Hillary Clinton

Zehn Lehren aus dem Wahlkampf von Hillary Clinton

Im berüchtigten Battleground State Ohio habe ich den US-Wahlkampf aus nächster Nähe erlebt. In Cleveland war ich von August bis November Teil der Graswurzelbewegung von Hillary Clinton, klopfte an tausende Türen, wählte zehntausende Telefonnummern und organisierte zahllose Events. In diesen Monaten habe ich nicht nur wunderbare US-Amerikaner kennengelernt, sondern für den deutschen Wahlkampf einige Lehren mitgenommen:

Zwischen Fehlpässen und Touchdowns

US- und Bundestagswahlen sind wie American Football und Bundesliga: verwandt, aber doch ganz anders. Auch wenn uns nicht immer alle Regeln dort einleuchten, so starren wir doch gebannt auf das Ringen um die US-Präsidentschaft und prüfen Trends und Kanäle auf ihr Potenzial für den politischen Dialog. Hier die aus unserer Sicht wahrscheinlichsten Fehlpässe und möglichen Touchdowns im Bundestagswahl-Check.

Wahrheit und Lüge im US-Wahlkampf

Diesen Angriff hatte John Kerry sorgfältig vorbereitet. In einem Fernsehduell des hart umkämpften US-Wahlkampfs 2004 warf er seinem Gegner George W. Bush vor, mit seinen Steuerplänen für kleine Unternehmen in die eigene Tasche zu wirtschaften. "Der Präsident hat 84 Dollar von einer Holzfirma bekommen, die ihm gehört", so Kerry. "Mir gehört eine Holzfirma? Das ist mir neu", sagte ein sichtlich überraschter Bush. Doch er spürte, dass er irgendwie in die Offensive kommen musste.

Wettstreit zwischen Realität und Satire

Selten war ein Wahlkampf so stark von Medienlogik dominiert wie der zwischen Donald Trump gegen Hillary Clinton um die 45. US-Präsidentschaft in der 48. Vierjahres-Wahl der Nation am 8. November. Öffentlich ausgebreitete dunkle Geheimnisse, Anschuldigungen und Absurditäten wurden wichtiger als Themen, je näher der Wahltag rückt. Spektakuläre Selbstdarstellung hat stärkere Überzeugungskraft als informierte Zukunftsdiskussion. Ist das ein Modell davon, was uns in kommenden Jahren auch in anderen Demokratien erwartet?

"Trump genießt Narrenfreiheit"

Hätte ich Sie vor einem Jahr gefragt, wer der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird, was hätten Sie geantwortet?

Ich hätte gesagt: Hillary Clinton wird es im zweiten Anlauf schaffen, weil sich bei den Demokraten nur ein Häuflein von Konkurrenten abzeichnete und die meisten nur Staffage waren, damit es nicht so mickrig aussieht. Bei den Republikanern zeichnete sich damals Jeb Bush ab und bei einer Konstellation Clinton vs. Bush hätte ich Clinton vorn gesehen.

Im Kampf um die Delegierten

Es waren wilde zwei Wochen in den US-Vorwahlen mit gleich zwei "Super Tuesdays". Seit einigen Dekaden gibt es in jedem Vorwahlkalender – der ja von den beiden Parteizentralen in jedem Wahljahr aufs Neue zusammengestellt wird – einen Dienstag, an dem die meisten Delegierten vergeben werden. Ziel dieses Tags ist die Verkürzung des eigentlich bis Juni dauernden Vorwahlprozesses: Zwar sind noch nicht alle Delegierten festgelegt, aber ein Kandidat hat so viel Momentum gesammelt, dass es unmöglich scheint ihn einzuholen. 

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