für sich gewinnt.

Rhetorikcheck: Ole Schröder

Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg (Die Grünen) eröffnet die Aussprache über eine Ausweitung der Aufnahme von syrischen und irakischen Flüchtlingen mit einer schlechten Nachricht: Das Welternährungsprogramm muss seine Hilfe für die syrischen Flüchtlinge einstellen. Als Ole Schröder (CDU) ans Rednerpult tritt, können sich die Nerven wieder etwas beruhigen – als parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Inneren kennt er die Zahlen, Daten und Fakten über Asyl- und Hilfesuchende ganz genau – besonders jene über Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak.

Rhetorikcheck: Cem Özdemir

Am dritten Jahrestag der Aufdeckung der NSU-Verbrechen herrscht im Deutschen Bundestag breiter Konsens: Schrecken und Anteilnahme; der Wille zum "Dranbleiben", wie Eva Högl (SPD) es formuliert, eint die Abgeordneten. Der vierte Redner in der Debatte ist Cem Özdemir. Welche Akzente wird der Bundesvorsitzende der Grünen setzen?

Die Flinke

Schwarz-weiß ist das Foto, an den Ecken schon etwas vergilbt: Es zeigt Kohl und Genscher nebeneinander auf der Regierungsbank, Oppositionsführer Hans-Jürgen Vogel mit erhobener Hand am Rednerpult. Davor an einem halbrunden Tisch: drei Männer und eine Frau, emsig schreibend.

Rhetorikcheck: Johanna Wanka

Wer Bundestagsreden kennt, der weiß, wie häufig die Abgeordneten das frei gesprochene Wort scheuen. Dabei gibt es keinen wichtigeren Ort für die freie Rede als den Bundestag. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) beherrscht den freien Vortrag und geht souverän und ohne Manuskript an das Rednerpult.

Rhetorikcheck: Andreas Scheuer

Natürlich ist ein Talk-Show-Auftritt bei "Maybrit Illner" keine Bundestagsdebatte. Doch gerade in der Diskussion, im Wettstreit der Meinungen vor laufender Kamera, haben sich in der Vergangenheit Politiker ein klares Profil gegeben und sind in das kollektive Fernsehgedächtnis eingebrannt. Unvergesslich: Gerhard Schröder in der Elefantenrunde nach der verlorenen Wahl 2005 mit seiner patzigen Frage: "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gespräch einginge, indem sie (Frau Merkel) sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden?"

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