Politik

Sind die Grünen die wahre liberale Partei, Herr Schlauch?

Herr Schlauch, Sie haben im Kampf um Europa und seine Ideale eine stärkere Debatte gefordert. Glauben Sie, dass nach dem Abgang von Angela Merkel hier mehr möglich sein wird?

Naja, ich würde diese Zurückhaltung Deutschlands in der europäischen Frage nicht nur Angela Merkel ins Wachs drücken. Sie hat lange, ganz lange gebraucht, um die Dimension Europa einigermaßen adäquat aufzunehmen. Aber sie hat sie dann auch aufgenommen. Das muss man ihr schon zugutehalten.

Woran machen Sie das fest?

Wahlumfragen sind keine Wahrsagerei

Es war ein Katastrophenjahr für Umfragen: 2016 stimmte erst die Mehrheit der Briten für den Ausstieg aus der EU, ein paar Monate später stimmten die Wahlmänner und -frauen für Donald Trump als Präsidenten der Vereinigten Staaten. Viele Politiker und Politikbeobachter haben die Entscheidungen kalt erwischt. Hieß es nicht, dass Clinton zu 70, 80 oder gar 90 Prozent gewinnen werde? Es kam anders.

Aktives Zuhören als Mittel der politischen Kommunikation

Das Konzept des aktiven Zuhörens wurde durch den US-amerikanischen Psychologen Carl Rogers geprägt. Es beschreibt das Zuhören als eine Form der Empathie, die einen proaktiven Charakter hat. Der Zuhörer wird dabei vom reinen Informationsempfänger zum Akteur. So kann er der Gegenseite Verständnis entgegen bringen und eine persönliche Beziehung zu ihr aufbauen.

"Das Klima wird rauer, der Tonfall schärfer"

Herr Fuhst, Sie sind seit Januar dieses Jahres Programm­geschäftsführer von Phoenix und damit der jüngste TV-Chef des Landes. Was ist Ihr wichtigstes Ziel?

Was mein Alter betrifft, halte ich es mit Otto Rehhagel: "Es gibt keine jungen und alten Spieler, sondern nur gute und schlechte." Auch als Medienmacher wird man am Ende an den Ergebnissen gemessen. Wir müssen uns weiterentwickeln, damit wir in der veränderten Medienwelt relevant bleiben und wiedergefunden werden, sowohl im Line­aren als auch im Digitalen.

Manchmal kommt es darauf an, Erster zu sein

Hätte man es kommen sehen können? Zwei Jahre lang hatten sich die UN-­Mitgliedsstaaten ausgetauscht, sechs Monate lang verhandelt. Im vergangenen Juli war das Papier fertig. Doch dann, wenige Wochen vor der Unterzeichnung, ging plötzlich eine Welle des Erstaunens durch die Medien: "Liebe Bundesregierung, warum sprechen Sie mit uns Bürgern nicht über den UN-Migrationspakt?", fragte der "Stern". Und der "Tagesspiegel" sprach von einem "Kommunikationsdesaster".

Die Generation Y gelangt an die Schalthebel

Kaum ein Anblick führt den Beginn des neuen Kapitels besser vor Augen als die allgegenwärtige gute Laune der 33-jährigen bayerischen Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze im zurückliegenden Landtagswahlkampf, deren Beliebtheitswerte maßgeblich zur Verdopplung des Wahlergebnisses ihrer Partei beitrugen. Mit ihrer Offenheit erschloss Schulze bei der Landtagswahl den Grünen der Ära Habeck/Baerbock auch im CSU-Stammland neue Wählerschichten, die einstige Grabenkämpfer und Prinzipienreiter ihrer Partei niemals erreichten.

Gut, dass Sie fragen

Oft erblickt eine Nach­richt auf folgendem Weg das Licht der Welt: Politiker X spricht einen O-Ton in irgendein Mikrofon, alternativ wird das Zitat via Twitter gestreut oder als Pressemitteilung verschickt, woraufhin ein Journalist daraus eine Meldung macht.

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