Horst Seehofer

"Seehofer und Söder werden sich nicht halten können"

Die Wahl in Bayern steht unmittelbar bevor, die CSU ist in heller Panik angesichts von zuletzt nur noch 33 Prozent Zustimmung. Im letzten Interview vor der Wahl spricht Lars Rademacher mit dem Wahlkampfmanager Professor Markus Karp, der an der TH Wildau bei Berlin Personalmanagement und Politikwissenschaft lehrt und für Christian Wulff den Regierungswechsel in Niedersachsen vorbereitet hat, über die gescheiterte Wahlkampfstrategie der CSU und die Spätfolgen des Unionsstreits.

Politik für die ­Leberkäs-Etage

Die stolze Staatspartei hauste in einem häss­lichen Hinterhof. Abgewetzte Teppiche führten über dunkle Flure, die Heizung bollerte sommers wie winters. Der Geruch aus den Toiletten erinnerte, so beklagte sich Horst Seehofer, "an eine nicht mehr zeitgemäße Pflegestation". Keine Frage: An der alten CSU-Zentrale war nur die Adresse mondän, Münchens Nymphenburger Straße, ein Klang nach Porzellan und Prinzen. In der Realität wollte die CSU hier einfach nur raus, vier Jahrzehnte lang.

Das Machtsystem Seehofer

Kurz nach Weihnachten 2008 wurde es Horst Seehofer ein wenig langweilig. Bayerns Ministerpräsident griff zum Handy, um die Stille zu stören. "Wo bleibt die Revolution?", tippte er und schickte den Text reihum an seine Minister. Er erwischte sie kalt, zumeist irgendwo im Winterurlaub. Grübelnd verbrachten sie die nächsten Stunden über der Frage, was der Chef gemeint haben könnte.

Horst Seehofer im Motivkompass-Check

Horst Seehofer ist ein Politiker, der polarisiert. Als CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident ist er bekannt dafür, dass er seine Meinung und Position auch gegen den Widerstand aus Berlin behauptet und dabei Konflikte nicht scheut. Am Sonntagabend sprach er im Bericht aus Berlin mit Tina Hassel und Thomas Baumann über aktuelle politische Themen wie die Terroranschläge in Nizza, den Putschversuch in der Türkei, die immer wieder diskutierte Flüchtlingsobergrenze und den Zustand der Koalition.

"Das schwächt den Einfluss der CSU"

Herr Professor Korte, die Union hat die Europawahl in Deutschland zwar gewonnen, aber einen Dämpfer verpasst bekommen. War die Wahlkampfstrategie der CDU, voll und ganz auf Kanzlerin Merkel zu setzen, richtig?

Auf jeden Fall. Die Ergebnisse geben ihr doch Recht, die CDU hat eindeutig gewonnen, hat geradezu abgeräumt. Wer verloren hat, ist die CSU. Ihr europaskeptischer Populismus hat sich offensichtlich nicht ausgezahlt.

Warum nicht?

"Eine absolute Mehrheit für die CSU ist möglich"

p&k: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat die bevorstehende Landtagswahl als „Mutter aller Schlachten“ bezeichnet. Weshalb diese drastische Wortwahl?
Ulrich Berls: Das ist ein etwas schiefes Sprachbild, denn es war ja der irakische Diktator Saddam Hussein, der diese Parole zu Beginn des Zweiten Golfkrieges ausgegeben hatte. Was dahinter steckt, ist die Einschätzung, dass die Wahl am 15. September wirklich eine „Alles-oder-nichts-Wahl“ ist.

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