Medien

Der Kandidat muss zur Marke werden

Für einen Politiker ist und bleibt die wahlberechtigte Bevölkerung wichtigster Adressat der Kommunikation, für Kandidaten der direkteste Kontakt. Das Gespräch mit den Bürgern im Wahlkreis ist somit wichtigste Voraussetzung für den Erfolg in einer virtueller werdenden Welt. Trotz fortschreitender Digitalisierung des Dialogs, wird das Bürgergespräch dem Statusupdate nicht weichen. Gespräche zwischen Volksvertreter und Bürger sind Bestandteil der kommunikativen Verbindung zwischen den Menschen.

Alleskönner Wahlplakat

Mit Facebook-Auftritt, Website, Twitter, einem Internetfernsehkanal, einer digitalen Zeitung lässt sich eine eigene kleine Medienwelt aufbauen, ein sicherer Raum für Anhänger schaffen. Hier kann das Weltbild verfestigt werden, ohne viele Gegenargumente zu hören. Hat man eine starke Botschaft, ist auch der Mangel an Kontrolle von Kampagnen im Web nicht das Problem. Gerade Oppositionsparteien können hier experimentierfreudig sein.

Von Massenmedien zu Medienmassen

Von der Information über Involvement bis zur Mobilisierung – wer heute Wähler gewinnen will, muss die neuen Medien (nicht nur im Wahlkampf!) in die Gesamtstrategie einbeziehen. Während die klassischen Massenmedien dadurch gekennzeichnet waren und sind, dass einige Wenige Nachrichten für Viele gemacht haben und machen, führt der Mediennutzungswandel über das Internet heute dazu, dass aus Massenmedien gleichsam Medienmassen werden.

Ohne Emotionen geht es nicht

Bei der Festlegung einer Wahlkampfstrategie gilt es, verschiedene Betrachtungsweisen in Einklang zu bringen. Das politische Thema, das zur Abstimmung gestellt wird, muss mehrheitsfähig sein. Es muss sich von den Mitbewerbern abgrenzen und es muss glaubwürdig sein, Positionen vertreten, die eine Partei mit Kompetenz untermauern kann. Dazu reicht die Innensicht der Partei nicht aus. Für Wahlkämpfer ist es daher von größter Bedeutung, sich bei strategischen Aufgabenstellungen auch immer wieder von ihrer Selbsteinschätzung und ihren Erfahrungshorizonten zu lösen.

Wahlkampf ist immer

In fast allen Märkten sind heute annähernd gleichartige oder gleichwertige Angebote die Regel. Verdrängungswettbewerb ist Standard geworden. Wahlkämpfe und Marktbearbeitung unterscheiden sich dabei auf den ersten Blick kaum. Denn in beiden Fällen geht es um das gleiche Ziel: Meinungen sollen vertieft oder verändert werden. Neue Verhaltensweisen sollen angeregt oder bewährte bestätigt werden. Trends sind zu schaffen, zu stabilisieren – oder zu brechen. Klimawechsel sollen ausgelöst werden. Massen sind zu motivieren und bestenfalls zu mobilisieren.

Die Weltbühne

[no-lexicon]Der Artikel kommt für Gerhard Schröder zur Unzeit. Eine Londoner Zeitung hat gedruckt, was man sich im politischen Berlin nur hinter vorgehaltener Hand erzählt: Der Kanzler habe eine Affäre mit einer Journalistin. Ausgerechnet jetzt steht seine Neujahrspressekonferenz an. Eigentlich wollte er über Wichtigeres reden: Die UNO hat eine zweite Resolution zum Irak verabschiedet und Sigmar Gabriel fordert in Niedersachsen die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Opfer auf allen Seiten

Selbst wenn manche Gerichtshows ein anderes Bild vermitteln: die Rechtsprechung hängt nicht von Sympathien, dem Einkommen oder der öffentlichen Meinung ab. Genau das sollten Medienberichterstatter eigentlich wissen. Doch im aufgeheizten Politikbetrieb fallen immer mehr Journalisten weniger durch Haltung und eigene Enthüllungen auf. Stattdessen werden sie zu Jägern und Vollstreckern auf dem Boulevard. Die Talkshows beteiligen sich daran, Personen des öffentlichen Lebens an den Pranger zu stellen.

„Kritischer geworden“

p&k: Herr Deppendorf, wie haben Sie die „ZDF-Affäre“ um den ehemaligen CSU-Sprecher Hans Michael Strepp wahrgenommen?
Ulrich Deppendorf: Der Vorfall hat mich überrascht, weil es ungewöhnlich ist, dass sich ein Parteisprecher im Vorfeld meldet, um eine Berichterstattung über eine andere Partei zu verhindern. Das hat es bisher so nicht gegeben. Zudem kannten wir Strepp als jemanden, der deutlich seine Meinung sagt, nicht jedoch als Hardliner oder Pusher.

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