Postfaktisch

Die Psychologie des Postfaktischen

Es ist bei weitem nicht so, dass 2016 Wähler erstmals emotionale, nicht an rationalen Fakten ausgerichtete Wahlentscheidungen getroffen hätten. Nur ein Beispiel: 2011 fuhren die Grünen aufgrund der Atomkatastrophe in Japan einen unerwartet hohen Sieg bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg ein. Der Slogan "Fukushima ist überall – Atomausstieg jetzt" – funktionierte, weil er die Ängste der Menschen aufgriff. Objektiv betrachtet war die Situation mit deutschen Atomkraftwerken aber nicht vergleichbar.

Sieb- und stichfest

"Lügende Medien berichten über lügende Politiker" – so lässt sich das Weltbild einer wachsenden Gruppe von Menschen zusammenfassen. Die Dramatik der Situation aber ist vielen Adressaten offenbar nicht klar. Ja, wir stehen noch nicht am Abgrund: Laut einer repräsentativen Studie des Bayerischen Rundfunks (März 2016) halten drei Viertel der Befragten die Öffentlich-Rechtlichen und Tageszeitungen für glaubwürdig. Wahr ist aber auch: 60 Prozent der Leute denken, dass die Medien von Regierung und Parteien bevormundet und unerwünschte Meinungen ausgeblendet werden.

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