Politik

Drei Bücher, die in jeden Koffer passen

Erhellend

Unsere Emotionen sind lebenswichtige Navigationsinstrumente. Unfehlbar ist unsere "Standardeinstellung" aber nicht. Das kluge Buch des "Zeit"-Redakteurs Ulrich Schnabel ermöglicht, das eigene Fühlen aus einer Distanz heraus zu betrachten. Schnabel untersucht unter anderem, ob Gefühle universell sind und welche emotionalen Leistungen moderne Jobs erfordern – auf wissenschaftliche, unterhaltsame und gut verständliche Art. Eine Lektüre, die Freude macht. (ahü)

Die Stunde der Populisten

Lange hatte man von den "Angstbürgern" nichts mehr gehört, aber nun werden sie wieder herbeigeschrieben. Den Deutschen wird eine Mischung aus Angstanfälligkeit und Überheblichkeit attestiert – ein Volk von Romantikern, dem es an Maß und Mitte fehle. Die "German Angst" sei ein typisch deutsches, tief in unseren Genen verankertes Phänomen.

Wir wissen, wie du fühlst

Stellen Sie sich vor, unser Magazin könnte Sie lesen. Unsichtbare Sensoren tasten Ihre Gesichtszüge ab und messen den Hautwiderstand Ihrer Finger, während Sie weiterscrollen. Sofort würde unserer Redaktion gemeldet, ob Sie gerade interessiert oder gelangweilt sind. Ob Sie unser Layout ansprechend finden, auf welcher Zeile Ihr Blick am längsten verweilt.

Ganz anders als die eigenen Väter

Die neuen Väter schafften es Ende 2015 auf den "Spiegel"-Titel. Mit der üblichen Schnoddrigkeit stellte das Magazin die rhetorische Frage, ob Väter die besseren Mütter sind. Eine die beeindruckenden Veränderungen treffendere Überschrift hatte zwei Monate zuvor ein anderes Leitmedium, die "Welt am Sonntag", gewählt, als sie ebenfalls mit dem Thema aufmachte. "Erst das Kind macht den Mann" hatte die Sonntagszeitung getitelt und damit die neuen Verhältnisse auf den Punkt gebracht. Tatsächlich ist deutschlandweit zu beobachten, wie aus einem Trend ein Mainstream wird.

Lasst auch mal Tränen zu!

Mein Freund weinte, als er seine Tochter in die Arme nahm. Sie war sieben Wochen zuvor in Berlin zur Welt gekommen. Er hatte sie drei lange Wochen nicht mehr gesehen. 800 Kilometer hatte er mit dem Auto in zwölf Stunden zurückgelegt, bei 37 Grad Celsius im Stau, die letzten 100 Kilometer durch die engen Täler Tirols. Es brach aus ihm heraus, als er in die weit geöffneten Augen blickte. Eine Eruption von Emotionen. Tränen kullerten über seine Wangen. Schluchzend drückte er das Baby an seine Brust.

Psychogramm einer Kanzlerin

Ein Mittwoch im Mai 1995. Kabinettssitzung im Bonner Kanzleramt. Helmut Kohl ist sauer. Angela Merkel hat einen Plan mitgebracht. Sie will dem alljährlichen Sommersmog in jenen Jahren mit Fahrverboten begegnen. Die Pläne sind nicht abgestimmt. Kohl wird unwirsch, faltet Merkel zusammen. Andere Kabinettsmitglieder legen nach. Merkel kommen die Tränen, wird verstockt, will unbedingt Recht behalten, unbedingt das Richtige tun. Die Gefühle gehen mit Merkel durch. Kohl bremst sie aus. Es ist die erste heftige Niederlage von Kohls ­Mädchen.

Nur Mut zum Bauchgefühl!

Spitzenpolitiker sind umgeben von vermeintlich klugen Köpfen, Ratgebern, Beiräten und Analysten. Wer regiert, kann sich eines breiten Instrumentariums bedienen, durch das er sich bei der Entscheidungsfindung beraten lässt. Doch manchmal gibt es Situationen, in denen all das nicht weiterhilft – wenn nur ein kurzes Zeitfenster für eine Entscheidung offensteht oder ein Kurswechsel mit unabsehbaren Folgen notwendig ist. Wenn in den Nebelschwaden zahlenbasierte Rationalität nicht möglich ist und Intuition den besseren Kompass darstellt.

Entblökt Euch!

Eigentlich sollte es in dieser Kolumne darum gehen, dass zu viele Politiker ihre Worte in Hülsen kleiden. Ohne Aussage. Ohne Emotion. Das war einmal. Zwischen dem ersten Brainstorming zu dieser Ausgabe und dem Redaktionsschluss ist etwas passiert. Politikersprech? Beinahe wünscht man ihn sich zurück! Denn der Trend, der sich seit Monaten schleichend, seit dem Jahreswechsel noch deutlicher abzeichnet, ist viel gravierender als ein paar Floskeln: Das Pöbeln ist salonfähig geworden. Ob in der digitalen oder analogen Welt: Es wird geschimpft, gekeift, geblökt.

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