Politik

"Manche Dinge lassen sich nicht in 280 Zeichen packen"

Was hat Sie im vergangenen Jahr in der politischen Kommunikation besonders bewegt?

Annalena Baerbock: Mich hat bewegt, wie viele Menschen in diesem Jahr auf die Straße gegangen sind, um dieses Land zusammenzuhalten, aber auch um deutlich zu machen, dass wir beim Klimaschutz endlich handeln müssen. Allerdings haben wir auf der anderen Seite auch erlebt, wie sehr Sprache Hass schüren kann.

Parteiarbeit muss für Frauen attraktiver gestaltet werden

In dieser Legislaturperiode des Bundestags ist der Frauenanteil auf 31 Prozent gefallen. So niedrig war er zuletzt nach der Bundestagswahl 1998. Vor diesem Hintergrund findet die Forderung nach einem Paritätsgesetz für Parlamente, wie es jüngst im Brandenburger Landtag beschlossen wurde, zunehmend Anhänger – längst nicht mehr nur in linksliberaler Öffentlichkeit, sondern auch weit in das christdemokratische Milieu hinein.

Schluss mit den Phrasen!

Wenn Politiker reden, sind Phrasen nicht weit. Sie versprechen nach einer unangenehmen Affäre "schonungslose Aufklärung", wollen das Desaster nach einer Wahlniederlage "schonungslos aufarbeiten". Sie wollen "die Zukunft gestalten" und gehen nach langem Hin und Her schließlich doch ein "belastbares Bündnis" mit der Konkurrenzpartei ein, um "substanzielle Ergebnisse" für die "kleinen Leute" zu erreichen.

Einflussreiche Deutsche in Brüssel

Für die Europäische Union ist 2019 ein besonderes Jahr. Gleich drei wichtige Ämter werden im Herbst neu besetzt. Für Donald Tusk, den streitlustigen Ratspräsidenten, wird ebenso ein Nachfolger gesucht wie für Mario Draghi, den umstrittenen Chef der Europäischen Zentralbank. Gegen Ende des Jahres wird zudem Jean-Claude Juncker abgelöst, der amtsmüde Präsident der Europäischen Kommission. 

Das Ende der Parteien?

War das eine Klatsche am 14. Oktober in Bayern und am 28. Oktober in Hessen für die "großen" Volksparteien: In beiden Ländern verloren sie jeweils mehr als 10 Prozentpunkte. Der Blick auf die Prozent­angaben verdeutlicht erst recht den Einbruch: Die SPD büßte in Bayern mehr als 50 Prozent ein, in Hessen fast 40, die CDU in Hessen mehr als 30, die CSU in Bayern mehr als 20. Und bei den Bundestagswahlen 2017 hatten die beiden großen Parteien jeweils Verluste in Höhe von 20 Prozent hinnehmen müssen.

Alte, hört den Jungen zu!

Ohne die Alten ist in Deutschland kein Staat mehr zu machen. Jeder zweite Wahl­berechtigte ist älter als 52 Jahre. Bald wird die Mehrheit der Wähler über 60 sein. Die Parteien reagieren darauf und machen ihre politischen Prioritäten seniorentauglich. Harald Schmidt brachte das in seinen "Handreichungen für die Politkarriere" schon 2013 auf den Punkt: "Rentner, Rentner, Rentner. Größte Wählergruppe, finanzstark, staatstreu. Vergessen Sie moderne junge Frauen in Großstädten. Überschaubare Anzahl, wählen sowieso Grün."

"Die Glaubwürdigkeit der CDU beruht auf dem Bekenntnis zu ihren Wurzeln"

Herr Vogel, Sie sind bis heute der einzige Politiker, der es in zwei Bundesländern zum Ministerpräsidenten gebracht hat. Wie schafft man das?

Dieses Alleinstellungsmerkmal ist nicht mein Verdienst. Es ist einer besonderen Situation nach der friedlichen Revolution in der DDR zu verdanken. Ich hoffe, dass sich eine solche Situation nie wiederholen wird und ich diesbezüglich ein Unikat bleibe.

Sie hatten ein bewegtes Politikerleben. Was war eigentlich Ihr schönster Erfolg?

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