Journalismus

Zwischen Politik und Presse ist vieles Vertrauenssache

Es ist mehr als 15 Jahre her, dass ich gemeinsam mit einem Kollegen vom "Kölner Stadt-Anzeiger" eine sozialdemokratische Ministerin des damals rot-grünen Kabinetts interviewte. Das Gespräch war nicht besonders ergiebig. Wir versuchten jedoch, beim Redigieren das Beste daraus zu machen. Und dann warteten wir. Ja, wir warteten zum Nervöswerden lange – bis eine halbe Stunde vor Redaktionsschluss endlich der Text eintraf, bei dessen Anblick wir unseren Augen nicht trauten. Denn die Ministerin, ihre Pressestelle oder beide hatten keinen Stein auf dem anderen gelassen.

Gut, dass Sie fragen

Oft erblickt eine Nach­richt auf folgendem Weg das Licht der Welt: Politiker X spricht einen O-Ton in irgendein Mikrofon, alternativ wird das Zitat via Twitter gestreut oder als Pressemitteilung verschickt, woraufhin ein Journalist daraus eine Meldung macht.

Der Großstadt-Cowboy

Wenn es stimmt, was Kollegen erzählt haben, ist der Chef des Berliner "Stern"-Büros einer von der lässigen Sorte; einer, der unverbogen geblieben ist, sich extravagant kleidet – eine Art Großstadt-Cowboy. Das Treffen findet in seinem Büro im sechsten Stock des Spree-Palais am Dom statt. Der Stehtisch zeugt von Arbeit und einem gut organisierten Besitzer. Doch König ist nicht da.

Im schönen Lungerland

Wenn sich Politiker im Berliner Regierungsviertel in Hinterzimmer zurückziehen, beginnt für Journalisten draußen das Warten. Vor verschlossenen Türen herumzulungern heißt aber nicht, sinnlos Zeit totzuschlagen. Gut vernetzte Reporter kennen viele Fakten, lange bevor sich die Türen für offizielle Statements wieder öffnen. Woher? "Irgendwann muss ja einer mal austreten. Und dann kommen ein paar SMS", verrät ein erfahrener Beobachter.

Selbstbetrug mit Ansage

Wie konnte das passieren? Eine Strategie, die deutlich erkennbar immer unrealistischer wurde, je näher der Wahltag rückte? Eine Wunschkoalition, die nach allen Umfragedaten komplett chancenlos war, aber für beide Parteien die einzige selbsterklärte Option? Wie konnten SPD und Grüne nur derart realitätsblind sein, im Bundestagswahlkampf einzig und allein auf die rot-grüne Karte zu setzen?

Suche nach dem Schillernden

Damit hat Susanne Gaschke niemanden einen Gefallen getan. Gerade einmal elf Monate war sie als Seiteneinsteigerin aus dem Journalismus Kieler Oberbürgermeisterin. In dieser Zeit hat sie sich nicht nur mit allen angelegt, sondern auch alle Klischees bestätigt: die über Politiker, jene über Journalisten, und solche über Frauen ebenfalls. Sich selbst hat sie ohnehin geschadet.

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