Interessenvertreter

"Interessenvertreter sollen selbstbewusst sein und nicht duckmäuserisch“

Herr Kropp, bis Ende Februar waren Sie fast ein Vierteljahrhundert lang als Lobbyist in Berlin, Brüssel und weltweit tätig – wie würden Sie einem Branchenfremden diese Aufgabe beschreiben?

Als Diplomat, Feuerwehrmann und Minenhund in einer Person.

Welche Erkenntnisse können Sie an die nächste Generation von Interessenvertretern weitergeben?

Nervensägen-­Lobbyismus schadet!

Neue Regierung, das heißt: neue Minister, Staatssekretäre, Abteilungsleiter, Fraktions­chefs, Sprecher, Ausschuss- und Arbeitskreisvorsitzende, Ausschuss­mitglieder, Haushaltsberichterstatter, Landesgruppenvorsitzende – und das Ganze inklusive Stellvertreter und obendrein mit fachlicher Binnen­differenzierung auf einzelne Themen. Da kommt ganz schön was zusammen! Und in diesem Jahr wird das alles auf parlamentarischer Ebene sogar noch einmal durchgemixt, weil die bereits im Januar eingesetzten Bundestagsausschüsse auf die Ressortzuschnitte gemünzt werden.

Warum ich aus Überzeugung Lobbyistin bin

"Ich bin Advocacy-Referentin bei Care." Wenn ich Menschen sage, was ich beruflich mache, schaue ich meist in verständnislose Gesichter. Ich erkläre dann: "Das bedeutet, dass ich als Verbindungsreferentin für politische Entscheidungsträger die Erfahrungen und Empfehlungen aus unserer Arbeit weltweit weitergebe. Damit sollen Abgeordnete in die Lage versetzt werden, informierte Entscheidungen zu treffen.“ Auch die folgende Reaktion ist meist gleich: "Ach, du bist Lobbyistin!"

Wie kommt ein Gedanke zum Minister?

Die Menschen drängen in den Saal. Fast 4000 Ehrengäste sind zur Eröffnungsfeier der Internationalen Grünen Woche 2006 gekommen, darunter Minister aus der ganzen Welt plus jene aus den Bundesländern. Den amtierenden Bundesagrarminister Horst Seehofer trennen nur wenige Minuten von seiner Rede. Angesichts der Skandale um Gammelfleisch und Fehletikettierungen sind die Erwartungen enorm. Es gilt nicht weniger, als das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. Der bürokratische Apparat lief wochenlang auf Hochtouren.

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