Lobbying

"Interessenvertreter sollen selbstbewusst sein und nicht duckmäuserisch“

Herr Kropp, bis Ende Februar waren Sie fast ein Vierteljahrhundert lang als Lobbyist in Berlin, Brüssel und weltweit tätig – wie würden Sie einem Branchenfremden diese Aufgabe beschreiben?

Als Diplomat, Feuerwehrmann und Minenhund in einer Person.

Welche Erkenntnisse können Sie an die nächste Generation von Interessenvertretern weitergeben?

Wehrt euch doch endlich!

Sonntags nach dem Tatort diskutiert Fernsehdeutschland über die Themen, die das Land bewegen, nur eine wichtige Gruppe will dabei so gut wie nie zu Wort kommen: die Vorstände großer deutscher Unternehmen. Sie legen anscheinend keinen Wert auf diese Auseinandersetzung. Sie mischen sich auch sonst nur selten ein – vielleicht weil sie ahnen, welche Rolle ihnen zugedacht ist. In der öffentlichen Debatte sind sie meistens in der Defensive. Sie werden gezeigt als die, denen es nur ums Geld geht. Da scheint Schweigen noch das Beste zu sein.

Mehr Getriebene als Antreiber

Pluralität ist immanenter Wesenskern des demokratischen Prozesses. Niemand ist im Besitz einer objektiven Wahrheit. Der Kampf um die Deutungshoheit gleicht dabei selten der viel bemühten "Lobbyschlacht". Statt des Säbels und martialischer Worte sind das Florett und die hohe Kunst der Diplomatie die Waffen der Wahl.

­Reputation statt ­Paragrafen-Tetris

Wenn in den USA gewählt wird, wird in Deutschland das alte Lied von der Amerikanisierung der politischen Kommunikation gesungen: Das Mutterland des Lobbyings setze Themen und Trends und erprobe die Public-Affairs-Ins­trumente der Zukunft. Doch grelles Wahlkampfgetöse und ein übertriebener Glaube an kurzfristig bahnbrechende technologische Campaigning-Methoden verstellen den Blick auf die wirklich relevante Veränderung in der Branche: Neue Rollenbilder für Public-Affairs-Manager bilden sich als Antwort auf die transformativen Kräfte heraus.

Brüssel: Lobbying ohne Hinter­zimmer

Im Grunde läuft es in Brüssel wie in jedem anderen Zentrum politischer Entscheidungen: Eine kleine Zahl von Menschen hat Informationen, die im Kreis der Vertrauten weitergegeben werden, bis es schließlich alle wissen. In diesem Magazin wurde bereits beschrieben, wie in Berlin Politiker, Wirtschaftsvertreter und Journalisten in vertraulichen Runden relevante Informationen austauschen. Dort trifft man auf Gruppen, die so mächtig und exklusiv scheinen, dass manche Wächter der Demokratie verständlicherweise hellhörig werden.

"Ich bin kein Narzisst"

Herr Weselsky, eine Schätzfrage zum Einstieg: Auf wie vielen Dartscheiben hing ein Foto von Ihnen während des längsten Streiks in der Geschichte der Deutschen Bahn?

Da mag es 100 Dartscheiben gegeben haben oder mehr. Ich bin schlecht im Schätzen.

Mit welchem Gefühl steht man auf, wenn einem Medien den Titel "meistgehasster Deutscher" verleihen?

Das war gar kein so schlechtes Gefühl.

Bitte?

Bundestag will Hausausweis-Vergabe an Lobbyisten reformieren

Endlich kommt Bewegung in die Debatte um die Zukunft der Hausweise! Der Bundestag plant, die Vergabe der Hausausweise neu zu regeln. Dafür werden sogar bis auf weiteres keine neuen Hausausweise ausgestellt, wie es aus dem Parlament heißt. Es ist nun Aufgabe des Ältestenrats im Bundestag, Kriterien für die Ausstellung von Hausausweisen zu definieren – und damit das Fundament für ein transparentes Verfahren zu schaffen, das allein in den Händen der Bundestagsverwaltung ruht.

Lobbyiert disruptiv!

Wer in der Kommunikationswelt nicht den Anschluss verlieren will, muss nicht nur mit den technologischen Veränderungen Schritt halten, sondern auch einen offenen Kanal für neue Ideen etablieren. Das gilt für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen. Doch neue Ideen zu entwickeln, klingt leichter, als es ist, denn der Mensch neigt dazu, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und Fremdes erst einmal argwöhnisch zu beobachten. So verschließt er sich gegenüber der notwendigen Inspiration von außen.

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