Deutscher Bundestag

Sie sind dann mal weg

Bei jeder Bundestagswahl wird mehr als ein Drittel der Abgeordneten ausgetauscht, sie ist insofern Symbol für Abschied und Neuanfang. Während einige Parlamentarier bis zum Wahl­abend warten mussten, ob sie auch dem 19. Deutschen Bundestag angehören werden, haben mehr als 80 Abgeordnete im Vorhinein auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Dabei ist auffällig, dass in diesem Jahr viele Politiker aus der ehemals ersten Reihe den Bundestag verließen, die über Jahre die politische Debatte in ihrem Aufgabengebiet geprägt haben.

Keine Teilhabe ohne Mitbestimmung

Als ich im Jahr 2000 in die Politik gegangen bin, stritt sich Deutschland erbittert über sein Selbstverständnis als Einwanderungsland. Es war eine Zeit, in der sich die Lager fast schon unversöhnlich gegenüberstanden und sich gegenseitig entweder als Multikulti-Träumer oder verstaubte Leitkultur-Kämpfer beschuldigten. Und dann gab es Menschen wie mich, Hamburgerin, Muslima und als Tochter türkischer Einwanderer eine von mittlerweile 16 Millionen Bürgerinnen und Bürgern mit Einwanderungsgeschichten in unserem Land.

Nur Information hilft gegen die Angst vor dem Neuen

[...] Obgleich ich mich immer für die Kultur meines Vaters interessierte und wir in meiner Kindheit mehrfach nach Ägyptern reisten, um die Verwandtschaft zu besuchen, habe ich mich zu keiner Zeit über meinen Migrationshintergrund definiert. Er war immer ein bereichernder, nie aber ein hemmender Teil meines Lebens. In vielerlei Hinsicht haben mir die Gespräche mit meinem Vater über Ägypten dabei geholfen, den arabischen Raum und seinen Kulturkreis besser zu verstehen.

Der Krieg und die kollektive Erinnerung

Meinen Migrationshintergrund erkennt man auf den ersten Blick nur an meinem Nachnamen. Ich bin in Köln geboren und habe dort meine gesamte Kindheit und Jugend verbracht. Als Tochter eines Briten und einer Deutschen sieht man mir die ausländischen Wurzeln nicht an. Und die Kulturkreise, aus denen meine Eltern stammen, unterscheiden sind nicht einmal grundsätzlich. Dennoch haben meine beiden Staatsangehörigkeiten sich auf mein Leben ausgewirkt. Im täglichen Leben, aber auch in meinen Grundeinstellungen.

Von der "Gastarbeiterin" zur Bundestagsabgeordneten

[...] Am 1. Januar 1950 in der Türkei geboren, habe ich meine Kindheit in Tarsus, meine Jugend in Istanbul verbracht. Inzwischen lebe ich seit über 40 Jahren in Berlin. Wie viele andere Frauen aus der Türkei kam ich als "Gastarbeiterin" nach Deutschland. Das gängige Bild der Arbeitsmigration in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren ist geprägt durch männliche "Gastarbeiter". In der Öffentlichkeit wird kaum wahrgenommen, dass auch viele Frauen in die Bundesrepublik kamen.

Unermüdlich im Einsatz

Es ist Sitzungswoche im Bundestag. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem eine Regierungserklärung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu den Chancen des digitalen Wandels, ein Antrag zur Einführung eines Jahreswohlstandsberichtes und eine Beratung über den weiteren Einsatz der Bundeswehr im Irak. Daneben gibt es weitere 20 Tagesordnungspunkte aus allen möglichen Themenbereichen. Trotzdem schafft es Dagmar Schmidt, sich ein wenig Zeit für ein Gespräch freizuschaufeln.

Rhetorikcheck: Jörn Wunderlich

Selten hat die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) einen Redner mit einem solchen Lächeln, Augenzwinkern und langen Blick angekündigt wie Jörn Wunderlich (Die Linke). Schnell wird klar, warum: Es geht endlich einmal wieder um diejenigen, die zu kurz kommen in unserem Land. Richtig, natürlich die Frauen! Roths quergestreiftes, weißblaues Matrosenshirt unter dem Blazer verrät ihre rebellische Grundhaltung. Doch was kann ein Mann wie Wunderlich zum Kampf gegen die Unterdrückung der Frau beitragen?

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