Emotionen

Evitas Affäre mit dem Volk

Es ist Nacht geworden über Buenos Aires am 22. August 1951. Scheinwerfer gleiten über die Menge, eine Million Menschen, gratis von der Staatsbahn herbeigekarrt. Mobilisiert hat sie der Gewerkschaftsbund CGT. Die Medien plärren seit Wochen von der Versammlung auf der Prachtstraße der Stadt. 25 Meter lang wölben sich die Lettern "Perón – Eva Perón" über die haushohe Tribüne. "La fórmula de la patria", verheißt ein Spruchband. Präsident und Gattin blicken von Porträts über die größte Jubelmenge aller Zeiten, die Juan Perón zur Wiederwahl ausrufen soll.

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Orte, die bewegen

Eine Reise an Orte der Vergangenheit: Wir haben Marianne Birthler, Peter Radunski, Walter Momper und Marco Buschmann an Plätzen getroffen, die in ihrem politischen Leben emotional von besonderer Bedeutung sind oder waren.

Foto: Laurin Schmid

Surfen auf der Welle der Empörung

Am 13. November 2015 äußerte sich Bundespräsident Joachim Gauck "tief erschüttert angesichts der Nachrichten" aus Frankreich. In ihrer Neujahrsansprache bedankte sich die Bundeskanzlerin bei den Deutschen "für ihre Herzenswärme". Ein paar Tage später verurteilte sie mit Nachdruck die "widerwärtigen, kriminellen Taten" von Köln, die für sie "persönlich unerträglich" seien. Das Land der Ingenieure ist das Land der Emotionen geworden und dieses Land ist in Aufruhr.

Lasst auch mal Tränen zu!

Mein Freund weinte, als er seine Tochter in die Arme nahm. Sie war sieben Wochen zuvor in Berlin zur Welt gekommen. Er hatte sie drei lange Wochen nicht mehr gesehen. 800 Kilometer hatte er mit dem Auto in zwölf Stunden zurückgelegt, bei 37 Grad Celsius im Stau, die letzten 100 Kilometer durch die engen Täler Tirols. Es brach aus ihm heraus, als er in die weit geöffneten Augen blickte. Eine Eruption von Emotionen. Tränen kullerten über seine Wangen. Schluchzend drückte er das Baby an seine Brust.

Psychogramm einer Kanzlerin

Ein Mittwoch im Mai 1995. Kabinettssitzung im Bonner Kanzleramt. Helmut Kohl ist sauer. Angela Merkel hat einen Plan mitgebracht. Sie will dem alljährlichen Sommersmog in jenen Jahren mit Fahrverboten begegnen. Die Pläne sind nicht abgestimmt. Kohl wird unwirsch, faltet Merkel zusammen. Andere Kabinettsmitglieder legen nach. Merkel kommen die Tränen, wird verstockt, will unbedingt Recht behalten, unbedingt das Richtige tun. Die Gefühle gehen mit Merkel durch. Kohl bremst sie aus. Es ist die erste heftige Niederlage von Kohls ­Mädchen.

Angst kriecht durch die Nase

Der ultimative Traum ist erfüllbar: ein Leben ganz ohne Angst! Keine brüchige Stimme bei Reden vor großem Publikum. Kein Zittern im Fernsehstudio bei aggressiven Nachfragen. Kein Schweißausbruch im taumelnden Landeanflug eines Flugzeugs im Sturm. Vor allem aber: Schluss mit den diffusen Angststörungen, der sinnlosen Form der Angst – vor Spinnen, hohen Türmen, geschlossenen Aufzügen, oder gar vor dem Verlassen des Hauses. Diese lähmende, alles umfassende Angst kann das ganze Leben zerstören.

Spagat zwischen Ratio und Empathie

An diesem Mittwoch heißt es für die Parlamentarier und insbesondere für die Abgeordneten der Unionsfraktion: Farbe bekennen. Der Bundestag stimmt über das dritte Hilfspaket für Griechenland in Höhe von 86 Milliarden Euro ab. Vor allem in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist die Stimmung aufgeheizt. Schon bei der Abstimmung im Juli gab es 60 Abweichler in den Reihen der Union.

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