Politik

Wenn ­Algorithmen ­Meinung machen

Wenige Einsatzfelder Künstlicher Intelligenz (KI) werden derzeit so kontrovers diskutiert wie der Bereich der politischen Kommunikation. Science-Fiction-Filme haben uns das Bild autonomer Maschinen eingebrannt, die die Herrschaft über die Menschheit übernehmen. In seinem Zukunftsroman "Der Würfel" beschreibt Bijan Moini, wie eine von menschlicher Beeinflussung unabhängige Intelligenz auf demokratischem Weg die Macht in Deutschland übernimmt und die Menschen in ein gesellschaftskonformes Verhalten drängt.

So kämpfen wir um Stimmen

"Ins Internet und an die Türen"

von Erik Stohn, Generalsekretär SPD ­Brandenburg

Wenn der Tag immer länger wird und die Zeit immer kürzer, dann ist Wahlkampf. Es ist die alle paar Jahre wiederkehrende Zeit, in der Politik und Kommunikation zu einer wunderbaren Beziehung verschmelzen und unser Wahlkampfteam in ihren Bann ziehen.

Und ewig lockt der Wandel

Kaum eine wichtige Politikerbotschaft kommt ohne das magische Wort aus: Ob Angela Merkel "Offenheit gegenüber dem Wandel" fordert, Christian Lindner anmahnt, dass ein "Weiter so" in Zeiten des Wandels gefährlich sei oder Hubertus Heil die Bedeutung von "Sicherheit in Zeiten des Wandels" hervorhebt – alle wollen beim Bürger zwei wahlentscheidende Stellen ansprechen: den Kopf und zugleich das Bauchgefühl, dass in zentralen Lebensbereichen der Menschen von Arbeitswelt bis Kommunikation, von individueller Lebensgestaltung bis weltweiter Sicherheit so ziemlich alles im

Newsrooms: Notwendig oder nicht?

Schon lange vor Rezo war klar: Die Kommunika­tions­arbeit der Parteien muss sich verändern. Die Kanäle, die sie bespielen, sind immer zahlreicher geworden. Um die Themen über alle Plattformen hinweg zu koordinieren, haben einige Parteien Newsrooms eingerichtet, zuletzt CDU und CSU und die Fraktionen von CDU/CSU und SPD.

"Die alte Geheimnis­kultur ist heute nicht mehr ­möglich"

Wie definieren Sie Vertraulichkeit?

Vertraulichkeit bringt zum Ausdruck, dass jemand bei der Übermittlung von zumeist diskreten Nachrichten Vertrauen zu seinem Gegenüber gefasst hat. Vertraulichkeit zu wahren ist eine Verhaltensweise, eine Tugend. Sie ist aber kein Wert an sich – im Gegensatz zu Vertrauen.

Was heißt das mit Blick auf die Politik?

Zwischen Politik und Presse ist vieles Vertrauenssache

Es ist mehr als 15 Jahre her, dass ich gemeinsam mit einem Kollegen vom "Kölner Stadt-Anzeiger" eine sozialdemokratische Ministerin des damals rot-grünen Kabinetts interviewte. Das Gespräch war nicht besonders ergiebig. Wir versuchten jedoch, beim Redigieren das Beste daraus zu machen. Und dann warteten wir. Ja, wir warteten zum Nervöswerden lange – bis eine halbe Stunde vor Redaktionsschluss endlich der Text eintraf, bei dessen Anblick wir unseren Augen nicht trauten. Denn die Ministerin, ihre Pressestelle oder beide hatten keinen Stein auf dem anderen gelassen.

Spezialisten für alles

Einem Parteivorsitzenden, Ministerpräsidenten oder Bundesminister, geschweige denn einer Kanzlerin oder einem Bundespräsidenten widerspricht man nicht. Wer einmal erlebt hat, wie devot und alle Wünsche vorausahnend die Entourage eines Spitzenpolitikers diesem gegenüber häufig auftritt, der ahnt, dass dieses Verhalten langfristig zu einem Problem werden kann. Sicher ist es in den ersten Monaten traumhaft, wenn einen niemals jemand kritisiert. Aber dann?

Wie wir politische Diskussionen im Netz wieder erträglich machen

Meinungsblasen prägen den gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland. Das Phänomen ist nicht neu. Schon immer wurden Menschen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Ansichten und politischen Überzeugung durch ihr soziales Umfeld beeinflusst. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass mediale und technologische Entwicklungen diesen Trend beschleunigen und bestehende Abgrenzungen verfestigen. Die meisten Algorithmen sind so konzipiert, kognitive Dissonanzen zu vermeiden.

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