Macht

Wie Merkels Vermittler Bündnisse schmiedet

In solchen Momenten blüht Peter Altmaier auf. Als Mitte August auf seiner Sommerreise vor einem Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen einige Bauern mit selbstgemalten Plakaten gegen eine neue Stromleitung über ihre Äcker protestieren, stürmt der Wirtschaftsminister sofort auf sie zu. Altmaier schnauft einmal durch, hört geduldig hin, was die Landwirte zu sagen haben. Seine Gastgeber vom Netzbetreiber Amprion müssen warten. Altmaier stellt Nachfragen, nickt. Konkrete Zusagen macht er den Landwirten, die vor allem höhere Entschädigungen fordern, nicht.

Warum die FDP nach Lindners Pfeife tanzt

FDP-Chef Christian Lindner muss auf dem Parteitag im Mai in dieser für ihn so heiklen Debatte über seine Russland-­Politik gar nicht selbst eingreifen. Er kann still genießen, weil so viele andere in seinem Sinne reden. Parteivize Wolfgang Kubicki hatte Lindners Haltung gegenüber Russland infrage gestellt, die Delegierten sollen nun klären, wessen Wort mehr Gewicht hat. Das ist alles andere als trivial, denn der Scharfdenker aus dem Norden ist zweitwichtigster Mann der FDP. 

Was sich aus dem Kaffeesatz der Macht herauslesen lässt

Es geschah am 14. März: Mit der Ernennung des neuen Bundeskabinetts fiel der Startschuss für viele personelle Veränderungen in der zweiten und dritten Reihe der neuen Regierung und ihres Apparats. In den vergangenen Monaten hat sich die Macht in Berlin-Mitte neu aufgestellt, und in vielen dieser Personalien lässt sich etwas über die Akteure ablesen – einschließlich ihrer mehr oder weniger vorhandenen langfristigen Pläne.

Das Machtsystem Gauland

Alexander Gauland hat seine Rede beendet, die Parteimitglieder jubeln, pfeifen und rufen seinen Namen. Auf dem Podium kommt Parteichefin Frauke Petry als Erste auf ihn zu. Sie will ihm gratulieren, höflichkeitshalber. Doch Gauland beugt sich herunter und küsst ihr formvollendet die Hand. Eine vergiftete Geste. Es ist der Parteitag in Köln, April 2017, die AfD hat soeben Alexander Gauland und die Ökonomin Alice Weidel zu ihren Spitzenkandidaten gekürt. Petry ist mit ihren Plänen gescheitert, der Handkuss ist die finale Demütigung.

Xi Jinping hat ein neues Machtniveau erreicht

Für diejenigen von uns, die die chinesische Politik von außen verfolgen, ist es oft schwierig oder sogar unmöglich, die Dinge in klarem Licht zu sehen. Denn was wir zu sehen bekommen, folgt einem akribischen Drehbuch, vergleichbar mit einer aufwändigen Bühnendramaturgie, in der die eigentliche Dramatik mit allen inneren Spannungen und Konflikten bewusst im Verborgenen gehalten wird.  
 

­Typologie der ­"Zweiten Reihe"

Auf den ersten Blick scheint es, dass niemand so rechte Freude daran haben könnte, jemandem zuzuarbeiten, der sodann mit den Leistungen seiner Mitarbeiter glänzt und sich im Blitzlichtgewitter sonnt. Denn während sich diese in öffentlicher Aufmerksamkeit baden, arbeiten sich jene bereits fleißig an den nächsten Projekten, Auftritten und Vorlagen ab. Wer macht so etwas, wenn ihm oder (besonders!) ihr keine glänzende Karriere in der ersten Reihe in Aussicht steht, keine öffentliche Anerkennung und keine lukrativen Pöstchen in diversen Aufsichtsräten?

Der Populismus an sich ist kein Gegner

Eigentlich müsste das Unwort des Jahres "Populismus" heißen, denn kaum ein anderer Begriff musste in der Öffentlichkeit für so viele unterschiedliche Situationen herhalten und wurde als Vorwurf oder Drohung verwendet, ohne dass man sich über seine Bedeutung geeinigt hätte. Einig ist sich der Qualitätsjournalismus und die liberale westliche Politik nur darüber, dass man geschlossen gegen den Populismus vorgehen müsse, weil er die Demokratie gefährde und die Gesellschaft spalte. Damit hat jedoch ein Kampf gegen Windmühlen begonnen.

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