Populismus

Der Ton verschärft sich

Nach dem Amtsantritt des neuen brasilianischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro mag sich mancher Beobachter fast nach dem politisch-medialen Vorgehen von US-Präsident Donald Trump gesehnt haben – denn Rhetorik und Medienstrategie des frisch gewählten rechtspopulistischen Staatsoberhaupts in Brasilia erreichen seit Januar ganz neue Dimensionen.

Populisten im Informationskrieg

Anfang des Jahres kündigte Alice Weidel an, dass die Bundestagsfraktion der AfD ihre PR-Arbeit bald mit 20 Mitarbeitern im 24-Stunden-Schichtbetrieb organisieren wolle. Personell entspräche das dem Doppelten dessen, was die Presse­stelle der SPD- oder der Unionsbundestagsfraktion derzeit aufbietet. Bei der Skizzierung ihrer Pläne verwendete Weidel bewusst Begriffe, die dem Journalismus entlehnt sind, wie "Newsroom" und "TV-­Studio".

"Politikverächter sind die Krisengewinner"

Die Situation im bayerischen Wahlkampf hat sich zugespitzt: Die CSU verliert in den Umfragen weiter an Zustimmung, die SPD kann davon überhaupt nicht profitieren, während die AfD immer stärker wird. Was nun, CSU? Karl-Rudolf Korte, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen und Direktor der NRW School of Governance, im Gespräch über den neuen Extremismus der Mitte.

Was uns die Psychologie des Populismus lehrt

Wann immer wir mit Menschen in Kontakt treten, gibt es eine Inhalts- und eine Beziehungsebene. Die Beziehungsebene übermittelt Informationen wie zum Beispiel "ich nehme dich ernst", wenn uns jemand zuhört, "ich interessiere mich für dich", wenn uns eine Frage gestellt wird oder "ich schätze Meinungsvielfalt", wenn jemand sachlich mit uns diskutiert. Auf der Beziehungsebene wird Sicherheit hergestellt. Denken wir daran, welchen Unterschied es macht, ob wir jemandem vertrauen oder nicht: Was teilen wir mit unserem Gegenüber und was nicht?

Die europäische Politik "trumpetisiert" sich

Nach dem Brexit-Schock und den Kampagnen der Populisten mit dem Motto "EU – nein, danke!" stellt sich die Frage, was in Europa seit einiger Zeit schiefläuft. Dafür sorgen zwei Themen: die neue Dimension von Immigration durch die Flüchtlingskrise sowie eine erhöhte Terrorgefahr. Die jüngsten Anschläge mit einem außergewöhnlichen Symbolwert haben nicht nur in Frankreich und Deutschland die Bevölkerung verunsichert. Die Stunde der Populisten schlägt.

Der Populismus an sich ist kein Gegner

Eigentlich müsste das Unwort des Jahres "Populismus" heißen, denn kaum ein anderer Begriff musste in der Öffentlichkeit für so viele unterschiedliche Situationen herhalten und wurde als Vorwurf oder Drohung verwendet, ohne dass man sich über seine Bedeutung geeinigt hätte. Einig ist sich der Qualitätsjournalismus und die liberale westliche Politik nur darüber, dass man geschlossen gegen den Populismus vorgehen müsse, weil er die Demokratie gefährde und die Gesellschaft spalte. Damit hat jedoch ein Kampf gegen Windmühlen begonnen.

Evitas Affäre mit dem Volk

Es ist Nacht geworden über Buenos Aires am 22. August 1951. Scheinwerfer gleiten über die Menge, eine Million Menschen, gratis von der Staatsbahn herbeigekarrt. Mobilisiert hat sie der Gewerkschaftsbund CGT. Die Medien plärren seit Wochen von der Versammlung auf der Prachtstraße der Stadt. 25 Meter lang wölben sich die Lettern "Perón – Eva Perón" über die haushohe Tribüne. "La fórmula de la patria", verheißt ein Spruchband. Präsident und Gattin blicken von Porträts über die größte Jubelmenge aller Zeiten, die Juan Perón zur Wiederwahl ausrufen soll.

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