Politik

Mut zum Kontrollverlust

Mit diesen 108 Zeichen begann am 3. Mai 2011 die Twitter-Zeitrechnung der deutschen Bundesministerien: "Ab sofort gibt es das Neueste aus dem Auswärtigen Amt auch über Twitter. Folgen Sie uns auf @AuswaertigesAmt". Unter Außenminister Guido Westerwelle (FDP) eröffnete das Auswärtige Amt damals als erstes der Bundesministerien einen Account bei dem Mikrobloggingdienst. Mehr als drei Jahre und tausende Tweets später twittern inzwischen elf der vierzehn Ministerien.

Plädoyer für mehr Weitsicht

Die Politik ist älter, als uns die moderne Politikwissenschaft glauben machen möchte. Die Lehrpläne der Politologen begnügen sich heute mit einer historischen Tiefe, die bis auf den Anfang neuzeitlicher Staatstheorien bei Hobbes und Locke zurückgeht und allenfalls noch Machiavelli einbezieht. Dieser Kurzsichtigkeit entgehen gut viertausend Jahre bereits vorangegangener, politischer Geschichte.

Run, Warren, Run

"I’m the democratic wing of the Democratic party" wird dem progressiven Hoffnungsträger im demokratischen Vorwahlkampf 2004, Howard Dean, zugeschrieben. Elf Jahre später sind viele der damaligen jungen Mitarbeiter von Dean in führenden Positionen demokratischer Beratungsfirmen. Sie haben die Hoffnung auf eine fortschrittlichere Partei dennoch nicht aufgegeben, bloß die Trägerin ist neu. Heute tragen sie T-Shirts mit der Aufschrift: "I’m the Elizabeth Warren wing of the Democratic Party".

Smarte Partizipation?!

Mehr als 80 Prozent der Deutschen wünschen sich mehr Mitsprachemöglichkeiten in politischen Entscheidungsprozessen. Zivilgesellschaftliche Initiativen auf lokaler Ebene, Bürgerbewegungen und der steigende Einfluss von Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind nur einige Beispiele für den immer deutlicher wahrnehmbaren Wunsch, gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Mittlerweile sind in Publikationen der Bertelsmann Stiftung mehr als hundert Bürgerbeteiligungsformate verzeichnet.

Das Vertrauen schwindet

Die deutsche Bevölkerung wird zunehmend skeptischer. Laut der Vertrauensstudie der Agentur Edelman, dem Trust Barometer, sinkt das Vertrauen der Menschen sowohl in Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen als auch in die Medien. Lediglich die deutsche Regierung legt in puncto Vertrauen etwas zu.

Rhetorikcheck: Julia Klöckner

Julia Klöckner bekommt bei "Maybrit Illner" schnell ihren ersten Applaus. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende spricht beim Thema "Mord im Namen Allahs – woher kommen Hass und Terror?" über organisierte Rekrutierung, über junge Männer, die eine Ich-Störung haben und denen versprochen wird, dass sie Teil einer großen Geschichte werden: "Das Ergebnis ist dann, wenn man radikalisiert wird, dass man den Glauben über die Rechtsordnung stellt. Das ist das, was wir alle nicht wollen!" Das Publikum nickt und applaudiert.

Mit Fotokalender zum Public-Affairs-Job

Wer sich aus der Bewerberflut abheben will, muss kreativ werden. Diese Erfahrung machte der Politologe Alexander Hauk, der einen Job in der politischen Kommunikation oder als Pressesprecher sucht. Deshalb greift der der 39-Jährige zu ungewöhnlichen Mitteln: Er legt Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen einen selbst produzierten Wandkalender bei. Darin tritt Hauk als "Protestonaut" auf – also als Astronaut, der zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung bezieht.

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