Jeremy Corbyn

Jeremy Corbyn und die Macht des Basis-Netzwerks

Es sollte eine Wahl werden, die man nicht verlieren kann. Als Premierministerin May im April vorgezogene Neuwahlen ausrief, hatte sie einen Vorsprung von 20 Prozentpunkten auf ihren Herausforderer Jeremy Corbyn. Sechs Wochen später rettete sie einen Vorsprung von zwei Prozentpunkten ins Ziel. Die absolute Mehrheit futsch, die Parteifreunde verärgert, die eigene Zukunft ungewiss.

Lernt Labour von der SPD?

Es hätte der Tag des Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn sein können. Es hätte der dringend benötigte Befreiungsschlag werden können. Doch die Freude von Jeremy Corbyn währte kurz. Gerade erst hatte seine Partei in einer Unterhausnachwahl in Stoke-on-Trent das Mandat verteidigen und in dem europaskeptischsten Wahlkreis auf der Insel den Vormarsch der United Kingdom Independence Party (UKIP) erfolgreich abwehren können.

Labour droht die Spaltung

Sollte Jeremy Corbyn weiter an der Spitze der Partei verharren, werde es bis zu seinem Lebensende keine Labour-Regierung mehr geben – mit diesen eindringlichen Worten warnte Neil Kinnock am Montag seine Parteifreunde vor der erneuten Wahl Corbyns. Kinnock ist nicht irgendwer. Die Worte des langjährigen Vorsitzenden und EU-Kommissars haben in der Arbeiterpartei weiterhin Gewicht. Doch es darf bezweifelt werden, dass sein Ratschlag die Wiederwahl von Corbyn ernsthaft gefährden kann.

Der Richtungsstreit hält an

Vollkommen überraschend wurde Jeremy Corbyn im September vergangenen Jahres zum Vorsitzenden der britischen Labour Party gewählt. In einer Urwahl hatten sich die Parteimitglieder ausgerechnet für den Alt-Linken entschieden, der während der Regierungsjahre von Tony Blair und Gordon Brown als der rebellischste Abgeordnete der Arbeiterpartei galt und als großer Außenseiter in die Abstimmung ging.

Bei Labour siegt Herz über Verstand

Deutlicher als erwartet – mit 59,5 Prozent – hat der als Außenseiter gestartete Sozialist Jeremy Corbyn die Wahl zum Vorsitzenden der britischen Labour Party gewonnen. Der Rebell setzte sich gegen das Partei-Establishment durch: auch Dank der rund 105.000 "registrierten Unterstützer", von denen beinahe 90.000 für ihn stimmten. Sie entrichteten drei Pfund und erkauften sich so ein Mitspracherecht bei der Wahl des Vorsitzenden. Unter ihnen befinden sich Grüne, Sozialisten und Konservative, die Corbyn gleichermaßen ins Amt tragen wollten.

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